Musikmesse 2016

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Vier Tage, Musik, tausende Menschen, internationale Musiker. Was ein Festival sein könnte, trifft auch auf die Musikmesse in Frankfurt zu. Und, wie auch bei einem Festival, macht diese Veranstaltung nicht vor ihrem Gelände halt. Sobald man sich in öffentlichen Nachverkehrsmitteln befindet, die in und um Frankfurt herumkreisen, trifft man bereits auf Besucher. Viele Konzerte, die in Verbindung mit der Messe stehen, wurden auf Locations in der gesamten Stadt ausgeweitet. Ab dem 07.04.2016 hat die Messe Frankfurt ihre Anlagen voll aufgedreht und bedient ein breites Spektrum mit allem, was irgendwie mit Musik zu tun hat. Aufgrund der Vielfältigkeit habe ich mir drei Tage Zeit genommen, um nicht im Schweinsgallop durch die Hallen rennen zu müssen.

Tag 1

Gut durch die Kontrolle und den Einlass gekommen. Erstmal ins Presse Center, mal umschauen. Nett hier. Brauntöne sind anscheinend in. Und 1,50 Euro für einen Apfel.

Danach erstmal zum herkömmlichen Bereich der Musikmesse. Auf dem Weg dorthin spielt auf der Center Stage (open air) die Bundeswehr Big Band. Sehr tight. Jazz und Swing gehört ja auch zu meinem Spektrum. Daher ein schöner Einstieg. Auch wenn es, wie es sich sehr bald rausstellt, ein Wink mit dem Zaunpfahl sein sollte. Auf dem Bereich, in dem bisher die Musikmesse stattfand, wurde schnell klar: die vorab angekündigten Neuerungen beinhalteten auch einen Raumtausch mit der parallel stattfindenden Messe Prolight + Sound. Tagesziel heute also: Karten lesen lernen.

Das macht aber nichts. Hier wird nämlich vieles Wichtiges zum Thema Bühnen- und Studiotechnik präsentiert. Und das ist ja ein ebenfalls elementarer Bestandteil jeder Musikrichtung. So werden in Halle drei Bühnenaufbauten, Lösungen für barrierefreie Bühnen und Sichttribühnen und vieles mehr rund um Installationen vorgestellt. In Halle vier erwartet die Besucher dann eine Lichtinstallation nach der nächsten. Wahnsinn, was da alles möglich ist. Fahrbare Singlescheinwerfer ohne Kabel und wasserresistente Scheinwerfer werden hier genauso vorgestellt wie LED-Wände und Touchscreens rund um den Liveauftritt.

Im Geschoss darüber steht alles unter dem Motto Future Of Audio. Studiotechnik goes digital, ob nun Interfaces oder Mischpulte. Ein Thema für sich. Auch Mikrophonierung und Verkabelung sind hier wichtige Thema. In diesem Bereich der Messe gibt es mehr als genug für jeden Licht- und Tontechniker, der sich mit der Arbeit im Studio und der Bühne befasst.

Tag 2

Die nächsten Tage stehen dann aber voll und ganz der Musikmesse zur Verfügung. Ich habe meine Saxophonmundstücke mitgenommen und ordnungsgemäß angemeldet und habe auch die Gitarrenhalle auf dem Plan. Was in der Gebläsehalle auffällt und den Trend der letzten Jahre bestätigt: es wird weniger. Dafür mehr Aussteller aus Fernost. Ich treffe gerade mal noch auf vier der großen Hersteller, von denen mich nur drei wirklich interessieren. Und das, obwohl in den Papieren der Messe steht, um den Instrumentenmarkt sei es gut bestellt.

Die Klavierhalle wirkt im Gegensatz zu den Bläsern sehr gediegen. Hier ist auch ein anderes Publikum unterwegs. Trotzdem hat man wiederholt den Eindruck, dass es hier fast lauter ist als bei den Bläser. Früher herrschte dort immer das Motto schneller, höher, lauter.

Dann aber weiter in Halle elf. Überthema: Rock meets Pop. Instrumental gesprochen: Schlagzeuge und E-Gitarren und E-Bässe. Eingangs verstellt ein monströser Truck den Weg, welcher von den Herstellern ROLAND und BOSS als Austellungsfläche genutzt wird. Auch viele andere Hersteller haben in irgendeiner Form eine kleine Bühne oder Anlage an ihrem Stand, an welcher Musiker stehen und den Besuchern etwas vorklampfen. Zusätzlich kann, in allen Hallen, auch jeder die Instrumente selbst antesten und sich mit den Mitarbeitern austauschen.

Auch wenn ich bei den Gitarren und Schlagzeugen kein Profi bin, bekannte Hersteller wie Jackson oder Sonor sieht man nicht mehr. Stattdessen wurde ein so genanntes Drum Camp eingerichtet, in welchem verschiedene Drumsets angespielt werden können. Des weiteren wurden mehrere Kits bekannter Drummer ausgestellt, welche dank fahrbarem Unterbau schnell in die schalldichte Blood Sweat Tears-Box gefahren werden konnten, um dort dann von Drummern präsentiert zu werden: Mikkey Dee, Mike Terrana, Jost Nickel. An das Drum Camp angeschlossen gab es des weiteren das Drum Camp College. Dort führten einige der Schlagzeuger in kleinem Rahmen in einem Nebenraum Vorträge zu ihren Spielweisen.

In einer eigenen Akustikhalle wurden neben Orchesterinstrumenten und exotischen Instrumenten auch Podiumsdiskussionen zu verschiedenen Themen abgehalten. Für mich noch eine schöne Überraschung, da ich dort bei einem Vortrag einiger Musikethnologen einen ehemaligen Dozenten aus Mainz wieder traf. Musik wird auf dieser Messe eben wirklich aus allen erdenklichen Richtungen her behandelt.

Tag 3

Der Samstag war dann der Kampftag, da dort dann der große Besucheransturm auf die Messe rollte. Das Programm blieb ähnlich, nur mit mehr Ellenbogen. Aber eine gute Gelegenheit, ein wenig die Stimmung aufzufangen. Generell haben die Besucher den Raumtausch gut aufgenommen, auch wenn viele ebenfalls den Schwund und Wandel bei den Ausstellern bemerken und bemängeln. Dadurch ändert sich auch merklich die Stimmung auf der Messe. Ein Stück weit verliert sie auch an Charme, wird sie doch kommerzieller, und ändert den Zugang zu dem Thema. Auch stellt sich die Frage, weshalb auf dem Innenhof teilweise bis zu vier Gruppen gleichzeitig spielen müssen, was letzten Endes nur zu einem Soundbrei führt, da sich alles überlagert.

Es scheint eine Spaltung zu geben. Normale Besucher und Business. Klar, es ist eine Messe. Aber wohin wird sich diese Messe, welche doch bisher einen gesonderten Stellenwert zu haben schien, entwickeln? Das bleibt abzuwarten.