WATCH OUT STAMPEDE! – Reacher

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“Vorsicht: Massenpanik”, diese Aussage steckt hinter dem Bandnamen. WATCH OUT STAMPEDE! sind seit 2011 auf dem Weg sich zu einer überregional bekannten Gruppe zu mausern. Die Bremer haben sich dem Post-Hardcore angenommen und bedienen auch mit ihrem Debüt-Longplayer “Reacher” genau diese Szene.

Das Album wurde mit zehn Tracks bespickt, welche eine moderne Ausrichtung aufweisen. Schon der tanzbare Opener “The Crucible” zeigt, dass WATCH OUT STAMPEDE! selber gerne mal in die örtliche Disco gehen. Diese auf Synthies ausgelegte Ausrichtung kommt jedoch nicht häufig zum Tragen. Hauptsächlich üben sich die Bremer in Melodic Hardcore: Geshoutete Strophen und cleane Refrains sind alles andere als eine Seltenheit auf “Reacher”.

Die elektrifizierenden Shouts von Ando erinnern an ATREYU-Frontmann Alexander Varkatzas. Die Cleanvocals bei WATCH OUT STAMPEDE! kommen von Gitarrist Dennis, deren Qualität in Ordnung ist. Nichts wofür die Band Ruhm einstreichen wird – aber eben auch nicht richtig schlecht. Vom Tonfall erinnern diese an Tim McIlrath von RISE AGAINST. Beide Vergleiche sind nur erste Assoziationen – dürften jedoch aufgrund der berühmten Kollegen positiven aufgenommen werden.

Die Cheesyness, die durch so manchen klaren Chorus artifiziell verstärkt wird, könnte wohl am ehesten bitter an “Reacher” aufstoßen. Hier muss jeder Fan für sich entscheiden, ob WATCH OUT STAMPEDE! Lob oder Kritik einstecken sollten. DEARLY DEMENTED entscheidet sich für die goldene Mitte: Die Bremer hätten mehr auf das Überraschungsmoment setzen sollen. “Reacher” klingt einfach zu absehbar. Auch wenn jeder Song für sich eingängig ist und gut aufgenommen wird, ist das immer gleiche Motiv bei zehn Liedern zu langweilig.

Ein weiterer negativer Punkt sind die Lyrics und insbesondere die Darstellung dieser im eigentlich schön designten Digipack. Ohne die einfach gehaltenen Texte pauschal kritisieren zu wollen, springen zahlreiche Rechtschreibfehler in’s Auge. Bei der physischen CD hält es sich wie mit der Musik: Auf den ersten Blick ist alles schön – bei genauerem Hinsehen fallen kleinere Schwächen und Mängel auf.

6 von 10 Punkte auf der “I-build-this-fortress-into-the-sky”-Skala