GWLT im Interview

GWLT im Interview, September 2014

Eine Band aus München macht mächtig Dampf: GWLT. Mit ihrer EP-Trilogie wühlen die Musiker nicht nur die musikalische Szene auf, sondern setzen auch lyrisch klare Statements. Sänger David hat zu vielen brisanten Themen eine deutliche Einstellung, von der er im Interview mit DEARLY DEMENTED berichtet.

Was macht die Band GWLT aus? Was hebt euch von anderen Bands ab?

David: Auf den Punkt gebracht sind es wir. Unsere Herangehensweise in der Form wie es nur reife Wut und gewachsener Unmut vermag eine Band entstehen zu lassen. Wir haben uns nicht gesucht und doch gefunden. Wir haben nicht unbedingt eine Band gebraucht, um unser Musikerego zu befrieden. Wir hatten lustiger Weise Bock auf genau die gleiche Sache: Harte Mucke und gute Texte. Da ich aus der Rap Ecke komme, sind die Texte und Strophen von der Rhythmik eher rap-lastig. Sozialisiert von Metal, Hardcore und Punk, kann ich aber nun zum ersten mal probieren, ein bisschen aggressiver zu performen.

Zum Abheben kann ich jetzt nicht so viel sagen, außer dass wir tatsächlich besser sind als viele Andere und schlechter als ein paar Wenige.

Wie fasst ihre eure eigene Geschichte von Bandgründung bis Ohne Anfang Ohne Ende – Zirkel zusammen?

David: Chris und ich haben diese Idee, so etwas zu machen, schon länger mit uns getragen. Also seine Hardcore-Welt mit meiner Rap-Welt zu kombinieren. Das Damoklesschwert von schlechtem Crossover immer über uns. So haben wir eigentlich bis dahin nie wirklich etwas gemacht, bis sich mit dem Aus von BLACKOUT ARGUMENT und ein paar anderen Zufällen ein Zeitfenster ergeben hat, in dem wir ohne Plan einfach mit der Idee herumgespielt haben. Ein Riff gefolgt von einer Strophe und so weiter, bis hin zu den ersten Demos. Das Prinzip ohne Anfang ist bei uns Programm weil niemand einen Anfangspunkt setzen kann.

Und ein Ende gibt’s auch nicht, wo es keinen Anfang gibt.

Wofür stehen die Titel der EPs und worum geht es lyrisch im allgemeinen?

David: Der Titel der zweiten Platte “Psychogenese in Zeiten der Apokalypse” ist so zu verstehen, dass wir ein Bild zeichnen von der psychischen Entwicklung von Menschen in verschiedensten Drucksituationen.

“Alles muss brennen” ist ein Wunsch, den so mancher Mensch mit Depressionen hat. Es ist nicht destruktiv gemeint, sondern einfach der Wunsch nach einem Neuanfang. Tabula Rasa der Psyche. Gleichzeitig soll es aber auch den Frust zeigen, der uns bei der Betrachtung der modernen Welt befällt. Würde alles niedergerissen, neu aufgebaut und wieder eingerissen bedeutet dies Entwicklung. “Alles muss brennen” ist der Wunsch nach einer beginnenden unbedingten Entwicklung.

“Frontex” hingegen beleuchtet den Weg eines Flüchtlings und die Naivität von Nationalisten, die meinen, sie hätten das Land eigenhändig aufgebaut und jeder Fremde solle doch bleiben, wo er ist oder dahin zurückkehren. Davon müssen wir uns wegentwickeln. Aber zur Entwicklung braucht es immer auch eine Einsicht. Ich verstehe, wenn Leute sagen “Ey uns geht’s hier so gut, ich hab Angst, wenn da welche kommen und uns das wegnehmen”. Verständnis heißt aber in diesem Falle nicht, dass ich es gut finde oder unterstütze. Aber ich bekämpfe diese Haltung indem ich sage: “Du musst einsehen, dass es dir deshalb so gut hier geht, weil an anderer Stelle Menschen leiden. Dein Luxus ist auf einem Haufen Leid erschaffen. Du hast dieses Land genauso wenig aufgebaut, wie du etwas dafür getan hast, dass du hier geboren bist. Du hattest Glück. Jemand der in das Leid hineingeboren wird, dass dir günstiges Koltan ins Smartphone bringt, hat auch nichts dafür getan, dass er dort geboren wird; er hatte Pech. Deshalb hat jeder das Recht an unserem Glück Teil zu haben. Selbst wenn es unsere Bequemlichkeit schmälert oder uns anders tangiert. Wir dürfen nie vergessen, dass wir Nutznießer dieser momentanen Weltordnung sind und dass sie nicht in Stein gemeißelt ist. In diesem Sinne: Kein Mensch ist illegal und kein Weg ist verboten. Der Mensch wandert seit seinem Bestehen durch die Welt auf der Suche nach einem bessern Platz. So wird es immer sein, denn alles verändert sich und was heute gut ist, kann morgen schon schlecht sein. Vielleicht wandern in fünfzig Jahren die europäischen Völker nach Norden und flüchten dorthin weil Afrika seine Rohstoffe behält, Ausfuhrzölle erhebt, die Korruption besiegt und zusammen mit Asien und Südamerika den Welthandel dominiert.”

Wie würdest du eure Musik beschreiben? Diese ist ja auf der ersten und zweiten EP unterschiedlich…

David: Puh ja, mhh, ist sie echt so unterschiedlich?

Ja, absolut, David!

David: Die erste EP war so ein wenig Hardcore inspiriert, wohingegen die zweite wuchtiger und Beat-lastiger ist.

Dort zeigst du deine Rap-Wurzeln!

David: Genau. Wobei ein junger Rap-Hörer sagen würde, “was bitte hat das mit Rap zu tun?” Die kommende dritte EP wird nochmal ein anderes musikalisches Genre beleuchten. Das Ganze aber immer in Nuancen, wie ich finde. Also, es ist halt immer GWLT, aber eben mit einem Touch von Hardcore oder eben Rap.

Wie läuft bei euch das Songwriting ab?

David: Wild. Da gibt’s keine festen Schemata. Meistens hat Chris eine Skizze, die ich dann beschreibe und mit Text befülle. Manchmal nehm ich nur ein Sample von Chris seiner Idee und schnibbel das um. Alle seine Idee sind aber total verrückt zusammengeschustert. Mal schreib ich was, mal schreibt der Flo, der Fabi oder der Michi. Es gibt kein Rezept… und das ist das beste Rezept.

Im Oktober erscheint dann “Wir Sind Keine Helden”. Was darf man von dieser EP erwarten?

David: Gerade hat unser wunderbarer Kalashnikokus das Cover fertig gemacht und jetzt geht’s dann bald los. Musikalisch kommt hier eher eine Rock-Nuance zum Tragen…. interessant ausgedrückt, wenn eine Nuance als ein tragendes Element bezeichnet wird, aber lasst euch da mal überraschen.

Deine letzten Worte, deine Botschaft an die Welt…

David: Trainiert BJJ! Alle!

Danke, David, für das Gespräch über GWLT!