Die Dearly Demented-Städtereise mit WATCH OUT STAMPEDE!: Bremen

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watchout

WATCH OUT STAMPEDE! Haben gerade eben ihren Longplayer “Reacher” im Rahmen einer feuchtfröhlichen Release-Show vorgestellt. Das Happening fand natürlich in ihrer Heimat Bremen statt. Und genau diese Stadt wird heute in der DEARLY DEMENTED-Städtereise von Gitarrist Dennis vorgestellt!

Hallo, Dennis! Was ist das Besondere für dich an Bremen? Welchen Charme versprüht die Stadt?

Dennis: Also, das Besondere an Bremen ist, dass es gleichzeitig eine Großstadt und irgendwie auch ein Dorf ist. Egal, wie tief man sich in der Stadt befindet, nach ein paar Schritten in die richtige Richtung ist man immer irgendwie im Grünen oder eben am Wasser! Allgemein kann man viele der schönsten Ecken von der Innenstadt bis in’s Steintor bequem zu Fuß erreichen. Das macht das Ganze irgendwie sehr gemütlich.

Wie sieht das Stadtbild aus?

Dennis: Bremen hat komplett unterschiedliche Ecken: von Schrebergarten-Anlagen über große Grünanlagen, wie den Bürgerpark, bis hin zu Zementriesen der Wohngebäude der Vahr oder des Hafengebietes. Und natürlich allgegenwärtig: die Weser.

Etwas ganz Besonderes ist der “Schnoor”. In diesem Teil der Altstadt fädeln sich die Häuser in bis zu ein Meter engen Gassen wie an einer “Schnur” auf, eines kleiner als das andere. Hier gibt es auf jeden Fall viel zu entdecken und es hat seinen ganz eigenen Charme.

Eine Riesensünde ist aber, dass der Skateplatz vor dem Bahnhof geräumt wurde, da diese Freifläche auch bebaut werden soll – allerdings wurde jetzt gerade ein riesiger neuer Skatepark in der Überseestadt bei den Häfen fertiggestellt, also ist in der Richtung eigentlich alles wieder gut. Nicht so clever war ebenfalls, dass in der Haupteinkaufsstraße sauteurer Marmor verlegt wurde, nur um festzustellen, dass sich darauf bei Nässe oder Schnee jeder auf die Fresse legt. Jetzt ist er wieder weg!

Was sind deine drei Lieblings-Sehenswürdigkeiten?

Dennis: Natürlich die Statue der Bremer Stadtmusikanten, das versteht sich ja von selbst! Es bringt Glück, die Vorderbeine des Esels anzufassen, weshalb die Bronze an der Stelle inzwischen ziemlich blankpoliert ist. Der ganze Marktplatz, quasi das Zentrum Bremens, ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Hier hat man neben dem Bremer Dom auch das Rathaus (Weltkulturerbe!) vor der Linse.

Ganz in der Nähe findet man, wahrscheinlich aber nur mit ortskundiger Hilfe, den Spuckstein. Unscheinbar zwischen dem normalen Kopfsteinpflaster des Domhofes, darf jeder Besucher nach Herzenslust darauf spucken. Warum? Hier soll der Kopf von Gesche Gottfried liegen, eine Serienmörderin aus dem neunzehnten Jahrhundert, die Ihre Opfer mit Arsen vergiftet hat und an dieser Stelle geköpft wurde.

Unbedingt besuchen muss man das Steintorviertel, im Bremer Volksmund einfach nur “Viertel”, ein absolutes Szeneviertel mit coolen Bars, Läden und Clubs. Hier gibt’s die besten Hot Dogs, Burger und Burritos, dem Publikum entsprechend auch oft vegetarisch bis vegan und perfekt für den großen Hunger um vier Uhr morgens. Gleichzeitig ist das “Viertel” ein gutes Beispiel für die Gentrifizierung eines Stadtteils.

Was kann man in Bremen mit kleinem Geldbeutel entdecken?

Dennis: Da kann ich Abhängen und Leute treffen auf dem Osterdeich, am Strand beim Cafe Sand, oder am Werdersee empfehlen – alles was mit Sommer, Sonne und Wasser zu tun hat, ist geil und umsonst! Die Breminale, ein riesen Umsonst-und-draußen-Kulturfestival findet einmal im Jahr am Deich, mit Bands in mehreren Zelten über vier Tage lang statt. Auch schön ist die Happy Hour im Schüttinger: leckeres Bier aus dem eigenen Brauereikeller für einen Euro! Aber auch ansonsten sind die Preise in den Kneipen und Clubs größtenteils human – wir sind zum Glück nicht in München.

Gibt’s denn auch HC oder Metal in Bremen?

Dennis: Clubs in denen auch HC und Metal mal zu Wort kommt, gibt es einige! Römer, Meisenfrei, Tower, Magazinkeller, G18, BDP-Haus und viele mehr. Je nach Zuschauerzahl und Bekanntheitsgrad der Band gibt es schon einige Optionen. Im Tower waren im letzten Jahr zum Beispiel DEEZ NUTS oder ESKIMO CALLBOY, ganz früher waren sogar schon einmal PARKWAY DRIVE dort auf ihrer ersten Europatour. Mehr Underground gibt’s dann eher in Locations wie dem BDP-Haus. Hier hat sich eine kleine Gruppe gebildet, die mit viel Herzblut in regelmäßigen Abständen Konzerte veranstaltet, und genau so etwas braucht eine Szene einfach.

Bremer Bands aus der Richtung? LAST LEAF, BEWARE THE LIGHT, A DAY OF MINE, PRIDE SHALL FALL – und das sind nur ein paar Beispiele aus unserem direkten Bekanntenkreis. Also, da geht einiges!

Wo gehst du als Musiker einkaufen?

Dennis: Leider nur noch selten in Bremen! Es gibt aber auf jeden Fall ein paar Möglichkeiten, zum Beispiel hatte bis vor kurzem der große Musikladen Musik Produktiv aus Ibbenbühren eine Filiale in Bremen, die zwar noch da ist, aber inzwischen anders heißt. Ansonsten gibt es im “Viertel” auch kleine Gitarrenläden. Da sollte ich mir echt mal wieder Saiten kaufen, jetzt wo du es sagst.

Herzlichen Dank, Dennis, für das Interview. Alles Gute für euch und  “Reacher”!