Studio-Diary: THE LIVING TOY

Artikel von
mail

An dieser Stelle werden THE LIVING TOY euch nicht nur schriftlich mit atemberaubenden Stories aus dem Studio und vom Bierkaufen unterhalten, sondern auch ein visuelles Diary wird aufgezeichnet. 

Wenn eine Band weder Geld hat, noch fehlerfrei spielen kann, dann sind dass wohl nicht die besten Vorraussetzungen für einen Studio Besuch. Doch zum Glück gibt es für das erste Problem so etwas wie einen Dispokredit und für das zweite die moderne Computer-Technik. Aber damit diese erst gar nicht eingesetzt werden muss und wir dank Auto-Tune wie eine R&B Pop Punk-Band klingen, haben wir seit Anfang des Jahres mit der Vorproduktion begonnen und Songs geschrieben, die wir zu einhundert Prozent abfeiern.

Studio Tag 1

Am Freitag den 29.08. ging es dann auch endlich in das K2010 Studio in Offenbach. Nachdem das Schlagzeug Ganze zehn (!) Stunden sound-gecheckt wurde, um den ultra krassesten Sound rauszuholen, merkten wir, um wie viel professioneller das Ganze war, als alles andere was wir jemals zuvor gemacht haben. Um den Freitag zusammenzufassen: Aufbau/ Soundcheck/ Probeaufnahmen/ Pop Punk Pizza Party.

Studio Tag 2

Am nächsten Morgen fiel uns auf, das wir keine Kamera hatten und doch eigentlich ein Studio Diary drehen wollten. Also schnell noch zum großen bekannten Elektromarkt. In der Kamera Abteilung angekommen, stehen wir da und merken schnell, dass wir keine Ahnung von dem Zeug haben. Aber zum Glück gab es einen netten Mitarbeiter Namens Tech-Nick, der uns half. Wir erklärten ihm, dass wir eine Kamera für unsere Band bräuchten für Live-Aufnahmen, Tour- und Studio Diaries. Auf die Antwort schaute er uns fragend an und bereute es in diesen Moment uns jemals gefragt zu haben, ob er uns helfen könne. Er drückte uns mit dem gewohntem Tech-Nick-Grinsen irgendein Karton in die Hand, mit den Worten: “Hier das passt schon, wenn sie scheiße ist, könnt ihr sie immer noch umtauschen. Wir vertrauten dem netten Mitarbeiter und gingen ohne nochmal einen genauen Blick auf den Karton zu werfen zur Kasse. Im Studio angekommen packten wir stolz wie Bolle unsere neu erworbene Kamera aus und merkten, dass diese Kamera das totale Gegenteil war von dem, was wir gesucht bzw. gebraucht haben. Um sie zu beschreiben: Es war eine Sonnenbrille mit integrierter Camera. Wer das hässliche Ding mal sehen möchte, der gebe doch einfach bei Google “Rollei Sunglasses Cam 200″ ein. Also schnell zurück zum Elektromarkt das Ding umtauschen. Nach nur einer Stunde war das Ding auch schon umgetauscht und wir gingen nun endlich mit der richtigen Kamera unter dem Arm aus dem Elektromarkt.

Wieder im Studio angekommen ging es dann auch endlich los. Raphael knüppelt die Songs rein und der Rest der Band stellt schnell fest, dass sie die nächsten zehn Stunden absolut nichts zu tun haben wird. Also rüber zum Aldi Bier kaufen. Da unser Dispo, wie bereits erwähnt, schon hart am Limit war, mussten wir uns mit der super hochqualitatives Ratskrone zufrieden gegeben. Diese wird standesgemäß handwarm in 0,5er PET-Flaschen serviert. Nicht nur geschmacklich überzeugte uns das Bier, sondern auch das außergewöhnliche Preis-Leistungsverhältnis (Der edle Tropfen ist so günstig, wenn man den Pfand zurück bringt hat man es quasi umsonst getrunken). An dieser Stelle nochmal ein großes Lob an die nette Kassiererin, die uns vorschriftsgemäß nach unseren Ausweisen fragte. Mit sechs Six-Packs und drei Euro und neunundsiebzig Cent weniger im Portemonnee betreten wir das Studio und gehen wieder professionell an die Arbeit.

