BEACH SLANG im Interview

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Pastellpinkes Weltraum-Mauerblümchen

BEACH SLANG sind spätestens seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums “The Things We Do To Find People Who Feel Like Us” in aller Munde. Nun steht schon der Nachfolger “A Loud Bash of Teenage Feelings” bereit. Wir haben mit Frontmann James Alex über das neue Album und den Kern von BEACH SLANG gesprochen.

Wenn du mit jemandem in der Band Körper tauschen müsstest, wen würdest du dir aussuchen?

James: Auf keinen Fall Cully, er ist gegen zu viele Sachen allergisch. Wahrscheinlich Ed, unseren Bassisten, er geht immer surfen. Ruben tut immer irgendwas weh. Irgendein Körperteil tut ihm immer weh. Also bleibt mir ja nur noch Ed übrig.

Erinnerst du dich noch, wann du angefangen hast zu schreiben? 

James: Ich habe schon ganz früh angefangen, diese schrecklichen Geschichten für meine Mutter zu schreiben. Es fiel mir nie leicht, Freunde zu finden. Nicht, weil ich nicht gewollt hätte, sondern weil ich so ein introvertiertes Mauerblümchen war. Mehr als alles andere habe ich in meinem Zimmer gesessen und geschrieben. Also, vielleicht mit acht Jahren oder so. Ich fand den Weltraum immer toll, also habe ich über Raketen und Außerirdische und sowas geschrieben. Diese Geschichten waren noch ziemlich dumm und ungeschickt, aber meine Mutter hat mich immer dafür gelobt, und mich ermutigt, weiterzumachen. Darüber bin ich sehr froh. Ich habe mich in meinen Texten so sehr weiterentwickelt. Vielleicht sollte ich eine Ausstellung eröffnen: “James Alex‘ frühe Werke”, mit den ganzen Science-Fiction-Geschichten, die ich damals für meine Mutter geschrieben habe.

In den Songs, die du für BEACH SLANG schreibst, benutzt du häufig die “Du”- beziehungsweise “Wir“-Perspektive. Das finde ich ziemlich mutig. Wieso hast du dich dazu entschieden?

James: Ich treffe so bewusst gar nicht viele Entscheidungen. Ich warte einfach ab, wie es von alleine kommt. Wenn ich für BEACH SLANG schreibe, oder auch das, was ich abseits von BEACH SLANG im Moment schreibe, ist es einfach nie wirklich über oder für mich. All die Leute, die ich getroffen habe, deren Geschichten ich jetzt kenne, spielen da mit rein. Es gibt einfach kein Ego in meinen Texten. Ich fertige diese Texte nicht absichtlich auf diese Art und Weise, sie kommen einfach so aus mir heraus.

Wenn du einen BEACH SLANG-Song nennen müsstest, der den Kern der Band und ihres Daseins am besten beschreibt, welcher wäre es?

James: Das ist so eine schwierige Frage! Alles, was ich schreibe – jede einzelne Silbe davon – ist mir so wichtig. Vielleicht verändere ich jetzt damit deine Frage etwas, aber das erste Mal, dass ich etwas geschrieben habe, das all das repräsentiert, was ich jetzt bin, und wie ich dahin gekommen bin; etwas, bei dem ich mir dachte, “Wow, ich habe mich gegenüber all diesen Fremden komplett geöffnet!”, und wirklich etwas Mutiges getan habe, das war, als ich “Dirty Cigarettes” schrieb. Das war der persönlichste Song, den ich bis dahin geschrieben hatte. Da merkte ich, dass ich über sehr persönliche Sachen schreiben kann, und es trotzdem nicht nach selbstgefälligem Müll klingt. Ich war mir nicht sicher, ob ich das konnte, man will sich ja immer ein bisschen selbst schützen.

Abgesehen von dir, welche Person könnte am ehesten einen BEACH SLANG-Song schreiben?

James: Da würde ich sofort Charles Bukowski sagen. Wenn auch nur, um zu wissen, dass er es versucht hat. In einer perfekten, verrückten Welt wäre das ein ziemlich gutes Experiment.

Lass uns ein bisschen über euer nächstes Album, “A Loud Bash of Teenage Feelings”, sprechen. Worauf freust du dich dabei am meisten?

James: Ich finde die neue Perspektive, aus der ich geschrieben habe, sehr cool. Auf dem letzten Album waren fast alle Songs wie zweiminütige Romane über mich und meine Freunde, und was wir erlebt haben. Auf diesem Album habe ich jetzt aus der Sicht der Leute geschrieben, die ich seitdem getroffen habe. Ich sehe mich selbst zwar in ihnen, habe aber ihre Geschichten in den Vordergrund gerückt. Das ist unser zweites Album, und häufig geht es nach dem ersten nur noch bergab, aber ich hoffe, dass wir es geschafft haben, dem nicht zum Opfer zu fallen. Ich bin wirklich, wirklich stolz auf das Album, und kann es nicht abwarten, die neuen Songs auch endlich live zu spielen und das, was wir machen, neu zu beleben. Worüber lachst du?

Gar nichts, ich weiß nur, wie gut das Album ist.

