Traffic Jam Open Air 2015

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Zwei ganze Tage stand man im Stau. Was nach einer quälenden Tortur klingt, ist in Wahrheit das Dieburger TRAFFIC JAM OPEN AIR, das an diesem Wochenende zum sechzehnten Mal stattgefunden hat. Das Wetter war mindestens genauso abwechselnd wie die verschiedenen Bands. Ob Starkregen, pralle Sonne, Wind oder Unwetter, die Besucher des Festivals haben sich niemals den Spaß nehmen lassen.

Der Freitag war mit lokalen Größen wie SWALLOW YOUR PRIDE, SHATTERED LIONS oder THEIR DECAY gespickt, die ihre mitgereisten Fans und Freunde auch auf einer größeren Bühne zu überzeugen wussten. Es wurde wärmer und auch das Gelände füllte sich allmählich, während die Augsburger Jungs von ARISE FROM THE FALLEN – die erste überregionale Band an diesem Abend – die Bühne betrat. Melodischer Metalcore mit vielen virtuosen Gitarrensoli und Mitsing-Passagen sorgte für beste Stimmung in der Zuschauerschaft.

Zur Enttäuschung einiger Besucher haben die Schweden von ADEPT leider wegen eines Krankheitsfalles absagen mussten und so blieb es nach den Amerikanern LIONHEART im brachialen Bereich, denn niemand geringeres als NASTY konnten in allerletzter Minute für das TJOA 2015 gewonnen werden. Die Meute war am feiern und kam mehr und mehr in Bewegung.

Mit LESS THANK JAKE und EMIL BULLS wurde es noch einmal etwas ruhiger und mitsingbar, bevor es Zeit für den Headliner wurde. Passend zu dem Logo der Band – dem Blitzkreuz – sammelten sich Wolkenbrüche um Dieburg herum und eine Lichtshow hätte fast nicht besser passen können. CALLEJON wussten die Besucher bei Laune zu halten. Mit neuen und alten Songs feierten die deutschen Metalcore-Urgesteine ihr Set, das aufgrund der riskanten Wetterlage jedoch vorzeitig abgebrochen werden musste. Kurz vor dem offiziellen Ende der Setlist blieb den Veranstaltern leider nichts anderes übrig. Nach dem auf Festivals wie Rock am Ring oder dem With Full Force bereits sehr schlechte Erfahrungen mit Blitzschlägen gemacht wurden, war dies definitiv die beste Entscheidung, da die Sicherheit der Besucher an aller erster Stelle stehen sollte.

Aber wer denkt, dass ein Unwetter den Abend beendete, der irrt. Nach ungefähr einer Stunde mit Platzregen und Gewitter beruhigte sich die Lage und die Aftershowparty begann. Mit jeweils einer Band an beiden Abenden und einem darauffolgenden DJ-Set lockte diese alle hartgesottenen bis nachts um vier Uhr weiterzufeiern. Klassiker wie METALLICA, SYSTEM OF A DOWN oder SLIPKNOT sorgten für beste Stimmung und ein gutes Ende eines langen Festivaltages.

Wer nicht aufhören wollte zu feiern, ist einfach wach geblieben. Auch wenn man bei gerade einmal vier Stunden unbequem im Zeltrumliegen nicht gerade von Schlaf reden kann, geht es überraschend entspannt und motiviert in den zweiten und letzten Tag des Festivals. Die Nacht hat ihre Spuren hinterlassen – Pavillons und Campingstühle liegen über den ganzen Zeltplatz verteilt und auch die Bäume haben Schaden genommen. Glücklicherweise gab es unter Helfern und Zuschauern keine Verletzten und bis auf ein paar Sonnenstiche und Alkoholintoxikationen ist das Wochenende für die Sanitäter recht entspannt verlaufen.

Pünktlich um zehn Uhr betraten MELTED MOON die kleine Bühne im Zelt, welches sechs Stunden zuvor die Aftershowparty beherberte. Mit 8 Bit-Musik, wie das Theme von Legend Of Zelda oder Tetris, funktionierte das Trio als musikalische Untermalung des alljährlichen Flunkyball-Turniers. Acht vorangemeldete Teams traten im K.O.-System gegeneinander an. Gespielt wurde mit Schiedsrichter und wahlweise Bier oder Apfelwein. Ein cooles Sideevent, das von den Veranstaltern mit Getränken gesponsert wird und vielen Schaulustigen eine Menge Unterhaltung bietet.

Gegen Mittag wurde es wieder warm, es wirkte fast so, als wäre das schlechte Wetter von dannen gezogen. Mit lokalen Bands wie CAPTAIN CAPRA und SERAPHIM FALLS wurde der Samstag eröffnet. Bereits als dritte Band spielten die Amerikaner von H2O, die nach der Show zu einer weiteren Clubshow am Abend reisen mussten. Es bleibt mit Bands wie I AM REVENGE oder BROKEN TEETH hart im Kern, doch plötzlich wird das Festivalgelände von einem nahezu tropischen Regenfall weichgespült. Schade für die Bands, die unter den flüchtenden Besuchern leiden mussten, aber einige Standhafte waren unkaputtbar und wälzten sich gegenseitig im Schlamm. Als THE GREEN RIVER BURIAL ihr Set begannen ist das Wetter vorerst wieder gut. Die Frankfurter Lokalmatadore spielten einen Mix aus alten und neuen Liedern, die auch beim Publikum durch Cleangesang nicht nur für Verwunderung sorgten, sondern direkt Anklang fanden.

Ein bisschen erinnerte die Running Order an den vorigen Tag. Wieder wurde es ska-ig, die Hamburger RANTANPLAN sorgten für gute Laune, bevor die wohl schmetternste Band des Festivals begann. THE BLACK DAHLIA MURDER stehen seit Jahren für einen Mix aus Melodic Deathmetal und Metalcore. Ein Sound, der insbesondere von dem Schlagzeuggewitter dominiert wird, brachte das gesamte Gelände zum Beben. SOULFLY aus Brasilien haben sich dieses Jahr als Headliner nach Dieburg verirrt und boten ihren Mix aus Nu-, Thrash- und Groove Metal den phänomenalen Abschluss eines gelungenen Festivals. Auch die Aftershowparty folgte, dieses Mal jedoch ohne uns.

Das Festival ist laut Schätzungen von ungefähr dreitausendfünfhundert Besuchern besucht worden und hat ein breites Spektrum an Konzerten geboten, die insgesamt zwischen Ska-Punk-HC und Metal anzuordnen waren. Ein perfektes Event für alle die es gerne etwas familiärer haben, aber weder auf regional noch auf namhafte internationale Acts verzichten wollen.

Was vielen Besuchern jedoch missfiel, war die lange Wartezeit, um auf das Camping-Gelände zu gelangen. Bis zu drei Stunden stand man an, wenn man zur offiziellen Eröffnung um neun Uhr morgens sein Quartier aufbauen wollte. Aufgrund nur eines einzigen Einganges ist es schwierig hunderte Menschen schnell durch das Gelände zu schleusen. Die Schlange machte dem Namen des Festivals dann immerhin noch alle Ehre. Aber vielleicht ist genau das auch so beabsichtigt!?