TRAEOS – Apollon (EP)

Artikel von
traeos

TRÆOS stammen aus dem Saarland und beschallen ihr Umfeld seit 2007 mit ihrer eigenen Musik. Seit diesem Zeitpunkt stehen schon mehrere Veröffentlichungen auf der Haben-Seite: zwei EPs (2008 und 2011) sowie das full-length Album “Mnemosyne”, welches Ende 2010 herauskam. Im April diesen Jahres hat die produktive Kombo nun erneut eine Scheibe mit einigen Stücken via Ampire Records vorgestellt: “Apollon”.

Die EP entspricht musikalisch einem modernen Metalcore- oder Post-Hardcore-Werk mit gelegentlichen Screamo-Einflüssen. Allerdings driftet die Band nicht in zu negativ konnotierte Genre ab, sondern legt Wert darauf qualitativ hochwertige Musik an den Mann zu bringen. TRÆOS legen ihr Augenmerk auch darauf, stets melodisch zu klingen. Auch wenn “Leader In Disguise” mit zu den härtesten Nummern auf der CD gehört, kann der Hörer eine unterschwellige melodische Schlagseite kaum leugnen. Der Songs kommt mit dröhnenden Gitarrenriffs daher und die Screams tun das ihre dazu, um für wohlige Härte zu sorgen. Im letzten Drittel des Liedes kommen Cleanvocals zum Einsatz, die geschickt eingesetzt wurden, damit dem Lied die nötige Portion an Abwechslung zugute kommt. Der Gesang klingt gefühlvoll ohne dabei weinerlich zu klingen. Allerdings ist die Stimmlage vielleicht doch etwas sehr hoch geraten …

Der folgende Track namens “Ever Sea Born” beginnt ähnlich wie sein Vorgänger, jedoch ist das Riffing hier abgehackter und man fühlt sich, als ob man sich zwangsweise zur Musik bewegen müsste. Auf großen Strecken gibt es nichts Neues, bis in der Mitte ein progressiverer Part heranbricht, der zuerst ruhig und atmosphärisch und später durch verzerrte Screams wild und emotional wird.

“Try To Break Light Into Pieces” ist das erste Lied der CD, welches einer eindeutigeren Struktur folgt und durchsichtiger ist. Der Song geht zielstrebig nach vorne, beinhaltet einen kleinen Break und kurzzeitig kommt Klargesang zum Einsatz. Ebenfalls enthält das Lied einen progressiveren, ruhigen Teil. Mit “Obsolete” kommt “Apollon” dann zu einem würdigen Ende. Das Lied kombiniert nochmal alle Merkmale von TRÆOS. Die Gitarren röhren wieder wohlig vor sich hin, die Shouts machen Druck und der Klargesang lockert das Ganze auf. Obwohl der Song eine Spielzeit von über sechs Minuten aufweist, vergehen diese wie im Flug und der Song ist ein schicker Querschnitt durch TRÆOSs Musikstile.

Neben den vier richtigen Songs enthält “Apollon” noch zwei Interludes, die zur Überbrückung beziehungsweise Einleitung der kommenden Songs dienen. Ob diese wirklich von Nöten sind, muss jeder für sich selbst wissen. Sie dienen zwar als auflockerndes Zwischenspiel, vielleicht auch als Atempause, doch zum Gesamtbild der EP tragen sie kaum bei. Aber die Burteilung der Inderludes ist natürlich nur zweitrangig. “Apollon” ist überraschenderweise schwerer Stoff gewesen. Obwohl die Ausrichtung der Band eher für seichte Unterhaltung steht, erwischten TRÆOS mich auf dem falschen Fuß. Mit schwer durchschaubaren Songstrukturen und einigen Passagen, die es in sich haben, ist ihr Output nicht gerade leicht verdauliche Kost. Die finale Bewertung von “Apollon” bereitete mir aus diesem Grund einige Kopfschmerzen: soll sie gut ausfallen, da es aus dem Post-Hardcore etwas Neues gibt oder schlecht, da die Musik nicht so ganz leicht aufzunehmen war. Nach mehrfachen Durchläufen sprach ich TRÆOS dann 6 von 10 Punkten zu. Auf weiten Strecken ist “Apollon” erfrischend anders als genreverwandte Acts, jedoch verliert der Hörer zu leicht den Überblick und findet sich nicht zurecht.

6 von 10 Punkte auf der “die-griechische-Schlagseite-lässt-sich-nicht-verleugnen”-Skala