Acht Stunden später und sechs Sixer weniger (eigentlich waren es nur zwei Sixer, davon ein Radler und beim Pils sind drei über geblieben) waren die Drums fertig und wir können bereits einen Tag früher mit dem Bass beginnen.

Studio Tag 3

10:30 Uhr… Für gewöhnlich hat der deutsche Durchschnittsbürger hier bereits sein erstes Knoppers gegessen, da traf uns schon die erste schlechte Nachricht, wie ein Schlag in die Genitalien. Der geplante Studiomusiker für den Bass sagte ab und Johannes musste doch ran! Im Gegensatz zu Raphael, welcher mit Können, Professionalität und Talent überzeugen kann, liegen bei Jo die Schwerpunkte eher auf Backline auf- und abbauen, davor, währenddessen und danach Bier trinken und dazwischen kurz Bass spielen.

Doch Johannes belehrte uns des Besseren. Er hatte tatsächlich die letzten Monate die Songs geübt (macht er sonst nie). Wir konnten es selber kaum glauben, aber Johannes hat den Bass gut eingespielt. Und er plant seine Basskarriere bereits weiter. Die ersten Bewerbungen für ein Bass-Studium hat er schon rausgehauen. Abends hören wir die Songs noch einmal durch und sind jetzt schon geplättet von dem Sound. Ohne einen Regler gedreht zu haben, ohne irgend einen Effekt, klingen unsere Songs jetzt schon geiler als alles andere was wir jemals aufgenommen haben. Wir freuen uns auf die nächsten Wochenenden.

Studio Tag 4

Nach der Steilvorlage des ersten Studioberichtes und immer hin stolzen dreiundzwanzig “Likes” (stätig steigen und nein Facebook, wir haben leider kein Geld um den Beitrag hervorzuheben) ist es natürlich schwierig da noch einen drauf zu setzten. Vor allem an einem Wochenende, an dem eigentlich wirklich nichts spannendes passiert ist, außer dass, was man in einem Studio erwartet: ehrliches und hartes Recording.

Nach dem uns zu unserem Erschrecken Samstag morgens noch einfiel, dass für das Gitarren- Recording im Vier-Stunden-Takt die Saiten gewechselt werden sollten, ging es vor dem Recording noch zu unserem Gitarrenfachgeschäft des Vertrauens. Nach einer schnellen, aber wie gewohnt fachkompetenten Beratung und gefühlten trölf Saitensätzen mehr im Gepäck ging es gegen Mittag ins Studio.

Angekommen im Studio ging es wie gewohnt weiter: Soundcheck! Zeit für uns mal wieder so zu tun, als würden wir verstehen, was hier vorgeht und zu staunen was mit einer guten Mikrofonierung alles zu machen ist. Vier Stunden später war auch unser Soundtechniker Emil mit dem Sound glücklich und es konnte für Patrick ans Recording gehen.

Patrick jetzt auch besser bekannt als die “One-Take-Maschiene” schrammelt die Songs mit einer Routine ins Mischpult, als hätte er diese selbst geschrieben und nicht unser üblicher Songwriter Justin Bieber. Zwischendurch wurde auch mal Pause gemacht und der Höhepunkt des Wochenendes erreicht. Es gab den nun legendären Spekulatius-Aufstrich, der sich super mit allem kombinieren lässt. Spekulatiusbröchten, Spekulatius-Käsebröchten und Spekulatius-Spekulatiusbröchten. Der tägliche Bedarf Spekulatius C war damit gedeckt und alle konnten wieder gestärkt an die Arbeit gehen. Auch wenn Arbeit im Falle unseres Bassisten heißt, mal eben einen neuen Record bei tetrisfriends.com aufzustellen.

