Rock Im Park 2016

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Donnerstag, 02. Juni 2016

Sichtbar übermüdet und durch tiefe Augenringe von der recht kurzen Nacht gezeichnet, stehe ich pünktlich um 5.00 Uhr morgens in der Einfahrt meines Kumpels. Der packt gerade noch seine letzten Sachen zusammen und hieft sie mühevoll in mein Auto. Es geht zu Rock im Park! Für mich ist es das erste Mal!

Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Tanke, welcher dringend nötig war, um unser Kaffeedefizit zu neutralisieren, geht es ab auf die Autobahn in Richtung Nürnberg. Wir kommen überraschend gut durch den Verkehr und treffen rund zweieinhalb Stunden später vor dem Festivalgelände auf den Rest unserer Truppe. Es folgt der anstrengende Teil: Bändchen abholen, einen geeigneten Platz zum Campen suchen, Zelte aufbauen, Sachen schleppen. Der Campingplatz ist bereits sehr gut gefüllt, sodass wir uns etwas verteilen müssen, was jedoch nicht weiter schlimm ist. Endlich geschafft!

Der erste Tag ist gekennzeichnet durch viel Regen, alberne wie auch tiefgründige Gespräche mit alten und neuen Freunden und jeder Menge Spaß. Da die ersten Bands erst am Freitag spielen ist dafür auch genügend Zeit. Um 8.00 Uhr morgens siegt die Müdigkeit und ich falle auf meine Isomatte.

Freitag, 03. Juni 2016

Heute ist der erste offizielle Festivaltag. Man mag es kaum glauben, aber ich bin um 10.00 Uhr morgens schon wieder auf den Beinen – dank Hitze im Zelt und Lärmpegel. Nach einem kleinen Frühstück und einer kalten Dusche lege ich mich nochmal für zwei Stunden aufs Ohr bevor es zusammen mit den Bekanntschaften vom Vorabend ab aufs Konzertgelände geht.

BRING ME THE HORIZON stehen bereits in den Startlöchern. Leider ist die Menschenansammlung vor den Schleusen sehr groß, sodass wir es nicht pünktlich zur Zeppelin-Stage schaffen und einige Songs verpassen. Ein wenig ärgerlich. Abgesehen davon bereiten mir die Jungs aus Sheffield einen großartigen Start. Der Sound ist klar aber druckvoll und Oli Sykes gut gelaunt. Bei strahlendem Sonnenschein heizt er die Menge zu Hits wie “Chelsea Smile”, “Sleepwalking”, “Avalanche” oder “Shadow Moses” an. Nach einer mitreißenden Show verabschieden sich die Briten und drücken KORN die Klinke in die Hand. Dazu begeben wir uns nach ganz vorne, denn wir sind gerne mittendrin statt nur dabei. Auch wenn ich nie der größte Fan der Nu-Metal-Legenden war, bin ich doch beeindruckt von diesem Auftritt. Die Crowd ist in Feierlaune und es entsteht ein ultralässiger Pit. Da schmeckt das Bier gleich noch besser.

Zum groß angekündigten Headliner BLACK SABATH treffe ich mich mit meinen Leuten außerhalb der Wellenbrecher. Wir wollen uns das Ganze gemütlich von hinten anschauen. Ich war von Anfang an skeptisch und werde leider darin bestätigt. Beschimpft mich ruhig als Kulturbanausen, aber das was Ozzy und seine Crew da abliefern, ist einfach zu wenig, besonders gesangstechnisch. Wir geben uns das Ganze eine halbe Stunde, bevor wir unseren Campingplatz aufsuchen, für eine Runde Entspannung. Wahnsinnig bequem so ein Campingstuhl! Um 1.00 Uhr nachts starten wir jedoch erneut in Richtung Action Area. CALIBAN spielen in der Arena. Dort angekommen bin ich erstmal baff! Die nicht gerade kleine Halle ist bis zum Bersten gefüllt und das um diese Uhrzeit. CALIBAN – sichtlich erfreut aufgrund des großen Zuspruches – zocken sich von Song zu Song und reißen alles mit was nicht niet- und nagelfest ist! Super Abschluss des Tages! Auf dem Rückweg mache ich noch einen kurzen Abstecher zu Marios Pasta – ich glaube ich wurde im Laufe des Festivals sein bester Kunde. Danach gehts ab in die Heia. Genug für heute!

