THE UNGUIDED im Interview

THE UNGUIDED im Interview

Eine bewegte Vergangenheit haben THE UNGUIDED auf jeden Fall. Doch auch ihre Zukunft verspricht bewegende Musik. Wir haben uns mit Drummer Richard Schill und Gitarrist Roger getroffen.

Wie läuft die Tour bisher?

Richard Schill: Sehr gut, wir haben schon so einige Shows gespielt.

Roger: Die Shows in Deutschland und Österreich waren schon verdammt gut! Polen und Tschechien waren etwas zurückhaltend, außer das Konzert in Brno. Das war geil.

Zurückhaltend?

Richard: Es waren leider nicht viele Leute da.

Roger: Und die Konzerthallen waren totale Bruchbuden. Aber wenn wir in Deutschland sind, ist das so, als ob wir zurück nach Hause kommen.

Richard: Aber für uns ist es eine gute Sache, da wir einfach Spaß auf der Bühne haben können und neue Sachen ausprobieren.

Hattet ihr irgendwelche tollen Erlebnisse, habt ihr Fans getroffen?

Roger: Wir haben viele Fans getroffen! Üblicherweise wollen die unsere Alben unterschrieben haben, aber ebenso so verrückte Sachen wie Smartphones oder Schuhe.

Richard: Ein Typ in Ceské wollte sich unsere Autogramme später sogar tätowieren lassen.

Roger: Unser Bandsymbol hatte er bereits unter der Haut!

Für diese Tour habt ihr eine besondere Setlist vorbereitet. Wie lief dafür der Auswahlprozess ab?

Richard: Das ist nicht besonders schwer. Wir haben drei Alben mit jeder Menge guter Songs. Aber natürlich spielen wir auf dieser Tour vor allem Songs vom aktuellen Album

Das waren heute sieben Songs: die Hälfte des Sets.

Roger: Generell spielen wir die wichtigen Singles. Aber wir haben auch ungefähr zehn Songs in Rotation, welche wir nach jeder Show auswechseln können. Somit ist eine Show nie wie die davor. Insgesamt haben wir 20 Songs im Gepäck, von denen wir circa 14 bis 15 an einem Abend spielen.

Es ist bekannt, dass die Alben um ein spezielles Storykonzept laufen. Insbesondere “When The Frost Rose Withers” und “Hate (And Other Triumphs)” stechen hervor, weil der eine Song der erste der Story ist und der andere das große Finale darstellt. Jedoch spielt ihr beide auf dieser besonderen Tour nicht.

Roger: Unglücklicherweise nicht. In der Vergangenheit haben wir beide oft gespielt, dieses Mal sind sie jedoch nicht dabei. Genau kann ich leider auch nicht sagen warum (lacht).  Bei der Auswahl kam “Hate (And Other Triumphs)” einfach nicht vor.

Richard: Wir haben einfach so viele gute Songs.

Roger: Ja, haha.

Richard: Und man kann einfach nicht alle spielen.

Roger: Wir versuchen auch auf Youtube, Spotify und iTunes  zu schauen, welche Songs besonders populär sind.

Mein Gedanke war dabei: Nun endet die Trilogie mit der Tour, also sollte auch “Hate (And Other Triumphs)” gespielt werden.

Richard: Das wäre echt toll, aber leider hatten wir auch nicht genügend Zeit um den Song einzuüben. Es braucht einiges an….. Es ist ein großer Song und, für mich, auch kein typischer THE UNGUIDED-Song. Deshalb haben wir entschieden, dass wir für diesen mehr Vorbereitungszeit brauchen um ihn  perfekt spielen zu können.

Roger: Das wäre eine tolle Möglichkeit um die Story auf der Bühne spielen zu können. Den Gedanken hatte ich noch gar nicht!

Genau so wäre es auch eine tolle Idee, alle Songs zu den Augenfarben in einem Set zu haben: “Blue Eyed Fiend”, “Red Eyed Friend”, “Green Eyed Demon”, “Black Eyed”. Aber es ist ja auch bekannt, dass ihr keine SONIC SYNDICATE-Songs spielt.

Roger:  Wir haben sehr oft darüber gesprochen und wir werden sehen was passiert. Eines Tages könnten wir wieder alte SONIC SYNDICATE-Songs spielen aber derzeit wissen wir es noch nicht.

Für den Song “Deathwalker” habt ihr als Gastsänger Hansi Kürsch von BLIND GUARDIAN gewinnen können. Das andere Idol von eurem Sänger Richard ist Mikael Stanne von DARK TRANQUILLITYHabt ihr vor auch dieses Duett zu verwirklichen?

