ELUVEITIE im Interview

Nicht links und nicht rechts schauen: ELUVEITIE

Nicht links, nicht rechts kucken

Nach ihrem Konzert auf der Hauptbühne des Wacken Open Airs erzählte und Frontmann Chrigel Glanzmann, wie schwer die Phase ist, durch die seine Band gerade geht – und wie die Fans darauf reagieren.

Seid ihr zufrieden mit dem Auftritt heute?


Chrigel: Ja, schon. Es war schön, mal wieder hier zu spielen.

Das Wacken Open Air ist wahrscheinlich schon ein bekannter Ort für euch, oder? Sind so Festivals wichtig für euch, oder haben eine andere Bedeutung als Konzerte in kleineren Rahmen?


Chrigel: Ja, also ich finde es eigentlich falsch, das so zu bewerten. Ein Konzert ist ein Konzert und es ist und scheißegal, ob das vor 800.000 Leuten ist oder vor zehn Leuten. Weil, jeder, der auf dein Konzert kommt, der kommt, um deine Musik zu hören. Und jeder davon verdient, dass du ihm das bestmögliche Konzert ever spielst. Daher ist quasi jedes Konzert wichtig für dich (als Musiker). Ich persönlich mag’s lieber, auf großen Festivals zu spielen, primär einfach deshalb, weil ich mehr Platz auf der Bühne habe.

Bei Hallenkonzerten ist man ja einfach etwas näher dran an dem Punlikum. Oder macht das keinen gefühlten Unterschied?

Chrigel: Also ich finde, man kann zu einem Publikum auch einen Draht aufbauen, wenn es zwanzig Meter weit weg ist. Das liegt aber auch bei jedem selber, finde ich.

Gibt es für euch bestimmte Lieblingsorte, ab denen ihr gerne spielt? Vielleicht auch länderabhängig?

Chrigel: Puh, schwierig. Ich spiele in Europa gerne. Eigentlich spiele ich überall gerne. Ich spiele gerne in Moskau, das ist immer super. In den USA gibt es auch ein paar Städte, in denen es immer cool ist. Aber grundsätzlich ist es für uns so, dass wir unsere Musik lieben und das, was wir machen, und solange wir unsere Instrumente in den Händen halten, solange ist das Leben gut. Wir freuen uns wirklich, das klingt jetzt ein bisschen kitschig, aber das meine ich wirklich aus vollem Herzen, wir freuen uns wirklich auf jede einzelne Show, egal wo, egal wann, es ist immer schön. Es spielt dann auch garnicht so eine Rolle, wo die gerade ist.

Was für ein Scheiß, das geht gar nicht!

Merkt man auch so an den Leuten in den verschiedenen Ländern, dass die das mitverfolgen, was die Band macht? Auch gerade hinsichtlich Verärnderungen in der Besetzungen etc.?

Chrigel: Ja, also ehrlich gesagt, waren wir total überrascht. Wir haben ja einen ziemlich großen Wechsel gerade gehabt vor ein paar Monaten, und wir haben auch erwartet, und hätten auch volles Verständnis gehabt, wenn die Fans wirklich sagen, “was ist das denn für ein Scheiß”, und “das geht gar nicht”. Aber die Reaktion war echt der Hammer. Unsere Fans waren so supportive und verständnisvoll. Es hat wirklich kaum einer gesagt, “das finde ich jetzt scheiße, ich höre jetzt die Band nicht mehr” oder sowas, sondern da war viel Verständnis. Die meisten haben gesagt, “Ja, wir verstehen das, sowas gibt’s halt, wir wünschen beiden alles Gute” und “wir stehen bei euch”. Das war echt der Hammer.

Das zeichnet die Fans aus!

Chrigel: Klar. Wir haben super Fans.

Auf jeden Fall. Ich habe unter einem eurer Videos ein Kommentar gesehen, in dem gesagt wurde, dass ELUVEITIE zeigen, dass man Metal quasi mit allen Instrumenten spielen kann. Was denkst du dazu?

