THE WORD ALIVE im Interview

THE WORD ALIVE im Interview

Im März erschien “Dark Matter“, das vierte Studioalbum von THE WORD ALIVE. Zwei Monate später sind sie schon bei uns in Europa, um zu beweisen, dass auch die neuen Songs live fast noch besser klingen. Wir sprachen mit Sänger Telle Smith, Drummer Luke Holland und Gitarrist Tony Pizzuti unter Anderem über den überraschenden Themenwechsel auf dem neuen Album.

Wenn ihr mit jemandem aus der Band Körper tauschen müsstet, wen würdet ihr nehmen?

Luke: Daniel!

Telle: Daniel! Er isst so viel. Und er wird einfach nicht dick.

Tony: Er hat einen Twelve-Pack.

Telle: Er ist nicht zu klein und nicht zu groß, er hat gute Bauchmuskeln und muss nichts dafür tun. Ich wünschte, ich könnte auch die ganze Zeit einfach nur Bier trinken und davon Bauchmuskeln bekommen.

Tony: Wenn man vom Biertrinken Bauchmuskeln bekäme, würde ich nichts Anderes mehr trinken!

Es ist höchste Zeit, dass jemand sowas erfindet.

Tony: Genau.

Lasst uns über etwas ernsthaftere Dinge sprechen. Auf eurem neuen Album, “Dark Matter”, gab es einen ziemlich drastischen Themenwechsel. Was war der Auslöser dafür?

Telle: Wir alle finden, dass unsere besten Songs die textlich düsteren waren. Das fiel uns immer leichter zu schreiben.

Fühlt es sich anders an, sie live zu spielen?

Telle: Ja, weil ich finde, die Songs sind besser als alles, was wir bisher geschrieben haben. Wir alle lieben dieses Album mehr als die vorherigen. Also fühlt es sich einfach besser an, diese Songs live zu spielen.

Als ihr das Album geschrieben habt, wie sehr habt ihr darauf geachtet, was ihr selbst schreiben wollt, und wie sehr darauf, was die Leute hören wollen?

Tony: Das ist der beste Teil. Wir haben einfach gesagt, “Scheiß drauf! Lass uns einfach die Songs schreiben, die wir schreiben wollen.” Auf den früheren Alben fühlte es sich oft an, als müssten wir uns zurückhalten, weil wir versuchten, alle anderen zufriedenzustellen. Und jetzt haben wir ein Album gemacht, auf das wir vor allem stolz sind.

Hattet ihr beim Schreiben ein besonderes Konzept im Kopf?

Luke: Es kam alles sehr natürlich zusammen. Auch als Band gingen wir zu dem Zeitpunkt durch eine schwierige Zeit. Wir waren uns nicht einmal sicher, ob wir noch weiter als Band bestehen bleiben wollten, also war alles, was wir schrieben, am Ende einfach düsterer.

Bei welchem Song konntet ihr es am wenigsten abwarten, ihn endlich unter die Leute zu bringen?

Luke: Ich glaube, “Trapped”.

Telle: Ja, “Trapped” mögen wir alle am liebsten, oder wenigstens am zweitliebsten auf dem ganzen Album. Der spielt bei uns allen ganz oben mit. Auch alle anderen, die ihn im Vorhinein gehört haben, waren begeistert. Es gab zwar eigentlich keinen Song, bei dem ich nicht aufgeregt war, ihn endlich rauszubringen, denn jeder Song präsentiert auf eine bestimmte Art einen anderen Teil von uns. Ich, persönlich, war sehr aufgeregt, weil es auf “Dark Matter” einige Dinge gibt, die ich vorher noch auf keinem Album so getan habe. Es ist einfach schön, immer wieder neue Seiten von sich zeigen zu können.

Wie war dann die öffentliche Reaktion, zum Beispiel verglichen mit dem Vorgänger “Real.”?

Telle: Die Reaktionen waren immer sehr positiv. Der Unterschied bei “Dark Matter” ist, dass wir bei den Fans eine sehr reale Veränderung -no pun intended- sehen. Sie sind viel aktiver bei den Shows, machen mehr mit, singen jedes Wort viel lauter, und es kommen auch generell immer mehr Leute zu den Shows.

Was ist euer Lieblingssong auf “Dark Matter”?

Luke: Wir lieben alle Songs auf dem Album, aber ich glaube, “Trapped” mag ich am liebsten. “Made This Way” ist am Ende besser geworden, als wir es erwartet hätten. Ich glaube, den mögen wir auch alle sehr.

Telle: Wenn ich jetzt von außen draufschaue, wäre mein Lieblingssong entweder “Made This Way” oder “Dreamer”, vielleicht sogar “Grunge”. Der Song ist etwas sehr Besonderes. Es gibt keinen Song, soweit ich mich entsinne, der dem ähnlich ist. Wenn “Dreamer” und “Grunge” nicht unsere eigenen Songs, sondern von irgendeiner anderen Band wären, würde ich die ununterbrochen hören!

Welcher Song ist das Herzstück des Albums?

Telle: Das wäre wahrscheinlich “Trapped”, einfach weil der Song melodisch ist, aber trotzdem noch heavy und aggressiv. Er bleibt leicht im Ohr, und hat angeblich den härtesten Breakdown, den THE WORD ALIVE jemals geschrieben hat. Trotzdem ist er nicht langweilig und generisch; er ist wie eine ausgewachsene Version von allen Songs, die wir vorher geschrieben haben. “Trapped” ist wie der Anker des Albums.

