PARKWAY DRIVE European Tour

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parkway drive

Das Jahr ist erst wenige Tage alt und doch rufen die Metalcore-Giganten PARKWAY DRIVE die Gefolgschaft der harten Klänge bereits zur Tour Of The Year zusammen. Die Konzertreihe zu ihrem gerade erschienenen Album “Ire” lockt mit den ebenso hochkarätigen Supportacts THY ART IS MURDER und ARCHITECTS. Wir waren für euch beim europäischen Tourauftakt in Würzburg vor Ort und haben gehört und geschaut, ob man für das 40-Euro -Ticket schon die Tour des Jahres geboten bekommt.

Aus dem Auto raus in die klirrende, bayerische Kälte, durch die Security und rein in die wohlig vorgewärmte Posthalle direkt am Hauptbahnhof in Würzburg. Die Stimmung der Fans ist sehr gut, was wohl an der Vorfreude auf die nächsten vier Stunden liegen dürfte. Pünktlich startet das Line-Up mit den australischen Deathcore-Boliden THY ART IS MURDER. Während dem Intro ihres ersten Songs “Absolute Genocide” erwarten alle gespannt, wie sich die Band ohne ihren Sänger CJ so schlägt. Dieser hatte die Band vor kurzem wegen Geldsorgen verlassen. Eingesprungen für ihn ist übergangsweise der MOLOTOV SOLUTION-Frontmann Nick Arthur. Dieser liefert einen überraschend guten Einstand als Frontmann, auch wenn er in puncto Tonumfang und Bühnenpräsenz nicht an CJ heranreicht. Ihm ist ebenso eine leichte Unsicherheit anzumerken, was ihm aber vor einem Publikum von weit über 2000 Menschen in einer fremden Band auf keinen Fall zu verübeln ist. Der Rest der Band liefert eine sehr gute und eingespielte Performance ab. Das Publikum bedankt sich mit gutem Feedback für Hits wie “The Purest Strain Of Hate”, “Reign Of Darkness” und zum Schluss “Holy War”. Was das Publikum an Bewegung vorgibt, kann die Band leider nicht ganz zurückgeben. Die Performance auf der Bühne ist etwas verhalten. Dafür konzentrieren sich die fünf Musiker lieber darauf, ihre anspruchsvolle instrumentale Darbietung perfekt durch die Lautsprecher zu bringen – was auch gelingt. Lediglich der Sound ist zu undifferenziert; das Schlagzeug viel zu laut, die Gitarren zu weit im Hintergrund und im Gesamtpaket zu leise abgemischt.

Nach einer kurzweiligen, professionellen Umbaupause geben sich ARCHITECTS aus dem englischen Brighton die Ehre. ARCHITECTS sind ein Garant für überzeugenden Live-Sound, packende Bühnenpräsenz und perfektes technisches Zusammenspiel. Diese Erwartung erfüllen die fünf Jungs ohne Schwierigkeiten. Der Sound schallt, im Gegensatz zu ihren Vorgängern, deutlich druckvoller und differenzierter durch die Anlage. Die Bühnenpräsenz des Frontmanns Sam ist hervorragend und schlägt eins zu eins auf das Publikum über. Bei Songs wie “Gravedigger”, “C.A.N.C.E.R.” oder “These Colours Don’t Run” bebt die Halle und nur wenige schaffen es, mit verschränkten Armen, kopfnickend dazustehen. Auch auf der Bühne glänzen die Musiker mit coolen Moves und einem emotional geladenen Set und ziehen nahezu jeden Zuschauer in ihren Bann. Für mich sind ARCHITECS noch immer eine der besten Live-Bands im Genre, deren Karriere in den letzten zwei Jahren steil bergauf ging. Wieder einmal beweisen sie, dass sie sich den Platz in diesem Line-Up mehr als verdient haben. Nach gut 40 Minuten Spielzeit hinterlassen die Engländer ein perfekt aufgewärmtes und glückliches Publikum in Erwartung auf den Headliner.