Samstag, 04. Juni 2016

Wettertechnisch haben wir es deutlich besser erwischt als die bemitleidenswerten Rock am Ring-Besucher. Es regnet zwar jeden Tag, jedoch meistens Nachts und lange nicht in dem Ausmaß wie beim Zwillingsfestival in Mendig. So kommt es, dass wir auch an diesem Tag bei Sonnenschein aufwachen. Erstmal gemütlich frühstücken – ich weiß ich bin verfressen. Nach einer chilligen Runde Stuhlkreis flaniere ich mit einigen Kollegen zum Cocktailstand in der Nähe des Infopoints. Meine persönliche Empfehlung: Ein Erdbeer-Caipirinha! Sehr sehr lecker…

Oh schon so spät? Zeit aufzubrechen, denn WE CAME AS ROMANS warten nicht. Kaum an der Zeppelin Stage angekommen, erklingen die ersten Töne: Sonnenschein, gute Freunde, ein kühles Blondes – geht es eigentlich noch besser? Ja, und zwar wenn dazu noch gute Musik läuft und die liefert das Sextett auf dem Podium zweifelsohne an diesem Nachmittag. Obwohl es mengenmäßig noch recht beschaulich zugeht, herrscht extrem gute Stimmung, sodass auch ich mich zu der ein oder anderen Two-Step-Einlage hinreißen lasse. Direkt im Anschluss erhalten OF MICE AND MEN die Erlaubnis, die Massen mit ihrer Metalcore- und Post-Hardcore-Mischung zu beschallen. Schon im Vorfeld wurde ich häufig darauf hingewiesen wie unglaublich gut diese Band live sei. Und was soll ich sagen? Es stimmt tatsächlich. Die Kalifornier beeindrucken durch breite Gitarrenwände, einem sehr guten Sänger und enorm viel Bewegung auf der Bühne. Prädikat: Exzellent!

Nach einer erneut lustigen Runde am Cocktail-Stand mit einem alten Schulkollegen geht es wieder Richtung Konzertgelände. Das Ziel: Die Alternarena, welche mit einem fetten Line-Up aufwartet. Nachdem WHILE SHE SLEEPS ihr Feuerwerk abgebrannt haben folgen mit ISSUES und AUGUST BURNS RED zwei weitere Hochkaräter, welche ebenfalls zu überzeugen wissen.

Das eigentliche Highlight des Abends betritt um 21.00 Uhr in Gestalt ARCHITECTS die Bühne. Draußen beginnt es zu gewittern, aber was in der Arena passiert, kann man eigentlich nur als faszinierendes Donnerwetter bezeichnen. Die Briten ballern meine Kumpels und mich völlig weg. Ich habe selten ein so energiegeladene Performance miterlebt. Danke ARCHITECTS! Nach dem Konzert stärke ich mich erneut bei Marios Pasta, bevor es zum bierigen Ausklang auf den Campingplatz geht. Bevor ich schlafen gehe, gönne ich mir noch einen kleinen Spaziergang und eine Dusche.

Sonntag, 05. Juni 2016

Der letzte Tag beginnt. Ich bin sehr gerädert aufgrund der Anstrengungen der letzten Tage. Erstmal frühstücken und anschließend Zelt abbauen, Sachen zusammenpacken und ins Auto laden. Puh! Ganz schön anstrengend. Ich gönne mir einen Hot Dog. Doch bevor es nach Hause geht, wartet ja noch ein Tag voller Konzerte auf mich.

Die erste Band des Tages, auf die ich mich ganz besonders freue sind THE AMITY AFFLICTION. Meine Freunde und ich kommen an, als der Soundcheck läuft. Pünktlich um 16.15 Uhr startet die Band mit “I Bring The Weather With Me”. Meine Müdigkeit ist wie weggeblasen und ich bin schon wieder voll in meinem Element. Ein warmer und knackiger Sound sowie eine leicht atmosphärische Grundstimmung bilden das Fundament für den klasse Auftritt auf der Parkstage. Bei TRIVIUM ist dann Circle-Pit Time. Sänger Matt Heavy ist aber auch ein Energiebündel am heutigen Tag. Nach einer Stunde und Standing-Ovations ist der Spuk vorbei. Die Band verlässt die Bühne, ich verlasse die Parkstage. Kurze Ess-Trink- und Pinkelpause, dann beginnt der Endspurt.

Wir sehen uns aus etwas Entfernung BILLY TALENT an, welche um 19.00 Uhr auf der Zeppelin-Stage loslegen. Ich habe die Kanadier schon des Öfteren gesehen, Wie immer enttäuschen sie mich nicht und sorgen für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Die RED HOT CHILLI PEPPERS lassen etwas auf sich warten. Mit einer viertel Stunde Verspätung beginnen die Mannen um Anthony Kiedis. Lange Zeit hadere ich mit mir selbst, ob ich mir das Konzert komplett ansehen soll oder nicht. Ich entschließe mich nach einer halben Stunden zu gehen. Was ich sehe und höre ist zwar nicht schlecht, aber es haut mich nicht vom Hocker. Ich gehe zu BULLET FOR MY VALENTINE welche auf der Parkstage den Rausschmeißer markieren. Ein Hit nach dem anderen geht durch Mark und Bein. Die Connection zwischen Crowd und Band ist gigantisch. Bullet! Bullet! Bullet! – laute Rufe ertönen sobald es einmal kurz ruhig wird. Ein würdiger Festivalabschluss! Mit Tortillini von Marios Pasta als Wegzehrung verlasse ich Rock im Park.

Größtenteils gutes Wetter, leckeres Essen, wenig Schlaf, nicht zu wenig Bier, lässige Menschen, geile Bands und Top-Sound auf den Bühnen! Rock im Park ist ein Klasse Festival, welches viel Abwechslung bietet. Ich werde nächstes Jahr wiederkommen!