Tour-Diary: SHATTERED LIONS

Artikel von
boysofsummer

Hallo, liebe DEARLY DEMENTED-Leser! Ich melde mich an dieser Stelle, um euch mit meinem Tagebuch über die “The Boys Of Summer”-Tour mit meiner Band SHATTERED LIONS und unseren Freunden von UNITED WE FALL zu beglücken. Jetzt gerade befinde ich mich in unserem Van irgendwo kurz vor München. Es geht nach Salzburg! Doch legen wir erstmal mit den ersten beiden Tagen los.

Tag 1 – Frankfurt (Tourstart Deluxe)

Getrennt angereist, kommen wir an und begrüßen erst einmal alle bekannten Gesichter, die da wären: Meine Boys, die UWFss und die SHOWYOURTEETH-Kumpels. Die WORTHWHILE-Jungs, dessen Tour mit SYT übrigens auch an diesem Tag beginnt, stellen sich sehr zuvorkommend vor. Man merkt ihnen an, dass sie aufgeregt wie kleine Jungs sind. So wie wir halt. So richtig versteht nämlich noch niemand von uns, dass das jetzt wirklich passiert. Also… alleine die Vorstellung, dass wir Chaoten von SL jemals sowas auf die Reihe bekommen würden, eine Tour zu planen und das dann auch durchzuziehen. Das ist doch absurd?! Aber scheinbar geht sowas doch! Um den Abend mit Helge Schneiders Worten zu beschreiben, es war “hammerfettbombekrass”. Volles Haus. Fünfundsiebzig Prozent bekannte Gesichter. Geile Bands.

Tag 2 – Freiburg (Proberaum Eskalation)

Der Tag beginnt mit einem riesigen WTF-Moment. Wir nehmen unseren Van entgegen und sind einfach nur hin und weg. Dieses Ding ist so groß, dass man meinen könnte, wir hätten allesamt etwas zu kompensieren. Ich würde sogar bezweifeln, dass unsere eigenen Zuhause ansatzweise so viel Komfort beinhalten, wie dieses Gefährt. Und das ist jetzt kein Geprahle – wir sind echt einfach nur geflasht. Jetzt gerade schauen wir zum Beispiel Teil zwei der Harry Potter-Oktologie (sind doch 8 Filme oder?)… natürlich bis auf unseren Fahrer Felix. Der schaut brav auf den Verkehr und fährt vorausschauend. Wir wollten eigentlich ein kleineres Fortbewegungsmittel, aber waren mal wieder zu unfähig und mussten somit auf den letzten verbliebenen Van unserer Vermietung zurückgreifen. Das soll jetzt absolut kein Gemecker sein. Ich würde diesen Platz gerade um nichts in der Welt tauschen! Aber da war ja noch so eine Show am Abend. Und was für eine! Unsere erste Proberaum-Show. Mit am Start in der Nähe von Freiburg sind heute IN ARMS aus Sheffield, UK. Super Jungs, super Liveband, super trinkfest. Wir eröffnen den Abend und schon bei den gefühlt ersten Tönen tropft der Schweiß im mit dreißig Mann/Frau proper gefüllten, aber trotzdem sehr gemütlichen Proberaum von der Decke. Grandioser Abend! Die Afterhour fand bei Max (UWF-Drummer) in der WG statt. Ich glaube, seine Nachbarn hassen ihn jetzt. Man sagt ja, dass alles, was auf Tour passiert, auch besser dort bleiben sollte. Ich verrate aber eins: Wir sind jetzt allesamt (wieder) riesige METALLICA-Fans. Und ach ja… ich bin der einzige, der “St. Anger” wirklich cool findet. Aber nicht weitersagen! Zurück zum Status Quo. Wir sind auf dem Weg nach Salzburg, um unsere erste Show in Österreich zu bestreiten. Es regnet teilweise wie aus Eimern, also fachmännisch geschätzt ca. 1000l/qm/h. IN ARMS sind heute übrigens auch wieder dabei. Ich glaube, das wird lustig! Das wär’s für jetzt. Wir hören uns. Würde mich sehr freuen! SEEK AND DESTROYYYYAAAH!

