PAIN im Interview

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“It seems like the people want some PAIN”

Lass uns mit einer Frage zu PAIN beginnen. Ist dir wichtig, eine konkrete Definition zu haben, ob es sich dabei um eine echte Band oder um ein Projekt handelt?

Peter: Ich sehe da keine echten Probleme. Es ist einfach das, was es ist. Natürlich ist es eine Band, wenn wir auf Tour sind. Das Ganze läuft meist sehr demokratisch. Wenn ich im Studio an dem Material arbeite, dann meistens allein. Ich habe da meine ganzen Geräte und Instrumente, sodass ich daran arbeiten kann. Aber wenn wir raus auf Tour gehen, ist es definitiv eine Band.

Auf dem SUMMER BREEZE hat man wieder gut sehen können, dass PAIN sehr populär sind. Für viele Leute war euer Auftritt ein Highlight am Samstag, auf das sie gewartet und den sie gefeiert haben.

Peter: Echt? Vielen Dank! Der Auftritt war auch wirklich toll. Wir waren ja ein paar Jahre weg. Scheint so, als wollten die Leute wieder etwas mehr PAIN.

Ja, man hat das richtig gemerkt. Die Leute haben es live sehr gut mitgenommen und waren froh, die Band mal wieder zu sehen.

Peter: Stimmt, das war ziemlich verrückt. Das ist auch für uns schön und ein gutes Zeichen. Schade, dass ich und andere von der Crew an dem Tag ziemlich krank war. Aber es geht schon besser jetzt. Bis zur Tour relaxen wir noch ein wenig.

Auch im Video wird übertrieben

Freut mich, das zu hören! Ihr habt ein Video zu dem Song “Call Me” von der neuen Platte. Darin ist, wie bei “Praise Abort” auf LINDEMANN ja auch ziemlich viel, beinahe cineastisch gearbeitet, mit viel Übertreibung. Gehört das für dich so dazu, gerne in diesem Bereich auch so zu arbeiten?

Peter: Ja, schon. Klar, heutzutage muss man eh immer etwas übertreiben, einfach schon, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Wir versuche einfach immer, etwas Anderes und Neues auszuprobieren, wenn wir Videos machen. Es soll nichts sein, was andere Bands eh auch schon gemacht haben. Manchmal ist es gut, manchmal fast schon zu gut, weisst du. Oder zu anders. Es ist ja auch immer ein Risiko. Die Leute sehen das und bewerten das Visuelle nochmal selbst.

Ich musste an “Meet The Feebles” von PETER JACKSON denken, weil er da auch mit Puppen arbeitet und sehr over the top geht. War euch diese Ähnlichkeit bewusst?

Peter: Ehrlich gesagt nicht. Ich hatte eher an GENESIS gedacht. So dieses chaotische. Das stand dahinter als etwas, was wir im Hinterkopf hatten, als wir damit anfingen.

Ist das dann für dich so eine Synthese verschiedener Kunstrichtunggen? Oder ist sowas eher zweitrangig für dich?

Peter: Bei der genauen Umsetzung war ich garnicht so stark involviert. Der Produzent, den wir auch bei “Follow Me” hatten, kam mit den Ideen und ich habe ihm da viel Freiraum gegeben. Er hatte viele Ideen und konnte sich da austoben. Aber es ist sehr gut geworden. Anders, als herkömmliche Videos.

Kein zweites AVANTASIA

Du hast viele Connections zu anderen Musikern und Künstlern. Bedeutet es für dich mehr Freiheit zu haben, darauf zugreifen und mit ihnen arbeiten und Projekte machen zu können?

Peter: Ja, klar. Mit verschiedenen Leuten kollaborieren zu können macht Spaß und kann sehr inspirierend sein. Ich will aber kein AVANTASIA-Album machen, auf dem es einen regelrechten Overkill an Gastmusikern gibt. Auf “Psalms Of Extinction” hat Alexis von CHILDREN OF BODOM mitgewirkt, oder auch Mikkey Dee von MOTÖRHEAD, und auch Peter Iwers von IN FLAMES. Man muss immer entscheiden, wie weit es gehen soll, wie viele von seinen Freunden man fragen will, ob sie mitmachen wollen. Dieses Mal hatte ich einfach die Idee, dass es cool wäre, wenn Joakim singen würde, und ihn mal zu fragen.

Wenn es in der Richtung zuviel wird auf einmal, wird es schnell zu viel, aber eben schnell auch in einer negativen Weise. Man muss da aufpassen.

Peter: Das ist es. Weniger ist oft besser, man muss das einfach einschätzen können. Ich will nicht sagen, weniger ist mehr, aber weniger ist besser.

Musikalische Experimente

Du hast in deiner Musik ein breites Spektrum an Stilen. Denkst du, das ist auch ein Grund, weshalb die Leute die Musik so mögen? Ist das für dich auch einfach das, wie du klingen willst?

Peter: Ich weiß es nicht genau. Ich mische und kombiniere einfach das, wovon ich selbst beeinflusst werde. Ich mache mein eigenes Ding daraus. Ich denke nicht darüber nach, was andere mögen oder eben nicht. Ich experimentiere einfach, wenn ich Musik mache. Gerade beim Produzieren probiere ich immer verschiedene Elemente aus, was passen könnte und was nicht.

Denkst du, dass es trotz einer ständig wachsenden Vielfalt im Metal trotzdem immer eine Basis an Bands da sein wird, die wirklich wichtig sind?

Peter: Ich denke, dass jeder rumprobiert und versucht, seinen Stil zu finden. Und das tut er, indem er das mischt und weiter treibt, was ihm gefällt. Bei mir mit HYPOCRISY waren es zum Beispiel MORBID ANGEL und DOOM, welche Ausschlag gebend dafür waren, HYPOCRISY zu starten. Aber sowas ergibt sich immer mit der Zeit. Als Band entwickelt man einfach seinen eigenen Sound.

Spielen Kollaborationen da eine Rolle?

Peter: Nur bedingt. Das hängt einfach von den Bands ab und ihren Ideen. Wenn sie so und so klingen wollen und das an der Stelle dafür brauchen, ok. Menschen wollen sich ja auch weiterentwickeln und nicht auf einer Stelle stehen bleiben.

Es muss ja nicht heißen, dass die Institution Band an Bedeutung verliert und es quasi eher einfach einen Pool an Musikern gibt, die sich für Projekte zusammen finden.

Peter: Nun ja, manche Bands wollen auch nicht viel an ihrem Sound verändern, und auf dem 10. Album genauso klingen wie auf dem ersten. Und andere flechten immer mal wieder neue Einflüsse in ihre Musik ein. Das gibt es beides und hängt von der Band ab. Und das ist ja auch in Ordnung.

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