THRICE – To Be Everywhere Is To Be Nowhere

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Nach einer knapp vierjährigen Auszeit melden sich die kalifornischen Post-Hardcore-Giganten von THRICE mit einem neuen Album zurück. “To Be Everywhere Is To Be Nowhere” ist beinahe überall erhältlich, wo es Musik gibt und in den deutschen Albumcharts auf Platz 35 eingestiegen. Aber ist das verdient? Oder gehen den Kaliforniern nach über 15 Jahren Bandgeschichte die Ideen aus?

Um direkt mal die Spannung aus dieser Review zu nehmen: Mit “To Be Everywhere Is To Be Nowhere” ist THRICE ein durchweg überzeugendes Comeback gelungen. Solltest Du, werter Leser, bereits ein Fan der Band sein, das Album aber noch nicht gehört haben, dann hör auf diese Review zu lesen, lass alles stehen und liegen und hör es dir an. Ich bin schon selbst viel zu spät mit dem Schreiben dieser Review, es gibt keine Entschuldigungen mehr.

Für alle, die noch nichts mit dem Namen THRICE anfangen können und sich unsicher sind, ob die Band etwas für sie ist, hier die lange Fassung: “To Be Everywhere Is To Be Nowhere” ist das neunte Studioalbum der Kalifornier um Sänger Dustin Kensrue und kommt mit seinen elf Songs auf etwas über 40 Minuten Spielzeit. Dabei sind alle Songs bis auf das einminütige Instrumental “Seneca” absolut herausragend und unverzichtbar für die Gesamtstimmung des Albums. Den Auftakt macht “Hurricane”, welches mit seinem Akustik-Intro und der melancholischen Grundstimmung sehr gut den Ton für den Rest des Albums setzt. THRICE sind nicht mehr die gleichen jungen Springinsfelde, die damals “The Artist In The Ambulance” veröffentlicht haben, die Musik ist insgesamt deutlich ruhiger und man hört mehr Folk- und Acoustic-Einflüsse. Was allerdings kein Stück zurückgegangen ist, ist die Leidenschaft, die hinter der Musik und den Texten steht.

Denn THRICE sind auch auf “To Be Everywhere Is To Be Nowhere” politisch wie eh und je. Insbesondere zeigt sich das in den Songs, die bereits vor dem Release veröffentlicht wurden. So ist beispielsweise der Song “Whistleblower” inspiriert von der Geschichte Edward Snowdens und der NSA-Affäre. In “Black Honey” wird dann die Gier der Öl-Konzerne angeprangert, die komme was wolle an ihrem eigenen Profit orientiert sind. Aber auch sehr persönliche Themen werden angesprochen, beispielsweise auf dem sechsminütigen Closer “Salt And Shadow”.

Instrumental ist THRICE einfach… THRICE. Spätestens seit “Deadbolt” stellt niemand mehr die Fähigkeiten des Gitarristen Teppei Terranishi infrage, auch wenn dieser auf dem neuesten Werk der Band seine Klampfe nicht ganz so hart rannimmt. Dafür ist aber die Atmosphäre, die von der Gitarre wie auch von allen anderen Instrumenten geschaffen wird, absolut überragend. Besonders heraus sticht hierbei der Song “Wake Up”, der zwar gegen Ende richtig aufdreht, aber immer noch kein komplettes Chaos entsteht, bei dem jeder einfach auf sein Instrument eindrischt, als gäbe es kein morgen. Hier zeigt sich sehr stark, dass jedes Mitglied der Band jahrelange Erfahrung hat und diese auch ausspielen kann. Für mich ist “Wake Up” nicht nur das Highlight des Albums, sondern auch einer der besten Songs des Jahres 2016 bisher.

THRICE zeigen auf “To Be Everywhere Is To Be Nowhere”, dass sie zwar alle alte Hasen sind, aber trotzdem auch nach einer mehrjährigen Pause, in der einige Mitglieder absolut keine Musik gemacht haben, noch energiereiche und mitreißende Lieder schreiben können. Im Vergleich zum 2011 erschienenen “Major/Minor” haben die vier einiges an neuer Energie gesammelt und sich vom Sound her wieder etwas mehr am 2003 veröffentlichten “Vheissu” orientiert. Für THRICE-Fans ein absolutes Muss und für Leute, die noch nie etwas von der Band gehört haben ein sehr guter Einstieg in die Klangwelten der Kalifornier.

9 von 10 Punkten auf der “I-feel-our-skin-touch-but-there’s-only-so-much-it-can-say”-Skala