Roger: Wir haben diese Sache vor den Aufnahmen zum neuen Album besprochen. Letztendlich haben wir uns dagegen entschieden und machten so weiter. Jedoch haben ein wir paar tolle Produzenten, die auf dem Album spielen: Jacob Hansen, der ein wenig Gitarrenarbeit leistet und Pontus Hjelm von DEAD BY APRIL für die Keyboardproduktion. So haben wir also doch ein paar Gäste im Hintergrund, aber es wäre auf jeden Fall cool wieder mal einen Gastsänger zu haben.

Die Lyrics zum Song “Blodbad” befassen sich mit einem alten Kumpel, welchen Richard Sjunnesson bei World Of Warcraft hatte und deren In-Game Erlebnissen. Welche Games habt ihr in den letzten Wochen und Monaten gezockt?

Richard: Ah, das ist ne coole Frage! (Zu Roger:) Du spielst ja mehr das Fantasy-Zeug. Ich dagegen mehr GTA und FIFA.

Roger: Ich spiele auf der PS4 derzeit The Division sehr viel. Davor war es Destiny und ich war sehr in Metal Gear Solid 5 vertieft. Auf dem PC sind es dagegen StarCraft und Hearthstone, also hauptsächlich Onlinespiele.

Richard: Battlefield, eines meiner Lieblingsspiele!

Bist du mit The Division zufrieden?

Roger: Es ist schon etwas repetitiv. Die Missionen sind sich grundlegend sehr ähnlich beziehungsweise man hat vier bis fünf Missionstypen, welche sich immer abwechseln. Aber wenn man es mit einem Freund spielt, ist es echt cool alles kooperativ zu machen und Blödsinn über den Voicechat zu reden

Und bei Destiny gab es von den Spielern ziemlich viel negative Kritik, was die Story angeht.

Roger: Ich finde, die Entwickler haben diese Dinge im Nachhinein mit den DLCs wieder auf einen guten Weg gebracht. So, dass es für mich nun ein sehr gutes Spiel ist. Ich freue mich schon auf den nächsten DLC beziehungsweise Destiny 2. Welche Spiele hast du denn gespielt?

Zuletzt habe ich Final Fantasy VII endlich zum ersten Mal durchgespielt. Außerdem Driveclub auf der PS4 und Skyrim auf dem PC.

Richard: Sehr geil!

Roger: Hat dir Final Fantasy VII gefallen?

Wirklich sehr! Aber ich finde auch, dass es über die Jahre schon zu sehr gehypt wurde.

Richard: Games werden immer zu sehr gehypt!

Ich glaub auch, dass man das Spiel und die Fanreaktionen damals hätte miterleben müssen, um den jetzigen Hype zu verstehen. Vor ein paar Jahren habt ihr euer Label gewechselt, von Despotz zu Napalm Records. Seid ihr mit deren Arbeit zufrieden und wie ist sie verglichen zu Nuclear Blast?

Roger: Ich denke, die Arbeit von Nuclear Blast und Napalm ist sich recht ähnlich. Sie verwenden die selben Werkzeuge um uns zu promoten und wir haben eine sehr gute Kommunikation mit Napalm. Wir reden mit ihnen nahezu jeden Tag per Mail: Sie teilen uns ihre Ideen mit oder wie gut unsere Arbeit ist. Napalm Records ist einfach ein großartiges Label, wir lieben es mit ihnen zu arbeiten! Despotz dagegen ist nun mal ein kleines, schwedisches Label und es war quasi genau das Gegenteil.

Lasst uns nun weit in die Vergangenheit gehen: Zu euren ersten Bands. Es ist bekannt, dass die erste Inkarnation von Sonic Syndicate FALLEN ANGELS war. Aber noch davor gab es TUNES OF SILENCE. Kannst du etwas darüber erzählen?

Roger: Ja! Das ist sehr altes Zeug.  Mein Bruder hatte ein paar Schulfreunde, welche Musik machen wollten und ich hatte gerade mit dem Gitarrespielen angefangen. Also haben wir unsere erste Band gestartet. Wir begannen mit Punk- und Metal-Covern und haben in unserer Heimatstadt ein paar Shows gespielt. Mit ein paar Besetzungswechseln entstand daraus dann FALLEN ANGELS. Bald darauf bekamen wir unseren ersten Plattenvertrag mit Pivotal.

Roger: Genau. Wir mussten aber unseren Bandnamen wieder ändern, weil der Name FALLEN ANGELS schon überall geschützt war. Richard schlug dann den Namen SONIC SYNDICTATE vor und alle fanden ihn großartig.

