Napster und die Digitalisierung

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Ab Montag - die Themenwoche "Musik-Konsum im digitalen Zeitalter"!

Selbst habe ich Napster und ihren Dienst gar nicht miterlebt, die Plattform ist für mich also eher ein Phänomen. Ihre weitreichenden Einflüsse sind jedoch heute noch spürbar. Aber fangen wir von vorne an. Das Modell wurde von John Fanning, Shawn Fanning sowie Sean Parker entwickelt. Das Konzept bestand daraus, eine unabhängige Tauschbörse für MP3-Files anzubieten. Im Juni 1999 ging die Plattform online und war bis Juli 2001 den Benutzer frei zugänglich. Die Software suchte auf dem Rechner nach MP3-Dateien und meldete diese dem Server. Songs konnten dann einfach per Peer-to-Peer oder kurz P2P getauscht werden.

Auch wenn Napster nicht die Ersten mit der File-Sharing-Idee waren, so haben sie dieses Konzept am stärksten vorangetrieben. Weitere Dienste waren zum Beispiel Usenet oder IRC. Napster spezialisierte sich im Gegenteil zur Konkurrenz auf MP3-Formate und konnte die Kundschaft durch ein freundliches Interface von sich überzeugen.

Gründe für die Nutzung von Napster war das Angebot von Songs, die teilweise noch vor Release dort zu finden waren. Einige User sahen den Download von Songs als willkommene Ergänzung zu ihren Schallplattenkäufen. Andere luden die Lieder bewusst illegal herunter und stellten ihre sonstigen Musik-Käufe in Form von CDs und LPs ein. So oder so – alle erfreuten sich mit Sicherheit an der großen Auswahl an kostenloser Musik. In seiner Blützezeit zählte Napster rund achzig Millionen User auf der ganzen Welt. Alleine im Januar 2001, dem Höhepunkt von Napster, wurden zwei Milliarden Dateien getauscht.

Kostenlose Musik? Teilweise noch vor Release? Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Und genauso war es dann auch: METALLICA verklagten Napster im Jahr 2000, da ihr zu diesem Zeitpunkt unveröffentlichte Song I Disappear und ihr gesamter Musikkatalog auf der Plattform angeboten wurde. Rapper DR. DRE klagte gemeinsam mit der Metal-Band gegen Napster, da diese seine Musik auf Nachfrage nicht von der Plattform nahm.

Neben den Bands zog auch das Label A&M Records und andere Unternehmen vor Gericht, um Schritte gegen die Online-Community einzuleiten. Sie sahen die Copyrights der Künstler verletzt. Napster verlor das Gerichtsverfahren gegen A&M Records, da die Plattform der Auflage, Filter in ihr System einzubauen, nicht nachkam. Beziehungsweise konnten diese von den Nutzer mit simplen Tricks umgangen werden. Napster wurde daher im Juli 2001 gezwungen, ihre Plattform offline zu nehmen. Die Firma erklärte sich bereit einen Beitrag von sechsundzwanzig Millionen US-Dollar für die illegale Musiknutzung zu zahlen. Um den Betrag aufzubringen, wurde aus der kostenfreien Plattform ein Service mit Abonnement. Im Jahr 2002 meldete Napster Insolvenz an und verkaufte Teile der Firma an Dritte weiter.

Die Verfahren bedeuteten den ersten großen Schlag gegen illegales Filesharing, das aber niemals gänzlich unterbunden werden konnte. Napster revolutionierte das Musik-Business nicht nur in Sachen Downloads, sondern lenkte den Fokus von ganzen Alben auf einzelne Songs. Die Idee hinter Napster schlug eine wie eine Bombe und traf vor allem die Big Player, die sich und ihre Macht angegriffen sahen. Die Digitalisierung und Verbreitung der Daten, in diesem Fall MP3s, war neu für das zwanzigste beziehungsweise einundzwanzigste Jahrhundert. Große Unternehmen reagieren träger auf Veränderungen, zudem erkannten sie zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeiten, die sich nun boten, nicht.

Die Idee von digitaler Musik wurde offensichtlich gerne von Musikenthusiasten angenommen – das zeigt der Erfolg von Napster. Die Offensive gegen die Filesharing-Plattform hat aber auch negative Folgen, so die Studie “Copyright And Innovation: The Untold Story” von Rechtsprofessor Michael A. Carrier. Dieser ist davon überzeugt, dass ein Dialog zwischen Napster, Rechtsinhabern sowie den Plattenfirmen möglich gewesen wäre. Plattformen, die sich in einer Grauzone oder dem illegalen Gebiet bewegen, konnten weder damals noch heute ausgerottet werden. Die Urteilswelle wirft die gesamte Musikbranche, laut Carrier, um Jahre zurück, da der ganze Sektor auch nach Napster nicht auf Downloads, sondern weiterhin auf physische Tonträgerformate setzte.

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