Tour-Diary: THE OVERALLS

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Moderner Rock, der einfach nur begeistert – das sind THE OVERALLS. Mit ihrem Longplayer “City Of Illusion” ist das Quartett aktuell auf der #weareoverall-Tour. Um den heimischen Herbsttagen zu entfliehen fahren die Musiker vom 13. bis zum 22. November nach Brasilien um dort acht Konzerte zu spielen. Den Anfang und auch das Ende der Tour makieren aber Konzerte in ihrer Heimat Österreich. Im Diary auf DEARLY DEMENTEd nimmt die Band euch mit auf Tour.

Eine ungewöhnliche Bühne mit exklusivem Barzugang, ein ewiger Soundcheck, aber weil wir die einzige Band des Abends waren, konnten wir unsere Staralüren zum Vorschein bringen und die anstürmenden Massen vor den Türen noch warten lassen ;) Während an den Frequenzen geschraubt wurde, bekamen wir ein ungewöhnliches Geschenk: “The OverAlls – Live at Fifties”-Buttons. Es war ein unerwartet schönes Erlebnis einmal Merchandise von der Location zu bekommen. Es wir mit Sicherheit wieder gute Erinnerungen erwecken. Kurz nach dem Soundcheck bekamen wir schon unsere Mahlzeit (ein wahnsinnig gutes Schnitzel) welches direkt an der Bar verspeist wurde. Kaum hatten wir drei Bissen getätigt, kamen schon die ersten Zuhörer in die Bar. Es muss so gegen acht gewesen sein, aber es gibt tatsächlich noch Orte an denen Gaststätten pünktlich besucht werden. Überraschender Weise bekamen wir zu unserem Schnitzen von einem freundlichen Besucher auch ein Barcadi-Cola spendiert. Ein Tropfen gemacht für ein deftiges Schnitzel.

Währen wir warteten bis es endlich so weit war dass wir die Bühne betreten durfen, wurden wir von lauten Klassikern unterhalten. ALICE COOPER und BON JOVI… es schlich sich eine Nuance von Haarspray in alle Nasen. Genial.

Stagetime: Ich lies es mir natürlich nicht nehmen die Bar, welche man direkt von der Bühne aus betreten konnte, zu besteigen und dort unser Intro vom Besten zu geben. Ich vermute, es war nicht das erste mal, dass dies geschah, da einige Besucher gleich mitmachten und zum großen Teil das Konzert von dort oben verfolgten. Ob dies den Abend der Kellner beeinträchtigte, will ich lieber nicht ansprechen. Die recht kleine Bühne hatte etwas heimeliges. Man stand Schulter an Schulter und musste geworfenen Gitarrenhälsen und anderen Körperteilen ausweichen, roch die Begeisterung deiner Bühnenbrüder und wischte sich nicht nur den eignen Schweiß von der Stirn. Genau das macht solche Konzerte interessant.

Offensichtlich kam unsere Show im Fifites ganz gut an, denn wir bekamen eine freundliche Facebook-Nachricht, ob wir nicht für eine Band am besagten Festival einspringen könnten. Übernachtung war schon bezahlt, Backline und Caterling gabs auch. Wie könnte man uns mehr Freude bereiten. Quasi ein Minimalaufwand für uns als Band. Ein kurzer Blick auf die Landkarte und schon kann es losgehen.

Wir kamen in etwa um 19:00 mit zwei Autos an und es schien schier unmöglich. Motivierte Gäste standen schon in einer Reihe um sich ihr Festivalband abzuholen. Irgendetwas scheint die Jugend in dieser Gegend noch zu Konzerten zu treiben. War es die Musik? … kaum zu glauben, dass man als Band noch mit einem DJ mithalten könne. Kurz angekommen, wurde uns schon, in einem schönen Rundgang, die ganze Konzertstätte gezeigt. Professionelles Team und gut angelegte Bühne. Um ehrlich zu sein, erwartet man sich so etwas nicht wenn man auf einem ländlichen Metalkonzert spielt.