War der Name THE UNGUIDED ebenfalls seine Idee gewesen?

Roger: Einige Jahre später haben Richard und ich über ein Nebenprojekt nachgedacht, weil SONIC SYNDICATE so schnell groß wurden und so viele Leute involviert waren. Wir hatten dort einfach keine Kontrolle mehr und vermissten die alten Tage, als wir Musik noch ganz einfach veröffentlichen konnten. Dieses Sideproject wurde dann zu THE UNGUIDED.

Richard, wie war es bei dir?

Richard: Ich hatte sehr viele Bands verschiedenster Stile, meist jedoch Metal.

Du hast bei LIVSNEKAD (2007-12), SPAWN OF POSSESSION (2009-10),gespielt.

Richard: 2008 bin ich dann den Blackmetalern von SHINING beigetreten, aber nach einiger Zeit hat es für mich dort einfach nicht mehr funktioniert. Es war nun mal so, dass… Es war einfach fürchterlich, echt mies.

War es eine schlechte Bandchemie?

Richard: Nun ja, also….wir waren wirklich enge Freunde und es war einfach nichts mehr für mich. Ich hatte meinen Sohn und ich musste mich um ihn kümmern. Danach hat Roger mich angeschrieben, ob ich es mit THE UNGUIDED versuchen wollte und es hat super geklappt! Unsere erste gemeinsame Show war, ich glaube, in Falun.

Das war das Rockstad am 16. August 2012

Richard: Es war ein riesiges Festival und ich war total nervös. Außerdem habe ich noch ein Nebenprojekt, MY COLLAPSE, mit dem Ex-Sänger von DEAD BY APRIL, Jimmie Strimell. Mehr als einen Song haben wir noch nicht veröffentlicht. Das Projekt liegt derzeit auf Eis. Mal sehen, ob es damit weiter gehen wird.

Bei eurem neuen Album habe ich besonders auf die Drums gehört, da ich selbst auch Schlagzeuger bin. Dein Spiel hat mich sofort überzeugt, vor allem deine Arbeit mit den komplexen Double Bass-Figuren. Ich könnte die so einfach nicht nachspielen. Wie sieht dabei deine Herangehensweise aus? Schreibst du die Drumparts selbst oder werden sie dir fertig vorgelegt und du musst sie nur nachspielen?

Richard: Wir hatten zuerst nur ein paar Ideen für einige Songs, zum Beispiel ein offener Akkord und von dort begann für mich die Arbeit. Ich habe meinen eigenen Stil und ich denke, dass ich auf diesem Album richtig zeigen konnte was ich kann. Für das spielen hatte ich diesmal mehr Zeit und konnte auch neue Dinge ausprobieren und auch die ganze Aufnahmesession bei Jacob Hansen war fantastisch!

Roger: Richard und ich waren vor den anderen im Studio und hatten sowohl komplette Songs als auch Fragmente dabei und sind diese nachts durchgegangen.

Richard: In einem Haus Mitten im Nirgendwo mit zwei Laptops. Es war verdammt cool!

Roger: Wir haben also vieles im Studio geschrieben.

Ich wette du liebst deinen Drumsound auf dem neuen Album.

Richard: Er ist verdammt geil!

Wurde dieser denn irgendwie gesampelt? Das Schlagzeug in Jacobs Produktionen hört sich, meiner Meinung nach, oft gleich an.

Richard: Nein, keinesfalls! Das Schlagzeug, welches ich für die Aufnahmen verwendet habe, klang großartig und der Drumtech war ebenso fabelhaft. Wir probierten verschiedene Snare-Drums aus und du musst wissen, immer wenn wir die Snaredrum austauschten, klang das ganze Set anders. Letztendlich war aber alles perfekt. Nun, wenn bei den Aufnahmen zum Beispiel ein Fill In nicht ganz sauber, wenn ein Schlag zu leise oder nicht auf den Punkt ist, dann wird das schon mit einem Sample der eigenen Aufnahme verbessert. Aber es ist nicht so, dass sämtliche  Sounds ausgetauscht werden. Klar, Jacob hat seine Art, wie er das Schlagzeug produziert und abmischt und warum sollte man die Drums anders klingen lassen, wenn es an sich super ist? Bei AMARANTHE sind die Drums mehr in den Hintergrund gemischt, zu sehr wie ich finde. Bei uns dagegen voll in your face und das mag ich – weil ich der Drummer bin!

Lasst uns nochmal kurz über SONIC SYNDICATE reden. Habt ihr noch Kontakt zu Robin?

