THE DISASTER AREA – Sell Your Soul

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Was würde Oli sagen?

Es läuft rund im Hause THE DISASTER AREA! Nachdem im Juli feierlich ein Plattendeal bei Deafground Records unterzeichnet wurde, steht nun der Release des Debutalbums “Sell Your Soul” vor der Tür. Am 11. November ist es endlich soweit und die Platte ist online wie offline regulär für jedermann erhältlich. Die noch junge Band heimste durch deutschlandweite Shows viel Lob ein. Doch was ist wirklich dran an den Vorschusslorbeeren: magischer Hokuspokus oder doch nur fauler Zauber?

Schon wenn man das Cover betrachtet, erhält man eine leichte Vorahnung, mit was man es hier zu tun bekommt. Darauf ist eine Stadt zu sehen, welche in Eis und Schnee zu versinken droht. Wirkt fast ein wenig endzeitlich, wären da nicht die lila Wolken über der Skyline. Ach und davor sitzt ja ein Fuchs auf einem U-Bahn-Wagon, der offenbar der Kälte trotzt. Ja zum Kampf –  Ja zum Leben – das ist die Message die man daraus ziehen könnte. Denn das vermittelt auch die Musik von THE DISASTER AREA auf ihrem Plattenlabel-Debut.

Los geht’s mit etwas Synthie- und Klaviergeklimper in Form von “This Is The New Age” – was sich urplötzlich in einen Hagelsturm aus markerschütternden Screams und scheppernden Beats verwandelt. Die Gitarren fügen sich der Marschrute und bolzen munter mit. Flotter Einstieg! Der erste richtige Song, welcher vor einigen Tagen zur neuen Single auserkoren wurde, hört auf den Namen “Moments”. Der Track zeigt zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Longplayers, was THE DISASTER AREA zu leisten imstande sind.  Messerscharfe Riffs batteln sich mit kompromisslosem Schlagzeuggeballer. Und als wäre das schon nicht genug gießt Sänger Alex auch noch Öl ins Feuer, in dem er eine Psychoschreiattacke nach der anderen loslässt. Das Ganze kommt enorm tight rüber. Achtung Ansteckungsgefahr!

Bei anderen Songs wie “Diaries Funeral“ oder “Open Wounds” gelingt dies ähnlich gut. Gravierende Ausfälle weißt die Platte nicht auf. Fast jeder Titel hat seine Höhepunkte, was für das gute Songwriting der Osterhofener Jungs spricht. Darüber hinaus fällt die hohe Dynamik der Songs positiv ins Gewicht. THE DISASTER AREA beweisen ein Gefühl für geschickt gesetzte Breaks. Die wenigen ruhigen Momente fügen sich songdienlich in das Gesamtbild von “Sell Your Soul” ein.

Einige Tracks erreichen nicht ganz das Niveau der oben genannten Songs („Speechless”). Was mich leider wenig überzeugt, ist die vorab ausgekoppelte Single “Sell Your Soul”.  Hier wurde sich sehr frech bei Oli Sykes und Co. bedient, was meiner Meinung absolut unnötig war. Die eigenen Riffs sind schließlich mehr als amtlich. Insgesamt kommt der Song nicht so richtig an Gang. Der Bruch von Strophe auf Refrain ist meines Erachtens zu krass. Scheint als ob die Jungs hier ein wenig zu viel wollten. Bei “Downfalls Uprising” und “Carried Away” klingt das schon wieder wesentlich runder.

Neben den fantastischen Shouts wird vereinzelt Cleangesang eingesetzt. Das klingt zwar ganz annehmbar, allerdings fehlt mir die Liebe zum Detail wodurch dem Hörer kein echter Mehrwert geboten wird. Schade eigentlich, denn hier hätte man mit Sicherheit noch etwas rauskitzeln können, hätte man der Thematik etwas mehr Beachtung geschenkt.

Wer auf Post-Hardcore der härteren Gangart steht und nichts gegen das ein oder andere Screamo-Element hat, kann hier bedenkenlos zuschlagen. “Sell Your Soul” besticht durch eine hohe Melodielastigkeit, umgesetzt auf einem Klangteppich in Dampfhammermanier. Die Abmischung des Albums gefällt mir außerordentlich gut. Hier wurde ein kühler aber druckvoller Sound geschaffen, welcher THE DISASTER AREA perfekt zu Gesicht steht. Besonders der häufig so stiefmütterlich behandelte Bass kommt sehr gut zur Geltung. THE DISASTER AREA gesellen sich mit “Sell Your Soul” zum Kreis der Hoffnungträger der süddeutschen Hardcoreszene.

7 von 10 Punkten auf der “once-upon-a-time”-Skala