RANDY BLYTHE – Dark Days

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Viele können sich noch an die Berichte 2012 und die Auswirkungen auf die Termine von LAMB OF GOD erinnern. Leadsänger D. Randall Blythe wurde im Flughafen von Prag festgenommen. Der Vorwurf: er soll während einem Konzert 2010 in einem dortigen Club von der Bühne gestoßen haben. Dieser sei bei dem darauf folgenden Sturz so schwer verletzt worden, dass er an den Folgen starb. Körperverletzung mit Todesfolge. Blythe drohten bis zu zehn Jahre Gefängnis. In “Dark Days” beschreibt er seine Erlebnisse, angefangen bei seiner Festnahme. Dabei gewährt der charismatische Sänger auch Einblicke in sein Inneres.

Er geht dabei grundsätzlich chronologisch vor und beschreibt wichtige und für ihn eindrückliche Situationen und Momente in der Entwicklung des Falles. Dabei ist es bemerkenswert, wie gnadenlos ehrlich er seine Gefühlszustände während den unterschiedlichen Stationen der Entwicklung und innerhalb der verschiedenen Unterbringungen, Befragungen et cetera beschreibt. Die Überraschung, überhaupt mit einem derartigen Vorwurf konfrontiert zu werden, die stetige Unsicherheit über den Stand seiner Situation, Sprachbarrieren, kaum Kenntnisse über das tschechische judikative System und die Vorgänge außerhalb der Einrichtungen sind nur einige Punkte.

Trotz der ganzen Unklarheiten, seiner Unsicherheit und dem Gefühl der Verletzlichkeit und Angreifbarkeit, zeigt sich in diesem Dokument doch, dass er ein sehr guter Beobachter ist. Er denkt mit und konzentriert sich auf die Situation. Statt die Kontrolle zu verlieren, versucht er, die Angelegenheit aufzuklären und voranzutreiben. Und er schafft es, darüber in einer Art zu berichten, dass klar wird, wie er mit solch einer Situation zurecht kommen konnte. Offenheit, Unvoreingenommenheit, Ehrlichkeit, Bereitschaft, sich auf Gegebenheiten soweit wie nötig einzulassen und daran zu arbeiten. Aufgeben zählte nicht. Und ein Bewusstsein, in welcher Lage er war, was er sich wohl erlauben konnte und was nicht.

Randy Blythe geht in seinem Buch auch immer wieder zurück in seine eigene Geschichte, erwähnt seine Vergangenheit als Alkoholiker. Er reflektiert, wie diese Zeit ihn geprägt hat, und ist sich dessen bewusst, dass er mit einer solchen Situation in einer Position als Abhängiger nie so hätte umgehen können.

Das Buch liest sich so beinahe unterhaltsam, auch wenn der Hintergrund sehr tragisch ist und für den Autor keine leichte Zeit darstellt, welche er dort beschreibt.Es ist wichtig, dass es solche Bücher gibt. Es zeigt, wie es laufen kann. Things happen. Und das dabei immer viel davon abhängt, was bei einem im Kopf los ist. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen, nicht nur, um ein Stück Geschichte eines Musikgenres und seiner Protagonisten zu erfahren. Es stellt auch eine Möglichkeit dar, den Sänger kennenzulernen und etwas über ihn zu erfahren.