Am späten Abend waren dann alle Gitarrenspuren im Kasten und es wurde ausgefallen bei einem guten Glas Wein über den “twangingen” Gitarresound philosophiert und gefachsimpelt. Zufrieden und mit der Blutgruppe Spekulatius ging es nach Hause.

Studio Tag 5

Gut erholt und ausgeschlafen ging es Sonntags wieder ins Studio. Dort trafen wir um zwölf Uhr mittags noch die letzten Partypeople der Technoparty vom Vorabend an und ärgerten uns nicht doch ein anspruchvolles Instrument wie Laptop gelernt zu haben. Wie geil ist es bitte vor 300 Leuten einmal Play zu drücken und sich gediegen am Laptop zu besaufen . Aber genug mit den Träumereien, die EP nimmt sich nicht von alleine auf und schließlich ist die Anzahlung schon getätigt. Also kein Weg zurück mehr, die “Pop Punk Pizza Party must go on”. Aber was ist schon bitte Pop Punk, wenn dein eigener Schlagzeuger Sonntags mit einer Geige ins Studio kommt und stolz erzählt, was für geile Parts er sich für den einzigen ruhigen Song auf der EP ausgedacht hat. Sehr viel, wie ihr bald hören werdet!

Studio Tag 6

”Soll das so sein, dass ich mich auf dem Kopfhörer auf einmal nicht mehr höre?” Nein Patrick, das soll nicht so sein. Schließlich wollen wir doch alle gute Vocals für unsere ansonsten makellos aufgenommene und produzierte EP.

Nachdem unsere EP nach dem letzten Recording-Wochenende durch spontan eingespielte Streicher- und Gitarrenmelodien schon hart an der Grenze zum musikalisch Wertvollen war, sollten es Patricks roughe, punkige Vocals und gutturale Gang-Shouts nun wieder rausreißen. Also kurz soundchecken, Mikrofon auswählen (diesmal zum Glück nur eins) und los ging‘s. Einige anstrengende Stunden später – Raphael schläft auf dem Sofa fast ein – und nach einem Crashkurs in englischer Aussprache und Grammatik war der Großteil der Songs im Kasten.

Patrick hatte jedoch so true seine Vocals abgeliefert, dass wir sofort beschlossen, das Gayness-Level der EP direkt wieder durch hintergründige Chöre und zweite Gesangsstimmen anzuheben. Da niemandem so spontan aber etwas einfiel, wurde das Ganze auf den nächsten Tag verschoben und für den Rest der Studio-Zeit auf das Essen gewartet, das nach fünfundsiebzig (!) Minuten auch irgendwann an kam. Den Abend und die Nacht verbrachten wir auf einem Facefuck-Brutal-Groovy-Grindcore-Metal-Konzert nebenan.

Studio Tag 7

Die für heute geplanten Chöre und Zweitstimmen mussten nun her. Da immer noch niemandem etwas Vernünftiges eingefallen war, wurde Raphael mit ein paar Roughmixes, einem Laptop und Kopfhörern nach draußen verbannt, um sich nun mal endlich etwas auszudenken. In der Zwischenzeit bügelte AutoTune noch ein paar schiefe Töne aus – wir klingen jetzt übrigens fast so gut wie KANYE WEST – und Patrick sang gefühlvoll wie immer die Vocals für den ruhigen Song ein.

Nun ging es an das Recorden der extrem kreativ gestalteten Chöre. Patrick wollte jedoch seine Stimmbänder für die Gang-Shouts schonen, also musste Raphael mal wieder ran. Nachdem schnell entschieden wurde, dass seine nicht ganz so punkige Stimme für die Chöre zwar ganz gut kam, bei den zweiten Stimmen aber zu wünschen übrig ließ, musste Patrick es nun doch wieder rausreißen.

Da die Facefuck-Brutal-Groovy-Grindcore-Metal-Bands, deren Shouter wir eigentlich engagieren wollten, wieder abgereist waren, mussten die Shouts nun doch von Jo und Patrick übernommen werden. Das Ergebnis hört ihr bald – einen Großteil aber auch hoffentlich nicht.