LIONHEART – Love Don’t Live Here

Artikel von
LPJ1200 PSD

Die Tasten meiner Tastatur werden es mir danken, wenn ich mit dem Schreiben dieses Reviews fertig bin. Während über meine Kopfhörer die nagelneue Platte von LIONHEART läuft, krampfen sich meine Hände immer unwillkürlickjlasdh – sorry – beim Einsetzen des nächsten Breakdowns.

“Love Don’t Live Here” heißt die mittlerweile sechste Scheibe der Hardcore Band aus Oakland, Kalifornien. Die fünfköpfige Band gehört schon seit mehr als einem Jahrzehnt zum Pflichrepertoire in der gestandenen Hardcore-Szene. Nichts für Anspruchsvolle, nichts für Zartbesaitete – LIONHEART eben. Nach dem Durchhören des Albums, welches elf volle Songs umfasst, fühlt man sich, als müsse man sofort ins nächste Fitnessstudio fahren und dem nächstbesten Powerlifter die großen Gewichte streitig machen.

Der erste Track – “Pain” – treibt den Testosteronspiegel direkt in die Höhe und bereitet einen auf das vor, was da kommt. Sänger Rob Watson bellt einem in durchgehend aggressivem Ton die Texte in bester Hip-Hop-Manier ins Gesicht, während der Rest der Band alles daransetzt das Dargebotene möglichst brutal zu untermalen. Wer bei LIONHEART allerdings lyrische Ergüsse erwartet, ist hier absolut an der falschen Stelle. Die Worte “Fuck”, “Motherfucker” und “Bitches” gehören gefühlt zu jedem der Songs, von denen übrigens nur einer die Drei-Minuten-Marke übersteigt. Insgesamt würde “Love Don’t Live Here” eine gute Gangsta-Rap-Platte abgeben, wäre da nicht diese instrumentale Untermalung.

Und genau in diesem Punkt setzt LIONHEART für mich in Sachen Old-School-Hardcore neue Maßstäbe. Der Sound ist eine Wucht! Zwar hört man sofort die klanglichen Parallelen zur Vorgänger-EP “Welcome To The West Coast”, doch haben die Kalifornier nun noch eine Schippe daraufgesetzt. Die Produktion drückt durchgehend nach vorne und bleibt im Klangerlebnis trotzdem Glasklar, was die unglaublich groovigen Riffs noch um ein Vielfaches besser in Szene setzt. Wenn dann einer der vielen Breakdowns einsetzt, schrumpft die Wahrscheinlichkeit sich noch beherrschen zu können. Passend dazu unser Kommentar zum Thema Violent Dancing: Hier klicken, bitte.

Doch hat man “Love Don’t Live Here” leider viel zu schnell totgehört. Die Songs bieten nicht die erhoffte Abwechslung und das Riffing ist sehr einfach gehalten. So gut wie keine Melodien oder Ausbrüche aus dem Schema-F. Die einzelnen Songs sind nur marginal voneinander zu unterscheiden. Hier wünscht man sich nach dem sechsten Album eine klarere Weiterentwicklung, auch wenn viele hartgesottene Fans der Szene froh sind, dass sich ihre Band nicht für kommerzielle Eingängigkeit öffnet. LIONHEART liefern mit “Love Don’t Live Here” dennoch eine Platte ab, die ordentlich knallt und einen stilgerechten Vertreter von modernem Old-School-Hardcore abgibt.

7 von 10 Punkten auf der “I-don’t-give-a-fuck-about-none-of-y’all”-Skala