Kurz vor dem Konzert durften wir in einem Vorbereitungsraum unsere Overalls anziehen, unser Equipment vorbereiten, und, und, und… der übliche Wahnsinn eben. Wäre da nicht eine andere Band gewesen mit einer Unmenge an Bühnenmaterial, die das ganze wirklich nicht einfacher gemacht hat. Ein Glück dass die Burschen richtig gut drauf waren, sodass man es ihnen wirklich nicht übel nehmen konnte.

Auf der Bühne, Linecheck. Fast die gesamte erste Reihe stand schon da. Ein kurzer Blick in die Runde. Ich kannte die Gesichter. Nach kurzem Denkanstoß an mein eher träges Gehirn, fiel es mir wieder ein. Das Publikum das uns auch schon im Fifties gesehen hatte, war wieder da! Ich konnte es kaum glauben, dass man innerhalb von zweuWochen, zwei mal eine THE OVERALLS-Show überleben kann. Solch unerwartete Situationen lassen mich auch immer wieder nervös werden. Man will das Publikum nicht enttäuschen. Jetzt hieß es Gas geben (Kleiner Tipp am Rande: ein Samplepad, ohne eigenen FOH Techniker ist nicht sonderlich zu empfehlen).

Es hieß Gas geben und das taten wir auch! Innerhalb der ersten Nummer kamen das Publikum in einer traubenartigen Agglomeration vor der Bühne zusammen. Unsere Show war nicht perfekt. Die Energie zwischen uns als Band und dem Publikum war dennoch unglaublich. Wir hatten es geschafft interessanter zu wirken als die Bar und der Raucherbereich. Unser großes Ziel wurde erreicht.

Später am Merch-Stand kamen viele bekannte Gesichter. Unterstützung und ehrliche Gespräche mit den Fans (fall man das so schreiben darf) hatten die normalerweise eher mühsame Arbeit am Verkaufstisch zu einer wunderschönen Zeit gemacht. Ein ungehindertes Zukommen der Menschen zueinander, ob man auf der Bühne stand oder nicht, zeugt von Wahrheit und Verständnis zur Musik und allen anderen anfallenden Arbeiten die zum Musizieren dazugehören. DANKE! Ich habe schon erwähnt dass wir dort übernachten durften. In Kombination mit der Backstagebar, möchte ich gar nicht auf weitere Details diesbezüglich eingehen…

Heimspiel! Das Bergwerk in Neusiedl hat uns über die Jahre immer unterstützt und war auch das ToGo-Lokal meiner Jugend. Zudem kam uns die große Ehre zugunsten, dass wir am Geburtstagswochenende spielen durften. Gewohnte Umgebung, bekannte Leute, der gewohnt müfflige Geruch, was soll schief gehen. Allen Bands wurde eine Soundcheck gewährt. Erfreulich unerwartet. Ich konnte mich das erste mal erwischen das Arschloch des Soundchecks zu sein, da ich ständig meinem Handy mehr beachten schenkte als dem wesentlichen Dingen. Nichts desto Trotz, der Sound war fett! Ein großer Teil unserer “Core-Crew” arbeitet(e) im Bergwerk oder war zu diesem Termin zumindest da. Somit hatten wir die Leute, die Stimmung, das Heimspiel.

Das Bier stand auf der Bühne, die Röhren sind vorgeheizt. Es konnte wiedermal losgehen. Nach unserem Intro kam ich als erster Narr auf die Bühne und siehe da, von den knapp 200 Leuten im Lokal waren 15 vor der Bühne. Ein kleiner Schlag ins Gesicht, aber nicht was Andi und Thomas nicht schon bei vielen Konzerten zum Positivem wenden konnten. Ein fetter Bühnensound auf einer kleinen Bühne riss die Stimmung bei mir wieder nach oben und es ging dahin. Die Leute vor der Bühne kamen und gingen. Es war anscheindend die spektakuläre Bar, die sich als Menschenmagnet kennzeichnete. Klar, wer kann einem kühlen Bier widerstehen. Soweit sogut, wir konnten zehn Leute unsere Musik zum wiederholten male zu Gute führen. Es reicht mir persönlich wenn nach dem Konzert ein Gast mit einem guten Eindruck von uns nach hause geht.

