THE 69 EYES – X

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The 69 Eyes - X - Artwork

Nach 22 Jahren Geschichte haben die finnischen Vampire so manch andere Bands überlebt und zählen mittlerweile wohl schon zu den älteren Rockern des gesamtes Musikgeschäfts. Zurecht veröffentlichen sie deshalb mit Stolz ihr zehntes Studioalbum, welches passenderweise mit der römischen Zahl zehn betitelt wurde: “X”.

Die musikalische Basis der Scheibe bietet wieder die düstere Gothic-Ader, die die Fans von THE 69 EYES gewöhnt sind und über die Jahre lieben gelernt haben. Diese rockig bis melancholische Stimmung zieht sich über weite Strecken der CD, jedoch ist sie besonders im ersten Drittel zu spüren und schwächt zum Ende hin weitestgehend ab. Der Goth weicht melodischen und hellen, gar munteren Klängen – zumindest versprüht die Instrumentalabteilung diesen unumstößlichen Eindruck. Gesanglich geht es immer noch auf altbekannte Weise zu: hierfür sorgt Jyrki 69 schon. Jyrki bereichert auch 2012 wieder jeden Gehörgang mit seiner angenehm dunklen und ruhigen Stimmlage – ein Ohrenschmaus! Für die Einstellung der Gitarrenarbeit tragen Pat Phoenix und Joakim Övrenius von On The Verge die Verantwortung. On The Verge ist ein pop-orientiertes Produktionsteam, welches die Oberaufsicht über das gesamte Songwriting hatte. Bereits bei Songs wie “Never Say Die” oder “Perfect Skin” arbeitete das Team schon mit THE 69 EYES zusammen – kein unbeschriebenes Blatt also. Letztendlich muss jeder für sich wissen, ob diese Entwicklung die richtige ist. Jedoch nicht zu verleugnen ist, dass die Lieder schlichtweg melodischer, aber auch um einiges catchier als das Vorgängeralbum “Back In Blood” (2009) sind.

Insgesamt ist “X” ein schönes Rockalbum obwohl von Goth nicht mehr so viel zu hören ist und sich das ganze Paket eher mit angezogener Handbremse bewegt. Vielleicht hat die Band ein wenig zu sehr auf das falsche Pferd namens Pop gesetzt … Nichtsdestotrotz hat “X” seine starken Momente – auch wenn diese sich auf den Anfang der Scheibe beschränken: “Love Runs Away”, “Tonight” oder “Black”. Besagte drei Titel sind in der Tat die ersten drei Tracks der neuen THE 69 EYES-Platte.

Doch “X” hält im weiteren Verlauf, obwohl es ein wenig abflacht, noch eine musikalische Bombe parat. Die Rede ist von “Borderline”, welches hintenherum ein ganz starker Song wird – obwohl es im ersten Hördurchgang ein wenig anbiedert mit seiner Akustikklampfe ein untypisches Feeling für die Vampire heraufbeschwört. Dennoch entfacht der Song eine Achterbahnfahrt der Gefühle.  Ob das neue Album der 69 EYES nun wirklich etwas taugt, ist natürlich Geschmackssache. Dearly Demented siedelt “X” im guten Mittelfeld an. Denn das Album ist nicht schlecht jedoch auch nicht beständig genug, um es nach ganz oben zu schaffen.

6 von 10 Punkte auf der “don’t-push-your-luck-over-the-borderline”-Skala