Tag 3 – Salzburg

Hallo, liebe DEARLY DEMENTED-Community.

Ich bin’s wieder. Wir alle sind jetzt schon seit ein paar Tagen daheim, hatten bisher die Zeit unseres Lebens, aber auch harte Rückschläge hinzunehmen. Dazu im Folgenden mehr.

Beim ersten Teil befanden wir uns gerade auf dem Weg nach Salzburg oder? Ja… kurz nachgeschaut… so ist es. Dort wurden wir nett von Promoter Valentin und seinen Helferlein für den Abend empfangen. Die Venue namens Shakespeare war der absolute Wahnsinn! Eigentlich ein Café/Lokal mit Außenbereich mitten in der Salzburger Innenstadt inklusive einem kleinen Kinosaal mit Bühne im hinteren Bereich. Und auf eben jener Bühne sollten wir spielen. Klingt komisch, war aber so.

Nach einiger Zeit kamen schon unsere neuen britischen Buddies von IN ARMS an, die wir mit einem lauten “‘TALLICA!” begrüßten. Nach kurzen Einladeaktivitäten packten die Jungs ihre Skateboards aus und machten die Stadt unsicher. Wir (mehr so die ruhigen Genießer) mussten darauf erst einmal etwas speisen gehen. Aufgrund vieler Konzerte in Salzburg in dieser Woche und Konkurrenzveranstaltungen war die Show nicht ganz so gut besucht, jedoch machte jeder das Beste daraus und es war eine unvergessliche Nacht. Der Abschied von IN ARMS war fast tränenreich, aber auch nur fast.

Veranstalter Valentin war nicht nur so nett uns unseren ersten Österreich-Gig klar zu machen, sondern ließ uns ebenfalls bei sich nächtigen. Was sich nachts als angsteinflößende Wald/Berggegend darstellte, entpuppte sich am nächsten Morgen als paradiesisch gelegene Alm. Wir wachten auf, waren erst einmal sprachlos ob des grandiosen Ausblicks, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, und frühstückten genüsslich auf dem Balkon. Daraufhin gab es eine exklusive Stadtführung Salzburgs mit Tourguide Vali und Gattin Anna. Kulinarische Spezialitäten, viele Wahrzeichen und kilometerlanges Gebummel. Leider mussten wir jedoch irgendwann abhauen, da ja schon die nächste Show auf dem Plan stand.

Tag 4 – München

Ab ging’s also nach München – mit Zwischenstopp am Chiemsee mit den UWF-Boys. Kurze Skinny Dipping Session in diesem wunderschönen Gewässer und wieder weiter. Wir sind übrigens mittlerweile bei Harry Potter Teil 4 angekommen. Nur so zur Info. Nicht, dass ihr denkt wir würden nur sinnlos rumfahren und nichts tun!

Angekommen in München empfing uns Veranstalter Mark (sehr geiler Name übrigens!) zusammen mit den lieben Jungs von DESOLATE X CREATE, die uns an diesem Abend unterstützen sollten. Zur Abwechslung mal eine Proberaumshow. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht!

Schlafen durften wir dieses Mal beim lieben Timo in Freising, der nicht nur ein überaus netter Gastgeber war. Nein, der Teufelskerl steht auch noch in der Früh auf, um uns ein waschechtes Weißwurschtfrühstück mit originaler Paulaner Spezi zuzubereiten, obwohl es für ihn nur wenige Stunden später in den Urlaub ging. Der Herr hat verstanden, worum es in dieser Musikszene geht. Wenn du das also liest: Sehr korrekt von dir. Vielen Dank nochmals für alles!

