Tour-Diary: THEE INFIDELS UK-Tour

Artikel von
Thee Infidels

THEE INFIDELS sind – mal wieder – auf Tour. Wie schon vor einigen Monaten unterhält euch Gitarrist Johannes mit imposanten Stories aus den Clubs und dem Tour-Bus.

Guten Tag und herzlich willkommen zurück!

Richtig, die vier Idioten machen wieder die Straße unsicher. Ich versuche, so gut wie es geht alles hier hereinzupacken, was kommen wird, damit ihr immer up-to-date seid. Dieses Mal geht es über Frankreich nach England. Auch dabei ein Mui für alles. Es liegen zehn Tage Leben aus dem Bus vor uns und wir freuen uns wie Seitan-Buletten!!!!

Tag 1 – Lille, FR

Der Tag fing wie jeder Tour-Start an: Eric zu spät, Tim voller Hustensaft, Freddy und meine Wenigkeit todesmüde, nur Mui stand wie ein junges Pferchen unter Strom. Erstes Problem: zuviel Equipment – zuwenig Platz. Viel Geschrei, Tränen, Hass – und am Ende versöhnt und mit zwei Stunden Verspätung, ging es voller Elan ab uff die Gass. Nach acht Stunden Fahrt kamen wir in Lille an.

Das Erste, was wir vor dem Venue sahen, waren fünf Halbstarke, die einen Kondom Automaten malträtierten!? Warum auch immer, aber die Info wird noch wichtig!!! Der Club El Diablo: groß, bunt und überall blinkt etwas. Oben findet sich eine kleine Bar plus Raucherraum. Die Treppe herunter landet man im Konzertraum. Seb, unser Gastgeber, hat den Laden komplett renoviert und die letzten sechsunddreißig Stunden für das Re-Opening geackert. Eine sehr gute Show und eine Menge coole Leute waren da. Davor und danach gab es coolen Ska vom Plattenspieler.

Als wir gerade einladen wollten, ging es los! Ich versuche es mal kurz zu fassen: Ganganführer im Benz macht ein Burnout und überfährt beinahe einen Fahrradfahrer. Gangspacko steigt aus, sagt zwei Sätze auf Französisch, die Kondomautomatenjungs malträtieren daraufhin den Fahrradboi; Polizei kommt. Kondomgäng sind sauer über Bullerei. Fünfzehn Minuten nach Abzug der Polizei versammelten sich von Minute zu Minute mehr von den Halbstarken Präservativgeilen um unser Auto herum. Am Ende waren es siebzehn vollgesoffene Kondomknappen. Echt strange Situation für uns. Ok, wir runter und warten. Das Venue-Team ging hinaus und bat das Auto freizugeben, allesamt kamen blutend wieder runter… Ich habe etwa vier von meinen zehn Buchsen vor Angst direkt voll gekackert! Ansage vom Seb: niemand raus, keine Polizei! Wir dachten allesamt nur: faaaaaaaaaaak was nun, vor der Tür steht Lilles Streetgang und will alles – aber sicher keine Kondome! In einem günstigen Moment sind wir ins Auto und haben uns verdrückt. Untergekommen sind wir beim Seb und haben uns entspannt und gepennt.

Heute Morgen um neun Uhr ging es los: Equipment holen und ab nach GB. Gerade sitze ich auf der Fähre und sehe Frankreich immer kleiner werden! Was ein Tour-Start, heute Abend Reading! Boa hab ich Bock! Bis Moin.

Ihr steht auf THEE INFIDELS? DEARLY DEMENTED verlost 1 T-Shirt und 2 CDs der Skacore-Band. Meldet euch bis Sonntag, 31. August beim Newsletter an – und schon nehmt ihr teil! 

 

Tag 2 – Reading, GB

Um die Mittagszeit kommen wir mit der Fähre in Dover an. Ab ins Auto und Mui den Linksverkehr mit Zwischenrufen zur Hölle machen. Haha ;D – Dann erst einmal schlafen, denn es lagen vier Stunden Fahrt bis Reading vor uns. Angekommen und erst einmal wie die Gestörten Fastfood in sich rein gefüllt. Gut, jetzt der Venue Check: fünfzig Stufen die Treppe rauf lag das Iguana im zweiten Stock, direkt zwischen einem KFC und einem Burger-Shop. Eher klein, aber fein würde ich sagen! Vier Bands, zwanzig zahlende Gäste und der Laden war rappelvoll! Sehr gute Stimmung und eine super Show!

Den Anfang machte ein Akustik-Ska-Gitarren-Duo namens PRINZESS DIANA AND THE TUNNEL SMASHERS (!) – sehr unterhaltsam und lustig. Danach folgte einer der besten Dub-Reggae-Bands, die ich je gehört habe, und kurz vor uns ging es noch einmal mit fetzig schnellem Ska-Punk zur Sache. Beim Einladen wurde es etwas verwirrend: Tagsüber eine Einkaufsstraße, aber nachts ein Laufsteg für betrunkene, knapp gekleidete Menschen, sage ich jetzt mal. Geschlafen haben wir etwas außerhalb.