Zum Glück spielte sich dieses Szenario nicht für die Hauptband ab. Es war schön zu sehen, dass es möglich war auch in diesem Lokal das Publikum von der Bar und dem Raucherbereich zu trennen. Die Burschen von ALL FACES DOWN lieferten eine durchaus feine Show ab, also es war gerechtfertigt. Es war ein ernüchternder Abend für mich. Alle Winde bliesen uns in die Segel, von Heimspiel, über den fetten Sound, bin hin zum guten Anlass. Dennoch schafften wir es kaum das Publikum zu überzeugen, dass zumidnest von der Schenke aus, zugehört wurde. Es zeigte wieder dass wir noch mehr zu erreichen haben. Zurück in den Proberaum!

Der erste Wiener Rock/Metal – Zombieball in der Szene. Ein uns nicht unbekanntes Pflaster. Wir hatten die Ehre schon öfters in dieser Location spielen zu dürfen wo auch schon STEVE LUKATHER und viele, viele andere Größen auf die Bühne spucken durften. In Simmering angekommen, checkten wir gleich die Position unserer Geheimwaffen aus. CO2-Jets kommen immer gut an! Vorverkaufskartenabrechnung (was für ein Wort) erledigt, nun war es Zeit für ein gemütliches Bier. Die Verköstigung in der Szene ist dermaßen schmackhaft, falls die Bands ausbleiben sollten, könnte man das Lokal immer noch mit solchen Speisen am Leben halten. Die erste Band von sechs spielte schon relativ früh, hatten aber schon eine beachtliche Anzahl von Gästen vor der Bühne. Alle waren schön gruselig gekleidet, wie es sich für ein Halloweenkonzert gehört. Zu meiner persönlichen Einstellung zum Thema Verkleiden gegenüber, sind da manche Leute wirklich passioniert dahiner.

Es war endlich soweit, dass wir uns neben der Bühne vorbereiten durften. Die Hütte war voll und höchst motiviert. Es konnte nur eine geile Show werden. Linecheck, ging fix und zügig, wäre da nicht eine Frequenz im Raum, welche meinem Gitarrenfunk ziemich zusetzte. DreiFrequenzen, alle durchprobiert, keine schien zu funktionieren. Gut, Zeit für das gute alte Kabel. Im Eifer des Gefechts verliert man schnell den Überblick und man beginnt stressig zu werden, es ist ja doch ein wichtiges Konzert. Bluter Overall (Halloween) angezogen, Intro startet. Leider nicht unseres. Nach kurzer Grübelphase ging es auf die Bühne und ein kreischendes Menschenmeer erwartete uns. CO2 Jets schossen in die Luft und brachten der ersten Reihe ein wenig Abkühlung. Trotz kabelgebundener Peformance funktionierte unsere Performance wie üblich. Bei solch einem energetischem Publikum konnte man auch garnicht stillstehen. Es war für fast alle im Raum ein Ding der Unmöglichkeit. Es lief alles wunderbar, bis auch die CO2-Jets ausfielen. Nach der vielen Arbeit, die diese Aktionen mitsichbringen, wünscht man sich in solchen Sitationen einen Licht- und Bühnentechniker mit auf Tour. Diese Schläuche und Geräte sind eine Eigene Wissenschaft. Eine Anmerkung des Stagehands vorort: “eine Minute!” Wir hätten die Bühne verlassen und den Abend laufen lassen können. Hätten können… Eine Minute ist genug Zeit “Riot” in die wichtigsten Teile zu zerlegen und nocheinmal wirklich Gas zu geben. Spontan, schmutzig und eine springender Saal. Ein wünschenswerter Abschluss des chaotischen Auftritts.

Ein kurzes Fazit zur Show: Es kann vieles schiefgehen, wenn sich jedoch Band und Publikum gegenseitig pushen, entsteht ein unvergesslicher Moment. Klingt furchbar kitschig, muss aber gesagt werden. Danke!

