TWENTY ONE PILOTS: Blurryface Tour Europe

Artikel von
Live Bericht Twenty One Pilots

Nachdem TWENTY ONE PILOTS sich entschieden hatten, ihre für letzten November geplante Deutschland-Tour infolge der Anschläge von Paris abzusagen, trauten sie sich nun wieder über den großen Teich. Das zweite Konzert der “Blurryface Tour Europe” fand im bis ins hinterste Eckchen gefüllten Astra in Berlin statt. Schnell war klar, dass die Show für einige eine sehr ernste Sache war, erspähte man doch auf dem Weg zur Venue bereits vormittags eine lange Schlange und sogar ein Zelt. Zwei Stunden vor Einlass meinte man, die Türen könnten jeden Moment geöffnet werden, so sehr wurde von allen Seiten gedrückt.

Das Vorprogramm wurde von einem trashigen DJ serviert, der sich wohl auf dem Weg zur nächsten Party verlaufen haben musste, und dann – seinem uneindeutigen Grinsen nach zu urteilen – Gefallen am Leid der Sardinen in der Dose gefunden hatte. Meiner Meinung nach war dieser Support fehl am Platz, denn, obwohl TWENTY ONE PILOTS in ihrer bunten Mischung verschiedener Genres auch Platz für Electro und Hip-Hop haben, ist ihre Musik doch keineswegs so belanglos, wie man nach dem Set von DJ ALEXANDER BROWN hätte erwarten können. Die Menge nahm es so gelassen wie möglich, sang und klatschte bei bekannten Songs mit, aber brodelte erst vor Enthusiasmus als sich der Hauptact ankündigte.

Eigentlich lässt sich die Show von TWENTY ONE PILOTS in einem Wort zusammenfassen: Reizüberflutung. Grelle Lichteffekte. Projizierte Bildsequenzen. Nebel, so dicht, dass man nichts als den Rücken seines Vordermanns sah. Konfetti. Zwei Drumsets für Schlagzeuger Josh Dun und zwei Mikros für Sänger Tyler Joseph – die Liste könnte ewig weitergeführt werden. Aber nicht nur die Technik überzeugte: Auch die beiden Künstler konnten ihre Vielseitigkeit beweisen, und das nicht nur beim mehrmaligen Kostümwechsel, sondern auch an den Instrumenten. Zusätzlich zu den Drumsticks nahm Josh Dun auch die Trompete zur Hand; Tyler Joseph spielte Klavier, Ukulele, Tamburin und Bass. Highlight des Publikums wa, dass letzterer das Crowdsurfen wagte und ersterer gleich zweimal samt Drumset in die Menge gehoben wurde und dort ausgiebige Soli performte.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Art von TWENTY ONE PILOTS, sich zu inszenieren, ebenso einzigartig ist, wie ihre Musik. Trotz eines großen Nachteils (Platzmangel!) war es ein überaus gelungener Abend, der Anerkennung verdiente und Freude verbreitete.