PARKWAY DRIVE! Eine elektrisierende, kitzelnde Stimmung liegt in der Luft, als ARCHITECTS nach ihrem letzten Song Platz auf der Bühne schaffen. Statt einer Lichtung im Publikum wird es schon früh in der Umbaupause deutlich enger im Saal. Ein kurzer Blick aufs Smartphone um die Uhrzeit zu checken – als ich wieder zur Bühne aufsehe, sehe ich…nichts mehr! Die gesamte Bühne ist durch einen riesigen Vorhang mit der Aufschrift “Ire” verdeckt; was sich dahinter abspielt, bleibt im Verborgenen. Die typische Umbaupausenmusik wird plötzlich ohrenbetäubend laut und bringt das Publikum mit einer Hitparade aus Songs wie “Down Under”, “Final Countdown” oder “Bohemian Rhapsody” zum Mitgröhlen. Das klingt ganz nach einer Idee der sympathischen Jungs von PARKWAY DRIVE selbst. Als sich das Licht dimmt, sind bereits die ersten Töne des Intros von “Destroyer” zu hören. Auf dem Vorhang zeichnen sich die Silhouetten der Musiker ab und das Schlagzeig begleitet in stampfendem Takt die “Destroy!”-Rufe des Publikums. Mit einem Knall steigt die Band in den Song ein, der Vorhang fällt und Konfetti wird in die Luft geschossen. Sänger Winston ist sofort omnipräsent und beim Publikum brechen alle Dämme. Bis weit hinter das Mischpult, in der Mitte der Halle, ist kein normales Stehen mehr möglich. Eskalation ist angesagt. Diese Beschreibung ist nur bezeichnend für das, was sich während den 15 Songs des Sets – inklusive einer Zugabe – abspielt. Zwischen den zahlreichen Pyroeffekten, unter anderem Feuerbälle und Wasserfälle aus Funken, bieten PARKWAY DRIVE auch musikalisch ein Konzert auf dem Niveau von absoluten Weltstars. “Befinde ich mich hier wirklich auf einem Metalcore-Konzert”, habe ich mich zwischenzeitlich kurz gefragt. Alles ist wie aus einem Guss; die Instrumente beweisen ein absolut perfektes Zusammenspiel und die Bühnenshow ist bis zur letzten Sekunde durchdacht, ohne aufgesetzt zu wirken. Der Sound ist der mit Abstand beste und brachialste, den ich je live erleben durfte. Auch eine Live-Premiere wird gefeiert: Mit “Dedicated” findet die Wucht des Sounds, die Pyrotechnik und die Ausgelassenheit des Publikums in der Mitte des Sets ihren absoluten Höhepunkt. Generell werden durchgehend – passend zum Album “Ire” (“Zorn”) – nur die harten Songs von fast allen Platten gespielt. Die Publikumslieblinge ”Wild Eyes” und “Idols And Anchors” dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Aber auch PARKWAY DRIVE spielen auf der Tour, wie THY ART IS MURDER, leider nicht mit ihrer Stammbesetzung. Ihr Bassist Jia Pie musste aufgrund von unvorhergesehenen persönlichen Gründen zuhause bleiben, wie die Band in einem Statement auf ihrem Instagram-Account verlauten lässt. Würdig ersetzt wird er durch Marshy, dem Gitarristen von THY ART IS MURDER. Pie soll aber angeblich bald wieder zur Band stoßen.

Man steht wohl noch einige Zeit unter dem Eindruck dieses Abends und wird sich bewusst, dass der Titel Tour Of The Year jetzt schon einen der heißesten Anwärter hat. Doch noch hat das musikalische Jahr nicht richtig Angefangen und DEARLY DEMENTED hält euch auch in 2016 über die wichtigsten Konzerte auf dem Laufenden!