Ankunft in Brasilien. Nach 13 Stunden überraschend angenehmer Flugzeit kamen wir erschöpft und gut unterhalten am Flughafen Sao Paolo an. Hitze und Luftfeutchtigkeit lassen die Schlange vor dem Einreiseschalter noch länger wirken. Wir fanden alle Koffer auf den Laufbändern wieder und schon ging es auf die Suche nach unserer Kontaktperson. Gesucht, gefunden und schon ging es zu unserem Gefährt für die Tour. Kleiner als erhofft, aber Platz genug für unser Fluggepäck. Unsere Übernachtungsstätte war das Haus unseres Tourorganisators. Ein sehr ungewohnter Anblick, weisste sich später aber doch als heimeliger als erwartet dar.

Am nächsten Morgen wurden noch alle Kleinigkeiten vorort erledigt und dann konnte es auch schon bald losgehen. Alle Sachen gepackt und siehe da, unser Auto ist zu klein für unser Equipment. Nach einigen Telefonaten konnten wir unseren Musikerhausrat auf mehr oder weniger gut Glück reduzieren und starteten dann unsere Reise richtung “Itapetininga”. Temperaturen gut über 30 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und 5 Typen in einem Kombi machten die Fahrt zu einem Erlebnis. Jongleure, Süssigkeitenverkäufer und andere interessante Darbietungen boten sich uns bei einigen roten Ampeln. Wie es sich anscheinend für lange Autofahren gehört, kamen wir in einen Regensturm. Eine Darbietung,
unglaublich zu beschrieben und gleichzeitig schön und furchtbar gefährlich. Unser Navigationssystem fiel nach kürzester Zeit aus und
durften Zeugen des brasilianischen Wegefindens werden. Fenster runter, einmal laut gebrüllt und schon konnte der Weg beschrieben werden… oder auch nicht.

Nach einigen Komplikationen kamen wir dann doch heil am Spielort an. Einer Bar namens “Espaco do som”, zu deutsch “Raumklang” eine Rockbar am rande der Stadt. Lässige Angestellte kommunizierten mit uns mit Hand und Fuß. ROTOR, die zweite Band, stellte die Backline, welche wir freundlicherweise verwenden durfen. Dann gab es ein großes Problem. Es gab keinen Techniker. Thomas machte sich dann spontan ans Werk und zauberte uns einen fetten Sound. Wer glaubt, dass um Mitternacht schon Besucher zum Konzert kommen, täuscht sich. Andere Länder, andere Sitten. Wir begannen den Abend um 1:30 und waren nicht zu früh. Schweißgetränkte Overalls, lustige Ansprachen und eine Energie vom Publikum wie man es sich nur wünschen kann. Merchandise ging überraschend gut und die Besucher hatten großen Bedarf an Sticks, Plektren und Handtüchern. Auch die Zugänglichkeit zur Band war scheinbar ein riesen Bedürfnis der Zuhörer. Schon am ersten Abend durften wir die Gastfreundlichkeit und Begeisterung der Brasilianer wortwörtlich spüren. ROTOR spielten bis um 5:30 und dann ging es endlich auf in unsere Herberge für den Abend. “Some kind of Hostel” laut unserem Fahrer. Behaupten wir fürs erste dass diese Beschreibung “passend” gewählt wurde. Nach einer sehr kurzen Nacht ging es ohne Duschmöglichkeit auf nach Serrena.