In der Vergangenheit gab es einige Besetzungswechsel in der Band. Glaubt ihr, ihr habt jetzt die perfekte Besetzung gefunden?

Telle: Wir haben jetzt schon über vier Jahre dieselbe Besetzung.

Tony: Das hier ist einfach THE WORD ALIVE.

Telle: Ja, wenn man sich unsere Geschichte anguckt, ist alles etwas anders verlaufen. THE WORD ALIVE hat nicht diesen Prozess durchlebt, wo man als kleine, lokale Band anfängt, und dann spielt man kleine Shows und es dauert erstmal eine ganze Weile, bis man richtig tourt. Wir, also THE WORD ALIVE, haben fast sofort angefangen zu touren. Wir haben insgesamt, glaube ich, weniger als zehn Shows gespielt, bevor wir zum ersten Mal auf Tour gegangen sind. Keiner wusste, wie es werden würde. Manche Leute sind zum Touren gemacht, manche eben nicht. Die ersten paar Jahre sind immer die schwersten. Wenn man es da durch schafft, schafft man fast alles. Manche haben es eben nicht geschafft, die fühlten sich zuhause wohler. Aber, vier Jahre, das ist die längste Zeit, die wir jemals dieselbe Besetzung hatten; und es war das erste Mal, dass wir mehrere Alben mit derselben Besetzung gemacht haben. Wie Tony schon gesagt hat: Das hier ist THE WORD ALIVE. Wenn ich zurückschaue, erinnere ich mich an die ersten Touren, an das erste Album, aber, wenn ich an THE WORD ALIVE denke, denke ich nicht an diese Zeit.

Auf dieser Tour bietet ihr zum ersten Mal Meet and Greets an. War das eure Entscheidung?

Telle: Ja, wir haben das Thema wieder zur Sprache gebracht, weil die Meet and Greets in den USA so erfolgreich waren. Unsere Fans scheinen sich darüber wirklich zu freuen. Wir sind nicht eine dieser Bands, die sagen, “Gib mir dein Geld, dann kriegst du ein Poster und wir schütteln dir die Hand”. Es ist intimer als das. Unsere Fans in den Staaten fanden es toll, und durch Videos und Fotos haben die Fans hier das mitgekriegt. Also stieg die Nachfrage. Diesmal war also das erste Mal, dass wir das hier gemacht haben, aber definitiv nicht das letzte Mal. Wir spielen einige Akustik-Songs, machen eine Fragerunde, machen Fotos und signieren Sachen. Wir verbringen einfach eine schöne Zeit mit unseren Fans.

Das ist ja im Moment in dieser Szene ein sehr kontroverses Thema. Aber eure Meinung dazu scheint nicht negativ zu sein.

Telle: Ich glaube, es gibt eine richtige und eine falsche Art, Meet and Greets zu machen. Wenn die Fans sich in einer Reihe anstellen müssen, und dann abgefertigt werden, ist das definitiv nicht die richtige Art. Wir haben schon lange kostenlose Autogrammstunden gegeben, das ist dann aber als solche benannt. Da hat man nicht so viel Zeit, sich persönlich mit den Leuten zu unterhalten, aber dafür haben wir auch nie Geld genommen. Aber jetzt bei den Meet and Greets spielen wir Songs als Akustik-Version, die sonst niemand so zu hören kriegt. Das allein ist es wert, finde ich. Die Fans können alles fragen, was sie wollen. Dann müssen sie nicht nach der Show warten und sich dann Sorgen machen, dass sie ihren letzten Zug nach Hause verpassen, weil sie hofften, die Band treffen zu können. Manchmal geht es uns nach der Show einfach nicht so gut, wir sind müde oder krank, sodass wir körperlich nicht in der Lage sind, rauszugehen und uns um hunderte Fans zu kümmern. Also gibt das Meet and Greet den Fans einfach die Garantie, dass sie kriegen, was sie wollen. Aber sie treffen uns ja nicht einfach nur, sie kriegen etwas ganz Besonderes.

Hat ein Fan euch jemals etwas so Merkwürdiges, im wahrsten Sinne des Wortes, erzählt, dass ihr euch manchmal immer noch gern daran erinnert?

Telle: Wir hatten einen sehr verrückten Fan, der dachte, wir wären Teil eines Geheimbundes, das ist eine lange Geschichte… Es gibt immer wieder Leute, die sich unsere Songtexte tätowieren lassen. Heute hatten wir einige Fans, denen bei unseren Akustik-Songs die Tränen kamen. Solche Sachen öffnen uns die Augen und zeigen uns, wie viel das den Leuten bedeutet.

In Anlehnung an das Zitat aus “Life Cycles”, “I’d rather die for what I believe than live a life without meaning”: Würdet ihr lieber einen Tag immer und immer wieder erleben oder sterben?

Telle: Wenn ich den Tag aussuchen dürfte, würde ich den wieder und wieder erleben wollen. Ich würde mir einfach den besten Tag meines Lebens aussuchen.

Luke: Ich würde den 11. Mai 2016 nehmen.

Wieso das?

Luke: Das war ein schrecklicher, schrecklicher Tag für THE WORD ALIVE. Das war der Tag, an dem wir in Europa ankamen, wir waren über 20 Stunden geflogen, und dann landeten wir in London Heathrow und flogen weiter nach Belgien, wo unsere erste Show auf der Tour war. Und noch während wir in der Luft waren, fanden wir heraus, dass dort ein Teil des Flughafenpersonals streikte, und unser Gepäck nicht verladen wurde. Also warteten wir noch sieben Stunden. Das war einfach ziemliches Pech.

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