THE CLOWN’S PROJECT – Die Sucht

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Die alten Bekannten aus dem Zirkus

Clowns. Die Künstler schlechthin, die dem alten Konzept folgen, schnelle Unterhaltung zu bieten und dabei oft gleicthzeitig lustig zu sein als auch zum Nachdenken anzuregen. Und trotzdem sind sie immer auch Symbol für Unwohlsein. Viele fürchten sie, finden sie gruselig. Nicht nur wegen einer weltweit vertretenen Burgerkette. Wir haben jetzt eine Band gefunden, die diese beiden Aspekte vereint.

Und die sind irgendwie alles, was man bei der Kombi erwarten kann. Druff, vulgär, rotzig. Ein bisschen besoffen vielleicht. Denn so kann man gleich darüber singen, worum es geht. “Die Sucht”, gleichnamig mit dem EP-Titel, besingt das Thema Alkohol, und was es bedeuten kann, ihm zuviel Aufmerksamkeit zu schenken. Altes Thema, aber es gibt ja immer Menschen, denen man es sagen muss:

Die Sucht ist eine Qual

Dazu wohohoho im Stil der TOTEN HOSEN – schön zum Mitsingen, auch nüchtern. Der Song geht los, hat aber trotzdem plötzlich Tiefe im Text. Ganz schön raffiniert, auch wenn der Text auf Dauer etwas übersichtlich bleibt. Zum Ende hin klingt der Song auch zu poplastig.

“Ein Teil von mir”: Der Song klingt ein bisschen wie für’s Radio geschrieben. Der Fokus liegt dabei zunächst auf dem Gesang. Ein Duo, ohne jedoch eine klare Kommunikation daraus zu machen. Immerhin steigert der Song sich ab der Hälfte, das inhaltliche wird musikalisch ins Positive gezogen.

Du bist nicht mehr ein Teil von mir

Harte Worte, die aber musikalisch klar als eine gute Entscheidung dargestellt werden. Hier wird klar: Man muss den Einzelfall kennen, um den Text interpretieren zu können. Die Musik dient als Unterstützung. Wie im ersten Track auch, schwieriges Thema, aber ganz eigen behandelt.

“Remember” klingt dann schon wieder anders. Schnell, punkig, diesmal mit englischem Text. Live bestimmt geil. Das Lied klingt wie eine Ansage: provokativ und selbstbewusst. Sehr erfrischend und ein Kontrast zu dem vorhergegangenen Song. Der Anreiz, die Anlage weiter aufzudrehen, ist sofort da.

Nach “The Creature” beendet ein Remix von dem ersten Song “Die Sucht” eine kurze, abwechslungsreiche Platte. Clowns müssen ja nicht witzig sein, um zu unterhalten. Klare Messages können die Metal-Clowns aus Monheim am Rhein jedenfalls gut transportieren. Hoffentlich sind die Auftritte so, wie “Sucht” es verspricht. Einfach nur stehen bleiben kann man bei der Musik jedenfalls nicht. Und wer keine rote Pappnase dabei hat, lässt sich im Pit eine schlagen. Oder trinkt sich eine an.

7 von 10 Punkte auf der “The-creature-in-me”-Skala