Als wir den ersten Schritt von unserer stickigen, leicht erhitzten Unterkunft ins Freie tätigten, bekamen wir eine freundliche Erinnerung
zu spüren. Brasilien im Sommer! Für mich bleichen Mitteleuropäer war dies Tod und Verderben. Die Unterhaltung an roten Ampeln ging fröhlich weiter. Hunde verrichten in aller Ruhe ihren Notdurft inmitten der Straße und ließen uns warten. Kein Stress für niemanden. Wir fanden die Location des heutigen Abend in einem besetzen Haus, umgeben von einem wunderbar durchwilderten Hof mit freilaufenden Federvieh. Es stellte sich als eine Art von Jugendgemeinschaft heraus. Jung und alt kommen hier zusammen und tanzen Capoeira in verfallenen Gebäuden und lehrten sich gegenseitig. Ein wünschenswerter Anblick. Die Atmosphere erinnerte mehr an eine Art öffentliches Wohnzimmer. Jeder kannte jeden, jeder half mit und alle taten ihr Bestes. An Bühnentechnik war nicht wirklich etwas vorhanden. 4 Kanäle am Mischpult und wir waren zufrieden. Weniger ist oft mehr.

LONE WOLF starteten den Abend mit einer brillianten Ein-Mann-Peformance. Uriger Blues mit cooler Slidegitarre. Um ca. 0:30 durften wir die Bühne betreten. Bei heimeliger Stimmung gab jeder im Raum alles. Die Palettenbühne war kurz vorm Zusammenbruch. Am Schluss unserer Show war das gesamte Publikum auf der Bühne und wir durften den Spieß umdrehen. Die aufkommende Stimmung ließ uns nicht vermuten wann das Konzert wirklich vorbei war. Ich kann dieses Gefühl nicht beschreiben. Emotion pur. Nachdem alles wirklich vorbei war wurde uns dirket vor der Bühne ein Schlafplatz vorbereitet. Die lang ersehnte Dusche fühlte sich an wie ein Bad in Milch und Honig. Unsere Unterkunft konnte nicht passender ausfallen. Wir waren Teil des Ganzen. Es war uns eine Ehre so etwas persönlich erleben zu dürfen und zu sehen wie sich gekonnte Jugendkultur in Serrena abspielt. Es war für uns alle eine denkbare Bewusstseinserweiterung.

Um 6:00 läutete der Wecker und uns wurde überraschender Weise ein Frühstück kredenzt. Die Südamerikaner wissen wie man Kaffee zubereitet. Es geht auf nach Goiania.

Goiania
Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wie man so gutes Essen in solch heruntergekommenen Autobahnraststätten bekommen kann. Der erste Eindruck täuscht recht häufig in Brasilien. Nach guten acht Stunden Fahrt kamen wir, zumindest körperlich, gut in unserem ersten Hotel an. Das Gefühl in echten Betten zu schlafen, war uns schon fast fremd geworden. Dank unserem Verhandlungsgenie Thomas durften wir sogar noch eine zweite Nacht in unserer luxuriösen Herberge verbringen. Unser morgiger Day Off konnte somit noch in der wunderschönen Stadt genossen werden. Voller Verwunderung erkannten wir den Bus, der uns vom Hotel zum Goiania Noise Festival bringen sollte. Das Equipment wurde schnell verstaut und schon konnte die kurze Fahrt im Luxusgefährt losgehen. Das Konzertgelände bestand aus einem weitläufigen öffentlichen Platz mit zwei halbspherischen Aufführungsgebäuden. Genauso ungewohnt wie interessant und praktisch. Während eine Band spielte, durfe auf der anderen Bühne gecheckt werden, ähnliches Konzept wie auf der Warped Tour. Die Organisatoren von Monstro wussten scheinbar wie man Festivals veranstaltet. Nach einer kurzen Suche durften wir endlich unseren Labelchef persönlich kennen lernen. Die Bands am Festival bestanden fast ausschließlich aus Hardcore-Punk-Trios. Die Stimmung war energetisch und das Publikum hielt die Pausen zwischen den Liedern kaum aus. Atittüde: VOLLGAS! Die Vorfreude stieg und wir konnten es kaum Erwarten auch endlich die Bühne zu betreten.

