Die Dearly Demented-Städtereise mit LAST CHANCE TO DIE: Chemnitz

Artikel von
lstd

LAST CHANCE TO DIE kommen aus Chemnitz, der drittgrößten Stadt des Freistaats Sachsen. Bassist Sebastian Grämer ist einer von rund zweihundertvierzigtausend Einwohnern und wird uns über seine Erfahrungen mit der Stadt Chemnitz berichten.

Wie charakterisierst du deine Stadt, Sebastian?

Sebastian: Willkommen in unserer tristen Stadt Chemnitz – dem Tor zum Erzgebirge, wo wir unsere Wurzeln haben. Die Stadt an sich hat nicht viel zu bieten, eher langweiliges Leben in einer Stadt mit zunehmenden Altersdurchschnitt. Die einst sozialistische Vorzeigestadt entwickelt sich so langsam, genau so, wie man das von bestehenden Städten in Deutschland kennt, weiter, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Wie sieht das Stadtbild aus?

Sebastian: Das Stadtbild, nennen wir es mal einen riesigen Betonklotz aus sozialistischen Zeiten, ist zunehmend im Umbau. Es wird versucht, das Stadtbild ansprechender zu gestalten. Gut so! Die Stadt an sich hat viele Grünflächen, wo man verweilen kann. Oder aber man kann beim alten Karl Marx Kopf chillen, der ist richtig mächtig. Ich bevorzuge jedoch lieber das Erzgebirge und hänge dort lieber in den weitläufigen Bergen und Wälder ab. Hier wird einem nicht langweilig. Sei es Klettern oder Snowboardfahren – fast alle Aktivitäten sind hier möglich.

Gibt es denn auch positive Aspekte an Chemnitz?

Sebastian: Ja, denn was die Leute hier anpacken, seien es Projekte oder Ideen, ist der Wahnsinn und alles kommt aus eigener Initiative. Das macht die Stadt wieder liebenswert! Ich könnte hier so viele Dinge aufzählen wie das AJZ Chemnitz oder das Projekt Saktepark und eine Menge an kleinen Festivals, denn die Szene ist hier sehr groß.

Was kann das junge Volk für wenig Geld in Chemnitz erleben?

Sebastian: In Chemnitz geht immer viel mit kleinen Geldbeutel: Die Natur ist echt einen Steinwurf entfernt – und da ist alles für Null zu haben. Ich persönlich merke nicht, dass Ost zu West günstiger ist, das merkt man hier nur bei dem günstigen Mietspiegel. In Chemnitz kann ich beispielsweise für eintausend Euro Miete schon fast in ein Schloss einziehen!

Neben günstiger Miete und schöner Natur in der Umgebung, wie sieht die Party- und Musikszene in Chemnitz aus?

Sebastian: Still oder Laut ist Chemnitz so oder so. Na klar, hier ist eine Menge los, die Konzerte sind immer wieder der Wahnsinn und man merkt, dass die Szene einfach mal im Osten zu Hause ist. Partys gibt es hier auch gute, man muss nur wissen, wo die gehen. Ich stehe nicht auf Disco-Bauchtaschenstyle – diese ist in Chemnitz sehr verbreitet. Wer daran also Interesse hat… Andererseits hat Chemnitz viele Leute, die hier immer wieder geile Shows lostreten. Gute Adressen für Gigs sind Südbahnhof und AJZ. Hier werden immer wieder die Höllentore geöffnet und die Leute rasten komplett aus!

Kann Chemnitz denn euch als Musiker zufriedenstellen?

Sebastian: Unsere Equipment kaufen wir natürlich bei unserem alten Gitarristen, denn der hat einen feinen Shop im Dienste der Musik.Wir finden das gut und sind gleich an der Quelle, um unseren Geldbeutel zu erleichtern. Der Shop hat wirklich alles – ein Einkaufsbummel endet meist wie bei Frauen und Schuhen!

Danke, Sebastian, für eure Teilnahme an der DEARLY DEMENTED-Städtereise!