Chrigel: Ich habe mir das jetzt so noch nie überlegt, ehrlich gesagt. Aber ich glaube ich glaube ja, mit kann mit ziemlich jedem Instrument Metal spielen, ja.

Spielt Experimentierfreude für euch da dann eine große Rolle? Oder gibt es schon wirklich so ein festes Setting, nach dem ihr euch auch definiert und auf das ihr euch festlegt?

Chrigel:  Ja, wir experimentieren schon, aber in einem abgesteckten Rahmen. Zum Beispiel, welche Instrumente wir haben, das ist klar definiert. Und das gibt dann auch die musikalische Tradition vor. Wir verwenden das Gällische, wir sind eine traditionelle Death Metal-Band, wir sind aber gleichzeitig auch eine traditionelle keltische Folk-Band. Wir spielen mit Instrumenten, die im Metal typisch sind als auch mit Instrumenten, die typisch sind in der keltischen Tradition, wie der Drehleier zum Beispiel. Jetzt zu sagen “Jetzt nehmen wir noch eine Trompete”, das werden wir nicht machen.

IN EXTREMO wurde zum Teil ja vorgeworfen, sich von ihren Wurzeln ein bisschen zu entfernen und musikalisch neues zu wagen, obwohl die Instrumente ja die gleichen geblieben sind.

Chrigel: Ist das so? Das wusste ich gar nicht. Ich kenne die Jungs ganz gut, das sind gute Freunde von mir. Ich habe nicht das Gefühl, dass das so ist. Und wenn ich einer Band Authentiziät bescheinigen würde, dann ist es IN EXTREMO.

So wie wir es geil finden

Spielt die momentane Ausweitung des Genres Metal eine Rolle für euch? Es gibt momentan eine gewisse Retrowelle und gleichzeitig auch viel neues im Corebereich. Nimmt man das so wahr? Auch, in dieser Masse unterzugehen?


Chrigel: Ganz ehrlich gesagt, ich mache mir zu solchen Fragen zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Gedanken. Wirklich nicht. Wir machen wirklich ausschließlich das, worauf wir Bock haben. Wir machen unsere Musik so, wie wir sie geil finden, und wir schauen auch nicht groß nach rechts und links, wie ich vielleicht zu meiner Schande gestehen muss. Es hat auch keiner von uns große eine Ahnung, was wirklich gerade aktuell ist oder so. Wir leben vielleicht alle ein bisschen hinterm Mond (lacht), aber es ist uns auch wurscht. Wir sind Musiker und wir wollen das machen, worauf wir Bock haben, und das machen wir. Und wenn es eine Menge Leute gibt, die das cool finden und das gerne hören, dann freut uns das und wir sind dankbar dafür. Und wenn das nicht so ist, dann ist das so und ist ok. Dann machen wir trotzdem noch, worauf wir stehen. Das macht ja keinen Sinn sonst.

Trifft das auch auf eure Einflüsse und musikalischen Inspirationen zu?

Chrigel: Ja, also vor allem schon alter Death Metal und traditionelle keltische Volksmusik. Es ist halt relativ limitiert, verglichen mit anderen. Aber ich kriege das schon ab und zu gesagt, dass wir da was geschaffen hätten. Ob das so ist oder nicht, das weiss ich nicht. Das spielt auch eigentlich keine Rolle. Wir spielen einfach unsere Musik und es ist schön, wenn man das mit anderen teilen kann. Ich sage, solange die Menschen musizieren, ist gut. Und wer da jetzt was gegründet hat und wer wen wie beeinflusst, ist doch ziemlich egal. Solange es Menschen gibt, wird es auch Musik geben, und das ist gut. In was für einer Art und Weise und was für einer Form, das wird sich immer verändern. Aber nichtsdesdotrotz wird es ein menschliches Bedürfnis geben, sich musikalisch auszudrücken. Und egal, in was für einer Form, es wird immer gut sein.

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