Endlich war es soweit. Wir wurden mit einem Backstagebereich, einem Ton- und einem Lichtechniker verwöhnt. Die gestellte Backline übertraf jeden Standard. Die Voraussetzungen für einen fetten Sound war gegeben. Gesagt, getan. Die Türen gingen auf. Menschenmassen stürmten den Zuhörerbereich. Meine nächste Erinnerung: Die Bühne explodierte. Solch eine Show kann nicht in Worte gefasst werden. Die Energie war überwältigend. Das aufsteigende Gefühl, wenn auf der anderen Seite der Erdkugel, Songetexte der eigenen Band vom Publikum lauter gesungen werden, als man es mit einem Mikrofon selbst könnte, war mir fremd.  Auch nach dem Konzert stürmten die Leute auf uns zu und gratulierten und mit Händen und Füßen zu unserer Show. Diesen persönlichen Kontakt werde ich in Österreich wieder vermissen.

Day Off Gioania
Nach dieser energiefressenden Show vom Vortag konnten wir uns in aller Ruhe ausschlafen, duschen und uns mit brasilianischen Kaffee die Birne vollpumpen. Da Joeys Stickverbrauch bei den letzten Konzerten so dermaßen in die Höhe schoss, mussten wir ein naheliegendes Musikgeschäft aufsuchen. Die Preise der Instrumente zeigten mir den gebührenden Respekt vor den einheimischen Musikern. Im weiteren Verlauf des wunderschönen Tages zeigte uns Gustavo von Monstro die Stadt von einer etwas anderen Seite. Man konnte sich gut an das Leben hier gewöhnen, wenn man wusste, wohin man gehen muss. Am Abend trafen wir uns noch mit einigen Fans und Freunden aus der Stadt. Caipirinha und ein, zwei kühle Ales und gute Bekanntschaften machten den Abend zu etwas Besonderem. Es tat ein wenig im Herzen weh wieder von hier abzureisen, aber 14 Stunden nach Sao Paulo wollen gefahren werden. Diese Fahrt zehrte an all unseren Kräften, dennoch muss es weitergehen. Jede noch so kleine Show ist die Mühe wert.

Von Sao Paulo nach Sorocaba
Nach der elend langen Fahrt mussten unsere Energiereserven wieder aufgefüllt werden. Es ging ab zum nächsten Markt und es wurden ohne schlechtes Gewissen exotische Früchte aus Südamerika gekauft. Der Tank war in Kürze wieder voll. Drei Stunden nach Sorocaba kamen uns vor wie ein Trip zur Nachbarortschaft. Dort angekommen, erwartete uns eine Punkrock-Bude wie aus dem Bilderbuch. Es gab zwei voll funktionstüchtige Streetfighter-Spieleautomaten, jedoch war das gestellte Drumset unbespielbar. Priotitäten mussten gesetzt werden. Nach einer schier ewigen Wartezeit konnten wir, mithilfe der zweiten Band, das Schlagzeug soweit auf spielbares Niveau bringen, jedoch ließen weitere Probleme nicht auf sich warten. Es gibt in Brasilien keinerlei Regelung bezüglich der elektrischen Stromversorgung. Weder Stecker und Dosen, noch die Netzspannung ist in irgendeiner Weise generalisiert. Es ist immer wieder eine Herausforderung von 15 möglichen, den passenden Adapter zu finden. Da hierzulande Stress ein Fremdwort ist, konnten wir auch hier eine bedenkliche, jedoch ausreichende Lösung zusammenschustern. Der Spass konnte beginnen.

Auf der 5qm großen Bühne gaben wir unser Bestes um die bisher anwesenden Gäste gut zu unterhalten. Im Laufe des Konzert geschah etwas unfassbares. Ein Strom an Menschen stürmte in die Bar und riefen ihre Songwünsche aus. Wer hätte das an diesem Abend erwartet? Der relativ kleine Saal füllte sich und das Publikum und wir fanden eine Verbindung. Viele Shows täuschen im ersten Eindruck und zeigen ihren wahren Hintergrund erst beim zweiten Anlauf. Voreingenommenheit ist hier Fehl am Platz. Nach endloser nächtlicher Suche unserer Unterkunft fanden wir ein wunderbares Hostes “mi casa”. Sauberes Ambiente, freundliche Crew und genialer Orangensaft.