Roger: Nein, nicht wirklich. Ich habe ihn zwar mal zufällig getroffen, da wir Cousins sind, aber Freundschaft ist da nicht.

Und Karin?

Roger: Ich sehe sie ab und zu und wir grüßen uns, sagen Hallo. Aber wir verbringen keine Zeit miteinander. Zufälligerweise arbeitet ihr Freund in der selben Firma wie ich, weshalb ich mehr Zeit mit ihm verbringe (lacht). Mit John hatte ich ein paar geschäftliche Gespräche, aber grundsätzlich ist mit dem Bandsplit vieles zu Ende gegangen.

Lasst uns nun im letzten Teil über die Zukunft der Band reden. Die Konzept-Trilogie kam nun zu einem Ende und beinhaltete ein paar Konstanten, wie die sehr hervorstechenden Farben der Albencover oder das eure Songtitel das Gegenteil der SONIC SYNDICATE-Songtitel waren. Wird dies zukünftig beibehalten werden?

Roger: Wahrscheinlich nicht, denke ich. Wir werden wohl mit etwas völlig Neuem auf dem nächsten Album weitermachen.

Wird es eine neue Story geben?

Roger: Es ist noch zu früh um das sagen zu können. Ich denke, die ersten drei Alben waren sich recht ähnlich, was Struktur und Songs angeht und es wird toll sein neue Dinge auszuprobieren.

Richard: Schon auf “Lust & Loathing” haben wir versucht, die Songs auf neue Art zu arrangieren.

Roger: Es gab diesmal auch mehr Songwriter.

Richard: Es war wie ein Test, ob wir die Dinge auch anders angehen und trotzdem unseren Stil behalten könnten.

Jedes Album hatte einen anderen Produzenten: Jonas Kjellgren, Fredrik Nordström, Jacob Hansen. Habt ihr in Jacob euren perfekten Mann gefunden?

Roger: Ich würde wirklich gern wieder ein Album mit ihm machen!

Richard: Jaaa!

Roger: Henric Liljesand, Bass hatte damals mit NIGHTRAGE bei Jacob Hansen aufgenommen.

Und zwar das Album “A New Disease Is Born”, das 2007 erschien.

Roger: Genau. Er hatte jetzt angefragt, ob Jacob Hansen für die Aufnahmen für “Lust & Loathing” zur Verfügung stünde. Es klappte und wir haben auch einen guten Deal bekommen.

Richard: Die Kommunikation war auch super. Wir hatten so viel Spaß und die Chemie stimmte einfach.

Ich hoffe es! “Lust & Loathing” ist herausragend und jeder Song ist ein Volltreffer.

Roger: Vielen Dank!

Richard: Vielen Dank!

Nach all den Schwierigkeiten mit SONIC SYNDICATE, dem Management und Kontrollverlust, was würde passieren wenn THE UNGUIDED auch größer und erfolgreicher würden?

Roger: Wir sind diesmal unsere eigenen Manager, also kann uns niemand vorschreiben was wir machen sollen. Wir gehen unseren Weg und wenn wir größer werden sollten, wäre das eine tolle Sache.

Richard: Wir sind nun viel älter und haben Familien.

Roger: Sind erfahrener im Musikbusiness und haben jetzt mehr Kontakte. Bei SONIC SYNDICATE waren wir einfach noch Kinder und unser Dad war unser Manager. Er sagte uns immer: tut dieses und jenes. Ihr müsst so und so klingen. und am Anfang war es auch gut so. Aber auf lange Sicht hat es nicht funktioniert.

Das Management war letztendlich der Grund für den Split.

Roger: Das denke ich auch. Das Management und einige Bandmitglieder wollten eine andere Richtung einschlagen als Richard Sjunnesson und ich. Ja, das war der Grund warum Richard ausgestiegen ist und ich habe das ein paar Monate später auch getan, weil ich nicht ohne meinen Bruder in der Band sein wollte.

Welche Ratschläge würdet ihr diesbezüglich anderen Bands geben?

Roger: Man sollte immer ein Stück Kontrolle behalten und eigenständig an den Dingen teilhaben und sich rein arbeiten. Stellt Fragen und Verträge sollten von einem Anwalt gecheckt werden, bevor man seine Unterschrift drunter setzt. Wir haben da auch unsere Fehler gemacht. Und zu guter Letzt: spielt Musik und habt Spaß! Deswegen machen wir Musik.

Ich bedanke mich sehr für das tolle Interview und da wir Fans uns auf euer viertes Album freuen, sage ich: May the fourth be with you!

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