NARIN – Drastic

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Als die ersten Sekunden von NARINS EP “Drastic” durch meine Boxen dröhnen, fühlt sich das an wie ein Flashback. Genau das selbe Gefühl überkam mich vor ganz vielen Jahren bei einer ganz bestimmten Band. SLIPKNOT 2.0 – so klingt der erste Song meiner Meinung nach. Der Track groovt so fett, dass ich mich kaum auf meinem Stuhl halten kann.

Wummernde, eingängige Riffs werden durch treibende Drums in meinen Gehörgang gepeitscht. Sänger Jakob deutet hier bereits seine sehr große stimmliche Bandbreite. Grunzen, Kreischen, Singen, Rappen, Flüstern, Knurren – hier ist fast alles am Start, was das menschliche Stimmband so zu bieten hat. Der zweite Track, “My Salvation”, ist ebenfalls ein ziemlicher Knaller, klingt jedoch wesentlich organischer und melodischer. Was mir hier besonders gut gefällt, ist der Kontrast der einzelnen Instrumente zueinander. So ziehen die Drums beispielsweise zu Beginn der Strophe etwas die Handbremse an, während Gitarre, Bass und Gesang weiterhin Vollgas geben. Dies klingt jedoch absolut harmonisch und als ob es selbstverständlich wäre. Ein mitreißender Refrain rundet das tolle Gesamtpaket dieses Songs ab. Der dritte und leider schon letzte Song “Retreat = Regret” wirkt etwas metalcorelastiger als der Rest, was jedoch an dieser Stelle für die nötige Abwechslung sorgt. Der Schlusspunkt dieser EP vereint die Eingängigkeit und Härte des ersten Tracks mit der Melodielastigkeit von “My Salvation”. Einziger Kritikpunkt ist hier der Rap-Part in der Bridge welcher leider sehr aufgesetzt und gewollt daherkommt.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass man diese Band definitiv im Hinterkopf behalten sollte. NARIN erfinden das Rad hier sicherlich nicht neu, aber sie revolutionieren es auf eine gewisse Art und Weise. Dass SLIPKNOT einen der Haupteinflüsse der Münchner darstellt, ist nicht zu überhören, besonders was Schlagzeug- und Rhythmusgitarren-Arrangements angeht. Um dieses Grundgerüst baut die Band jedoch ihren ganz eigenen coolen Sound und begeistert durch Trash-Metal-Soli und variablen Gesang. Leider geht der Bass ziemlich unter, was schade ist. Da wäre mehr drin gewesen.

Wir haben hier also eine Band mit einer soliden musikalischen Grundlage, mit eigenem Kopf und einem Sänger der zwar noch etwas Luft nach oben hat aber grundsätzlich alles kann. Ein Gespür für mitreißende Melodien und Variation beim Songwriting ist ebenfalls zu erkennen. Klasse EP! Im Laufe des Jahres soll das erste Album der noch jungen Band erscheinen. Man darf also gespannt sein.

8 von 10 Punkte auf der “there’s-nothing-more-than-this”-Skala