Ich weiß, gestern voll der Terror und heute relativ normal – für euch vielleicht etwas langweilig aber für uns echt entspannt. Jetzt geht es ab nach Portsmouth! Bis morgen, ihr Lutscher!

Tag 3 – Portsmouth, GB

Morgens um etwa zwölf gings in’s Auto. Drei Stunden Fahrt bis Portsmouth lagen vor uns. Dann sind wir irgendwann mal bei Ruth, der Promoterin angekommen, haben es uns bequem gemacht, ein wenig gesquasselt und gepennt. Neunzehn Uhr ging es weiter zur Venue. Infos: ehemaliger Nazitreffpunkt der jetzt neu aufgezogen wurde. Vorne Pub, hinten separierter Konzertsaal. Den Anfang machte GRANT SHARKEY, ein Solo-Entertainment-Bassist, mehr als geil die Kiste. Es war ja eigentlich ein Soli-Konzert für Palästina, ja super soweit, wir haben nach drei Songs das Set abgebrochen und eingepackt, da die Haus-Security einen Gast mit einer Palästinaflagge rausgeworfen hat!! Bullshit! Antwort des Barbesitzers: keine Flaggen, wir sind unpolitisch. Ja ole Ole aber einem Konzert dieser Art zusagen.

Also viel Gelaber und schließlich zurück zu Ruth! Dort ging die Party bis früh in die Morgenstunden! Naja Fazit: viel gesquasselt und nette Leute kennengelernt! Ruth war die beste Mutti, es gab Bacon and Eggs zum Frühstück! An dieser Stelle nochmals danke an Ruth und die Rudeboys! Jetzt geht es gerade ab nach Ipswich! Also lasst knacken.

 

Tag 4 – Ipswich, GB

Nach dem gestrigen Vollabfucknervkonzert, hofften wir heute in Ipswich mal richtig die Sau raus lassen zu können. Als wir ngekommen sind, wurden wir von der Promoterin Zoe sehr nett empfangen. Zum Laden: McGintys’s Pub – sehr cool. Unten ein Pub mit riesiger Bar und vom Hof aus die Treppe hoch geht es zum Konzertraum. Nichtmal fünf Minuten nachdem wir ausgeladen hatten, spielte die erste Band CASHUAL NAUSEA, in der auch Zoe mitgröhlte. Sehr fix hier oben die Boys und Girls! Musikalisch war es meiner Meinung nach eine Mischung aus SCHLEIMKEIM und den SEX PISTOLS. Mit der zweiten Band haben wir auch morgen das Vergnügen in Norwich zu spielen. Nicht nur super liebe Menschen sondern auch echt schnieke LaLa.

Zu unserem Auftritt ist zu sagen: Beste Show der Tour bisher!!! Montags einen tanzwütigen Haufen vor sich zu haben, ist kein Standard.

Tim und le me sind dann nochmal zu einem Späti Bier kaufen. Vier Pfund für ein Bier im Pub?! Geht’s noch?! Freigetränke für die Bands sind in England wohl eher die Ausnahme. Also sind wir los und haben eingekauft. Als wir zurück kamen stand der Barbesitzer in der Tür und meinte nur “Her mit den Tüten!” Wir haben also die Tüten unter Murren abgegeben. Wie auch immer kam Eric fünf Minuten später mit dem gesamten Alk zurück. Auf die Frage was geschehen ist, antwortete er nur:“Ich lass mir doch nicht mein Bier wegnehmen!” Ich frage mich gerade immer noch, über was sich “unterhalten” wurde und vorallem wie!?! Danach ging es zur Veranstalterin! Dort wurde verdammt viel gesquasselt und irgendwann pennen gegangen.

Tag 5 – Norwich, GB

Heute haben wir eine etwas kürzere Fahrt gehabt. Von den Städten sehen wir meist wenig. Irgendwie schade. The Owl Sanctuary: Ein sehr feiner Pub, am meisten für Bands wie uns, die auf Tour nicht oft in den Genuss von frisch bezogenen Betten kommen. Es gab wirklich alles, was man sich wünschen konnte. Von frischen Handtüchern, über lecker gekochtes Essen, bis zur Chilloutecke wirklich alles! Running Order: CHAIRMEN OF THE BORED, THE WRECKED, DIRTY KIRST und diese INFIDELS. Jede Band hat gut Stimmung gemacht und für einen Dienstag ging es mehr als rund. Mitten in unseren Konzert fing der tanzende Haufen auf einmal an, eine vierstöckige menschliche Pyramide zu bauen. Sowas habe ich noch nie erlebt! Nach der Show ging es hoch in die Band Area. Das war schon sehr dekadent in meinen Augen – vor allem im Vergleich zu manch anderen Shows, die wir schon hatten. Wer will sich bei so viel Liebe schon beschweren?

Gerade geht es von Norwich direkt nach Liverpool. Fünf bis sechs Stunden Fahrt vor uns. Ich sitze vorne und versuche Mui zu bespaßen, während die Jungs uns von hinten mit South Park beschallen. Ja ja Tour, Tour. Bis Morgen