Tag 5 – Würzburg

Auf der folgenden Fahrt nach Würzburg merkten einige von uns schon, dass diese Tour aus gesundheitlicher Sicht nicht so ganz spurlos an ihnen vorbeigehen würde. Das hält uns aber nicht davon ab, hoch motiviert weiter Richtung Unterfranken zu düsen. Rein von den Städten könnte man meinen, wir wären ein Damenclub bestehend aus Mitvierzigern, die mal ‘ne Woche so richtig die Seele baumeln lassen wollen. Halt nur auf Tour.

Da wir wie immer, wenn wir nicht pünktlich sind, viel zu früh an der Location waren, haben wir noch einmal eigenständig die hübsche Stadt bebummelt.

Der B-Hof war eine sehr coole Auftrittsstätte. Schön auch mal in solch alten Gemäuern spielen zu dürfen. Wieder ist das Publikum sehr mit bekannten Gesichtern gespickt. Das ist immer schön. Die Shows aller Bands waren wie gewohnt top. Einziger Kritikpunkt war das Nicht-Erscheinen der beiden Junggesellinenabschiede, bei denen wir tagsüber noch für das Konzert am Abend geworben haben. Nichts als leere Versprechungen. Schade.

Aufgrund der am nächsten Tag anstehenden siebenstündigen Fahrt nach Rostock sind wir diesmal nicht sonderlich bereit für eine Aftershowsause. Ganz anders als UWF, welche wahrscheinlich wieder mal durchgemacht haben. Das sind aber auch fitnessliebende Jungspunde mit einem gewissen Hang zur Feierei.

Wir fahren also Richtung Heimat um bei unserem Bassisten Josh zu übernachten. Mal wieder eine angenehme Nacht. Das Bett von Joshs Bruder Julius kann einiges! Zum Glück ist dieser außer Haus. Sonst käme das irgendwie komisch.

Tag 6 – Rostock

8:00 – der Wecker klingelt. Kurz duschen, dann die anderen Jungs wach machen. Es zeichnet sich schon ab, dass Josh wohl aus gesundheitlichen Gründen zuhause bleiben wird. Normal handeln wir nach dem Motto “Entweder alle oder gar keiner”, aber nach reichlicher Überlegung denken wir, dass wir es trotzdem ausnahmsweise ohne Bassisten durchziehen sollten. Wir waren nunmal noch nie so weit im Norden und außerdem hätten wir wieder mit unseren alten und neuen Buddies von SHOWYOURTEETH und WORTHWHILE spielen können.

Die Fahrt ist geprägt von mit Liebe belegten Körnerbrötchen und mal wieder – wie sollte es auch anders sein? – Harry Potter Filmen. Mittlerweile Teil 5. Glaube ich. Ich fahre ja und kriege deshalb gar nichts davon mit! Nach nicht einmal der Hälfte der Strecke die nächste Hiobsbotschaft. Wir sind gezwungen das nächstmögliche Krankenhaus bei Göttingen anzusteuern. Aus privaten Gründen werde ich nichts Genaueres dazu ausführen. Jene Menschen, die das etwas angeht, wissen das schon. Der Rest muss das einfach respektieren. Der Betroffene bleibt mit einer Begleitung vor Ort, wir anderen treten zwar etwas enttäuscht wieder den Heimweg an, aber Gesundheit geht natürlich IMMER vor. Konzerte kann man wiederholen.

Ganz schön leer so zu dritt. So viel Auto, so wenig Mensch. Survival of the fit oder so.

Alles in allem bleibt für den ersten Teil dieser Tour nur zu sagen, dass wir als Band die Zeit unseres Lebens hatten. Das kann uns keiner nehmen! Die Vorfälle zum Ende hin hätten jetzt meiner Meinung nach nicht unbedingt sein müssen, aber da steckste nicht drin, wa?

Jetzt gerade liege ich Tagebuch-schreibend auf der Couch und freue mich schon auf Freitag. Runde 2: Marburg, Zweibrücken, Aschaffenburg. Es wird wieder rabiat! Zwar mit Ersatzbesetzung, aber trotzdem rabiat!

Wir sehen uns zum dritten Teil. Bis dann, liebe Leute!