James: Oh, ja, stimmt. Du bist eine der wenigen, die es schon gehört hat. Und die anderen haben gefragt, woher du es hast, und ich meinte, keine Ahnung, als ich sie [bei der Show in Bremen] gefragt habe, hat sie mich nur verlegen angegrinst, und hat es mir nicht erzählt.

Hab ich wohl.

James: Oh, hast du?

Charlie, die Mercherin, hat das gesamte Interview mitverfolgt und schaltet sich ein.

Charlie: Du warst nur zu betrunken, dich daran zu erinnern.

James: Das war eine verrückte Nacht in Bremen, hat echt Spaß gemacht!

Charlie: Je betrunkener ihr seid, desto besser die Nacht. Oder, je besser die Nacht, desto betrunkener werdet ihr. So rum macht es mehr Sinn.

James: Ja, weißt du, ich feiere einfach gerne.

Gab es irgendwas am Album, bei dem du gezögert hast?

James: Es ging alles ziemlich glatt, eigentlich. Der letzte Song auf dem Album, “Warpaint” ist ziemlich persönlich. Da war ich auch nicht wirklich zögerlich, ich wollte nur vorher mit der Freundin, von der er handelt, klären, ob es für sie okay ist, dass er auf dem Album ist. Es war das heftigste Thema, über das ich geschrieben habe, und da der Song nicht direkt von mir handelt, wollte ich nur sichergehen, dass ich ihren Segen habe. Sie hat vor Freude geweint. Ich habe den Song zum ersten Mal in einem Wohnzimmer in Chicago vor Leuten gespielt, nach unserer Show dort im April. Sie war da, und sie weinte, und lächelte, und umarmte mich. Das war wirklich schön, und da wusste ich, dass ich das Richtige getan habe.

Ist “Warpaint” also dein Lieblingssong auf dem neuen Album?

James: Nein, es ist echt schwierig, einen Favoriten zu benennen. Ich weiß, dass unsere zweite Single “Atom Bomb” sein wird. Aber, weißt du, “Future Mixtape For The Art Kids” habe ich als ersten Song auf das Album getan, weil da viele meiner Lieblingsmomente drin sind. Es ist, als ob ich ein Megafon nehme, und verkünde, dass wir jetzt Spaß haben werden. Der Song ist wie ein Schlachtruf. Und meine vielleicht liebste Zeile auf dem Album ist in dem Song: “You might be cracked, but I won’t let you break.” Wenn ich über das Album nachdenke, komme ich als Erstes auf diese Zeile zurück. Das ist, glaube ich, sehr aufschlussreich.

Im Juli habt ihr in Australien gespielt. Gibt es jetzt noch einen Ort, wo ihr noch nicht getourt seid, aber gerne mal hin würdet, oder seid ihr nach Australien wunschlos glücklich?

James: Australien war gigantisch. Wir sind so ausgeflippt, als das geklappt hat. Aber wir würden auch echt gerne nach Japan. Und Irland. Da spielen wir wahrscheinlich im November einige Shows, also habe ich das schon mit Bleistift von meiner Bucketlist abgehakt. Ich liege unserem Tourbucher immer noch in den Ohren mit Japan, ich würde da so gerne mal spielen und in die Kultur eintauchen.

BEACH SLANG wurde schon mit THE REPLACEMENTS, den GOO GOO DOLLS und noch vielen anderen Bands verglichen. Was hättest du gerne, dass die Leute über BEACH SLANG sagen, was sie nicht sagen?

James: Ich weiß es wirklich nicht. Es wurden schon so viele nette Dinge über uns gesagt. Immer, wenn ich etwas Gutes über uns lese, fühlt es sich an, als wären das gar nicht wir, über die da geschrieben wird. Es gibt nichts, was mir im Kopf herumspukt, wo ich denke, “ich wünschte, jemand würde das sagen!”. Es wird wahrscheinlich irgendwann passieren, und dann fällt der Groschen und ich werde wissen, das ist das, was ich dir hätte sagen sollen. Aber im Moment fällt mir nichts ein. Ich bin äußerst zufrieden mit dem, was über uns gesagt wird.

Noch eine Spaßfrage zum Schluss: Wenn du eine Farbe wärst, welche wärst du?

James: Blau, weil ich die ganze Zeit traurig bin. Nein, ich mache nur Spaß. Ich würde wollen, dass es etwas Fröhliches ist. Vielleicht ein pastelliges Pink. Das ist sehr Wes Anderson, und ruft fröhliche, weiche Gefühle hervor. Und daraus bestehe ich so ziemlich.

Kann ich nachvollziehen.

James: Kann ich kurz sagen, dass das ein tolles Interview war? Ich musste so viel nachdenken. Danke, dass du dir so viele Gedanken darüber gemacht hast. Ich fand es schön, dass dieses Interview anders war als die anderen. In letzter Zeit habe ich mir gedacht, ich will nicht bei jedem Interview meine Antworten einfach copy-pasten können. Und dann passiert sowas wie das hier, das hält meinen Verstand fit. Ich habe die ganze Zeit zu Charlie rübergeguckt, sie ist bei allen Interviews dabei, die ich gebe, weil ich mir dachte, “Wow, dieses ist so anders als all die anderen!”

Die Fragen stellte