KING810 – La Petite Mort Or A Conversation With God

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Eine Runde durch Flint – mit der Knarre im Anschlag

Bei Hypes war ich schon immer vorsichtig. Ist er durch das Label entstanden oder durch tatsächlich engagierte Fans? Auch bei KING810 ging mit ihrem Debütalbum “Memoirs Of A Murderer” ein Hype los der seines gleichen suchte in der Metal-Szene: Das neue Ding seien sie, quasi die Neuinkarnation von SLIPKNOT und Konsorten. Nur noch krasser. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich anfangs kein Fan der Band wurde. Weder fand ich den Sound aufregend noch die Darbietung überzeugend. Allerdings bin ich aber auch jemand der Dingen (oder in diesem Fall Bands) gerne eine zweite Chance gibt um mir fundiert eine Meinung bilden zu können, das erste Album der Band habe ich beispielsweise nicht gehört.

Sympathiepunkte sammelten die Jungs aus Flint schonmal bevor das eigentliche Album erschien, denn als ich sah dass sie die “Midwest Monsters 2”-EP auf DatPiff.com (eine Seite für offizielle Rap Mixtapes) hochgeladen hatten schienen mir auch die ganzen Verweise auf deren Rap-Einflüsse Sinn zu machen. Verstärkt wurde dies vor allem durch die Rap-Features auf beschriebener EP.

Der Rap-Einfluss tropft aus jeder Pore

Auch auf dem vorliegendem Album ist der Rap-Einfluss klar herauszuhören, vor allem was die Produktion und das Songwriting angeht. Wichtig ist zu erwähnen, dass KING810 dabei nie klingen wie eine Band die versucht den Nu-Metal-Sound der 90er und 00er Jahre zu kopieren. Das Album fühlt sich an wie zwei autonome Hälften, die jeweils durch einen Titeltrack voneinander getrennt werden.

Dabei fängt das Album klar mit der härteren Seite an: David Gunn gibt die Ansage “I’m Back Home” und damit geht auch das Inferno von “Heavy Lies The Crown” los. Mit den beiden Singles “Alpha & Omega” und “Vendettas” geht es nicht weniger mild weiter, dennoch setzen die Jungs an den richtigen Stellen die Breaks wodurch die Songs nicht zu drei-minütigen Dauerbreakdowns mutieren.

Während sich “I Ain’t Going Back Again” mit seinem melancholischen Refrain langsam voranschleppt ist “War Time”, unterstützt durch TRICK TRICK, eben die Kriegsansage, welche man erwartet mit harten Rappassagen auf ebenbürtiger Instrumentalisierung.

Ein großer Aha-Effekt kommt vor allem bei “Life’s Not Enough” auf, dieses Instrumental ist so zurückhaltend, eigentlich nur darauf wartet dass jeden Moment die Hölle losbrechen muss. Ein Saxophonsolo folgt dem Refrain, und auf einer Platte auf der Gewalt, Armut, Mord und alles was die dunkle Seite der Menschlichkeit noch so bietet die vorherrschenden Themen sind. Und wenn das nicht gereicht hätte geht es mit “Me & Maxine” mit einem Song weiter, auf dem man sich in einer entspannten Jam-Session wiederfindet.

Spoiler-Alert: Der vermeintliche Frieden hat mit diesem Song auch ein Ende. Die Abschlusssongs des Albums enden zwar nicht in Breakdown-Gedresche, allerdings geht es textlich wieder deutlich düsterer vor.

Die Texte sind das was die Band ausmacht: Düster, gewalttätig und direkt. Man muss sich auf diese Art der lyrischen Überlieferung einlassen um in die Welt von KING810 eintauchen zu können. Diese Musik ist nicht schön, ebenso wenig wie um was sie handelt. Für die Zukunft würde ich mir zwar ein etwas breiteres Spektrum an Themen wünschen, jedoch hat es sich für mich gelohnt diese band nach dem ersten Eindruck nicht abzuschreiben – da geht noch einiges!

7 von 10 Punkten auf der “I’m finally back home”-Skala