MARKUS KEIMEL – Eine Art Mosaiksprache

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Etwa ein Jahr nach Wörter haben Seele erscheint nun MARKUS KEIMEL zweites Buch mit Gedichten, Aphorismen und philosophischen Kurztexten: “Eine Art Mosaiksprache”.

Der Titel gibt bereits einen Hinweis darauf, dass vieles bunter und vielfältiger ist, als es noch der Erstling war. Mehr als 100 Texte, vom Einzeiler bis zum zehn-strophigen Gedicht, warten darauf, vom interessierten Leser entdeckt und goutiert zu werden.

Man kennt den Österreicher Markus Keimel vordergründig als Musiker und Mastermind von Bands wie LYDIA’S GEMSTONE und SUMOSTAR. Dort schrieb er Musik, die aus dem Rahmen fällt, sich Genre-Schubladen verschließt. Nicht anders hält er es mit seinen literarischen Werken, enthält “Eine Art Mosaiksprache” ein Kaleidoskop an Ausdrucksformen poetischer und lyrischer Natur.

War “Wörter haben Seele” aufgrund seiner Gliederung nach Kapiteln klar strukturiert, ist E“Eine Art Mosaiksprache” gleichsam ungeordneter, damit aber auch freier, gelöster.

Der Mensch steht im Mittelpunkt all dieser Texte, seine Existenz, sein Verhalten, sein Wesen. MARKUS KEIMEL widmet sich in seinen Werken thematisch dem Leben, den Facetten der Liebe, Sexualtät, Gesellschaft und Natur. Dabei entpuppt er sich als guter Beobachter mit geschärfter Wahrnehmung und als Gedankenspieler, der mit Worten Bilder malt. Manches liebenswert, manches kritisch, manchmal skurril, auch humorig bis gar zynisch, sich aber immer an den Worten ergötzend.

Texte, bei denen man zwar schon allein aufgrund ihrer Kürze geneigt ist, nicht allzu lange zu verweilen, die aber dennoch häufig die emotionale Intelligenz des Lesers ansprechen. Dazu tragen auch die dunkel-romantischen Grafiken bei, alle vom Autor selbst kreiert, die sich über das Buch verteilen, dieses auflockern, illustrieren, aber durchaus für sich alleine stehen könnten und mit ihrer Bildsprache das Buch, die Texte auf eine neue Ebene heben.

Überhaupt ist die Gestaltung des Buches wie auch die Form der Texte erwähnenswert, unterliegt es doch einer ganz eigenen Ästhetik. So sind die Seiten mit hübschen Arabesken hinterlegt, die Grafiken mehrfarbig, collagenhaft, mit hohem Symbolgehalt, Kernsätze oft seitenfüllend, den Leser anspringend, die Aussage einbrennend.

Beeindruckend ist immer wieder der eloquente Umgang mit Worten und deren präziser Gebrauch, der auch bei den Gedichten nie kitschig wird. Gerne bedient sich KEIMEL hier des Wechselreims, aber es geht zwanglos auch ohne. Ein Highlight ist für mich “Großer Sturm in kleinem Glas”, welches sich gekonnt des Stilmittels der Verschränkung der einzelnen Strophen bedient.

“Eine Art Mosaiksprache” ist ein Buch, das man gerne häufiger zur Hand nimmt, welches erst beim Mehrfachlesen seinen ganzen Reichtum offenbart. Ein Buch für alle, die Bücher lieben, so auch die Intention des Autors.