TOXPACK – Friss!

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Unter den Fittichen von Michael Mainx, der schon schon D-A-D oder TANKARD arbeitete, wurde das Werk “Friss!” aufgenommen. Doch nicht nur in Berlin, sondern auch im studio23 in Frankfurt entstand das Album. Die Songwriting- und Recordingsphasen waren also eine kilometerlange Pendlerfahrt.

Ein langes Instrumental-Intro namens “Gustatio”, welches auch ohne Probleme mit Gesang ausgestattet hätte werden können, eröffnet die CD. Die Piano-Melodien substituieren dabei die Vocal-Lines. Ganz so romantisch-verträumt, aber auch gehaltvoll-imposant wie in “Gustatio” agieren TOXPACK in den restlichen zwölf Songs nicht. Rock – das ist “Friss!”. Dabei sind sowohl Einflüsse von DIE TOTEN HOSEN oder BROILERS zu hören. Punk-Rock für die breite Masse also, wobei die Betonung auf Rock und nicht auf Punk liegt. Bei der überwiegenden Mehrheit an Up-Tempo-Songs bleibt nur selten Platz für ein Solo, wie in “Niemand”.

TOXPACK hat für dieses Album eine neue Antriebskraft gefasst, die unter anderem aus der Support-Tour für DER W entstand. Dieser ließ sich dann auch nicht zweimal bitten und nahm mit der Band das Anti-Nazi-Stück “Nichts hören, sehen, sagen” auf. Wie gut, dass in der Bandbiografie dieser Song als “gemeinsames Statement gegen Rechts und Ignoranz” charakterisiert ist, dies fällt textlich nämlich kaum auf.

Doch “Friss!” hat noch andere Standpunkte zu vertreten. “Fresst ihr alles, was sie euch sagen?”, wird zum Beispiel gefragt. TOXPACK brangern auch an, dass alle nur noch Marionetten seien, “die nichts wagen” und, dass der Wortschatz der großen Masse nur aus “Ja” und “Amen” bestehe. Doch fern von moralischen Spielchen zeigt das Artwork der CD irdische Güter, wie Geld, Smartphones, Zigaretten und Medikamente. Kleine Teufelchen schieben einem Fettwanst all diese Luxusgüter in sein gieriges Maul. “Transatlantik Rendezvous” sei außerdem hervorgehoben: Ein augenzwinkerndes Loblied auf die NSA-Affäre, welches auch die deutsche Regierung kritisiert.

Der große Bruder hält die Ohren auf
Direktverbindung in’s weiße Haus
Berlin hat ein Problem – schwarze Löcher im System
Der große Bruder hört dir zu
Transatlantik Rendezvous
Berlin hat nicht’s gesehen – schwarze Löcher im System

Unter der dominanten Botschaft, nicht nur in “Transatlantik Rendezvous”, sondern im gesamten Album, leidet die Musik. Zu oberflächlich sind die Riffs und zu unprägnant die Refrains. Musikalisch bietet TOXPACK ein Album, welchem es an Substanz fehlt. Ein paar derbere Riffs und ungemütlichere Songstrukturen würden der ansich punkigen Message schmeicheln und “Friss!” letzten Endes zu einem vollwertigeren Release machen.

6 von 10 Punkte auf der “wir-sind-lieber-laut-als-still”-Skala