MACHINE HEAD – Unto The Locust

Artikel von
machine head

Nach vier langen Jahren erscheint endlich der Nachfolger von “The Blackening”, ein neues Ungetüm der Metalgötter. “The Blackening” war die Krönung ihres Schaffens und es ist nach wie vor eine Macht. Nicht zu Unrecht wurde es zum Album des Jahrzents gekürt. Umso schwerer hatten die Jungs es nun einen würdigen Nachfolger zu schreiben. “Unto The Locust”  nennt sich die neue Plage, ob es die Hörer wirklich infiziert oder nur warme Luft ist? Lest Weiter…

Bis zur Arbeit am Album, ja gar bis zum Release von “Unto The Locust”, war es allerdings ein steiniger Weg für MACHINE HEAD. Die Mitglieder zogen sich zurück, jeder auf seine Art. Rober Flynn und Phillip Demmel flüchteten sich zu ihren Kindern und Freundin beziehungweise in Demmels Fall zu seiner Frau, die niemand anderes ist als Marta Peterson von Bleeding Through – das aber nur nebenbei. Adam Duce ging seiner Leidenschaft dem Motorradfahren nach; Dave McClain hat keine Hobbys. Er begann schon eine Woche nach Ende der finalen Tour schonwieder mit den Proben.

Nach einiger Zeit fanden sich auch die anderen Bandmitglieder im zugestellten Proberaum ein, nur Robb Flynn, Frontmann der Gruppierung, musste noch überzeugt werden. Als auch dies gelungen war ging es los. Am Samstag, den 16. April 2011 ging es ins JingleTown Studio von GREEN DAY. MACHINE HEAD versuchten die punkige Atmosphäre einzufangen und erweitere das Gesamtbild der Aufnahmeräumlichkeiten um ein paar Poster von Rock und Metal Bands.

Für die Aufnahmen der Drums, kaufte Dave McClaun ein nigelnagelneues Drumkit von Yamaha, dessen Sound um einiges besser war als seine zwei Alten, der selben Marke. Mit frischen positiven Rückenwind ging es nun los – Robb Flynn war erneut Produzent des eigenen Schaffens, obwohl er zunächst aufgrund des enormen Pensums abgeneigt war. Nach Überzeugungsarbeit der drei anderen Mitglieder war er erneut umgestimmt. MACHINE HEAD sind eben immer leidenschaftlich, kreativ und vor allem motivierend. So dient die Band, laut Phil Demmel, eben auch quasi als Therapie für die Mitglieder. Hier können schlechte Gefühle und böse Emotionen in fesselnde Kreativität und pure Leidenschaft umgewandelt werden – so sind wir es von den Vier auch gewöhnt. Für Sänger Robert Flynn geht es in der Musik immer darum, den Moment festzuhalten, sei es Trauen oder Wut, ganz egal.

Das inhaltliche Konzept von “Unto The Locust” handelt ansich von Insekten, Heuschrecken, die häufig in großen Schwärmen ganze Landstrichte verwüsten. Heuschrecken stehen hier metaphorisch für Menschen, die in dein Leben einfallen, dich enttäuschen und ausbeuten – wie eine Heuschreckenplage eben. Beim Aufnahmeprozess des Werkes haben MACHINE HEAD zwei unterschiedliche Gruppierungen als Hilfe oder vielmehr als Unterstützung ins Studio eingeladen. Zum Einen waren dies die Streicherinnen von QUARTET ROUGE, die auch schon GREEN DAY unterstützen. Die Damen wirkten also tatkräftig mit und diese Arbeit funktionierte wohl super – nur ein kleines Problem gab es bei der Zusammenarbeit. Die Streicherinnen sind es gewöhnt jeden Ton auf Notenpapier festzuhalten, MACHINE HEAD hingegen agieren aus dem Bauch heraus, also auch die Größen des Metal improvisieren hier und da! Zum Anderen lud der Frontmann seine und die Kinder von Juan Urtega (Mitarbeit beim Aufnehmen und beim Mixen) ins Studio ein. Diese steuerten den Schulkindergesang auf “Who We Are” bei. Robert Flynn ist sehr froh über diese Mitarbeit und kann sich froh schätzen, denn eben dieser Song ist der einzige MACHINE HEAD Song, der seinen Kindern gefällt.

Und was kann “Unto The Locust” nun? Nunja, es ist definitiv kein “The Blackening” Nummer 2, so viel steht fest. Es ist anders, obwohl es natürlich genauso episch und mächtig ist. Der neue Silberling überzeugt auf jeden Fall, es ist ein Biest von einem Album. Es ist dunkler und unmelodischer, dieser Eindruck entsteht nicht unbedingt auf Grund der Musik, sondern der Klargesang wurde zurückgeschraubt, ein zweites “Halo” sucht man also vergeblich. Vielmehr geht das Album straigt nach vorne voll auf die Zwölf. Songs wie “I Am Hell” oder die Single “Locust” fetzten einfach alles weg, was ihnen in den Weg kommt. Das Album hat nicht so einen Ohrwurmcharakter wie “The Blackening” und dennoch brennen alle Songs sich in deinen Kopf.

Einer von ihnen ist “Darkness Within”, der wohl überraschenste und auch abwechslungsreichste Hit des Neulings. Beginnend mit einem gefühlvollen akustischen Intro entpuppt sich das Lied zu einer Breakdownwalze, die alle Core-Bands in den Schatten stellt. Die Band stellt mit diesem Song die perfekte Symbiose aus emotionalen Passagen und den krafvollsten und epischten Breaks dar, den man sich nur wünschen kann. So mächtige Gitarrenwände und so rasenden Gesang erhofft man sich bei manchen Acts heutzutage. Das kann eben nur MACHINE HEAD. Prost Motherfucker!

MACHINE HEAD sind zurück. Und das mächtiger als eh und jeh. Ein so machtvolles Album gibt es selten zu hören. Wen es nicht schon beim ersten Hören umhaut, den packt es eiskalt beim nächsten Durchlauf. Also CD in den Player, alles auf repeat und voll aufdrehen. Viel Spaß bei “Unto The Locust” – lasst euch infizieren!

8 von 10 Punkte auf der “pray-to-music”-Skala