Metal ist bald tot. Ein Porträt

Artikel von
metal-sirbt-aus-marci-wbtbwb-dearly-demented-morten-wenzek

Im Metal geht es um Revolution. Um das Dagegensein. Das zeigt sich in schwarzer Kleidung und dem Zusammenhalt innerhalb der Clique. Das sind seit den ersten Bands 1970 die Grundpfeiler der Subkultur. 46 Jahre später wackelt das Fundament: Die Elite des Genres will sich nicht vom Thron stoßen lassen und schaut verächtlich auf die Kids, die den Metal heute prägen.

Skinny Jeans, Marken Sneaker, Oversized-Pullover. Und viele schiefe Blicke. Marcel Neumann sieht nicht aus wie der typische Metaller und wird deshalb auf dem Neuborn Open Air Festival, auf dem seine Band im August 2015 als direkter Support des Headliners spielt, ausgeschlossen. Hier traf ich den Gitarristen der Band WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER und erlebte die Feindseligkeit ihm gegenüber, wie er selbst sagt.

Ein halbes Jahr später: Marci macht immer noch sein eigenes Ding. Ich treffe ihn zu einem Interview. Er spricht über seine Erfahrungen: “Plötzlich kommt da so eine Band, die Sneaker und Snapbacks statt Kettenhemd trägt: Das ist schon eine andere Welt.” Aber: Ihm ist das egal, er grüße alle Bands mit einem freundlichen Hallo.

Auf Kleiderstil und Optimismus legt Marcel Neumann, genannt Marci, Wert. Und damit eckt er regelmäßig an – als ob true Metalheads nicht auf ihre Optik achten würden und gerne melancholisch wären. Trotzdem seien WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTERs Artworks zu schrill, die Texte zu locker und das Image zu bunt. Das Cover von “Wieder Geil” ziert eine Katze, die Lyrics handeln von Kindermärchen oder Fun: Das Metal-Image ist ruiniert. Alteingesessenen Metalheads ist das zu viel: sie beschnuppern den Gitarristen nicht einmal auf dem Festival. Und das liegt nicht daran, dass hier sowieso alles stinkt.

Marci sieht sich auch als Metaller und vollwertiges Mitglied der Szene. Er ist Berufsmusiker und Produzent. Aber er sagt: “Es ist ein Gefühl, dass wir gar keinen Metal spielen dürfen.” Die etablierten Bands hätten eine Hürde im Kopf und könnten Veränderungen nicht akzeptieren. “Alteingesessene Metaller fühlen sich angegriffen, da ihre Ära vorbei ist”, kritisiert der Gitarrist seine eigene Szene.

Von der Einheit der Musikszene und dem gemeinsamen Auflehnen ist keine Spur mehr. “Die alten Bands haben den musikalischen Wandel mitbekommen”, sagt Marci. Einst waren sie eine Subkultur, heute sind sie nur noch engstirnig und sprechen der neuen Generation kein Recht zu.

Nur schwer gewinnen WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER-Fans des alten Semesters hinzu. Insbesondere die 80er Power-Metaller knirschen mit den Zähnen. “Wir sehen das als Herausforderung”, betont Marci. Challenge accepted: Im März und April war seine Band mit Varg und Eisregen, die zum Establishment gehören, auf Tour. “Wir geben uns doppelt Mühne und brauchen drei Songs zum Überzeugen – und dann läuft das!”

Berührungsängste hat Marci nicht. Im Gegensatz zu den alten Szeneherren: „Wenn die jungen Bands den Metal nicht modernisieren, stirbt unsere Musik aus”. Und wenn die Metal-Gemeinschaft WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER abstößt, hat Marci auch schon einen Plan: “Justin Bieber macht auch gute Musik.”