Kaufst du noch oder streamst du schon? Spotify & Co.

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Ab Montag - die Themenwoche "Musik-Konsum im digitalen Zeitalter"!

Musikhören – online – und nicht über die eigene Festplatte oder physische Tonträger. Das ist der Trend der zweiten Hälfte der 00er Jahre. Nachdem Napster und iTunes die Musikwelt digitalisiert haben, tragen Streaming-Dienste diese Idee noch weiter. Nun besitzt der Konsument die Musik-Dateien gar nicht mehr selbst, sondern streamt diese über Internet-Plattformen.

“Unser Traum ist es, alle Musik auf der Welt für jeden sofort zugänglich zu machen, wo immer und wann immer man es möchte”, teilt Spotify, der größte und wohl bekannteste Anbieter von Musik-Streaming, in seiner Presseerklärung mit. Die Vorteile für den Konsumenten liegen auf der Hand: eine unendliche Auswahl an Musik für null Euro, die sowohl zu Hause als auch mobil abrufbar ist. Der absolute Traum für jeden Musik-Liebhaber. Spotifys Mediathek besitzt über zwanzig Millionen Lieder – und täglich kommen rund zwanzigtausend neue hinzu.

Spotify lässt dem Konsumenten die Freiheit zwischen einzelnen Hits, ganzen Alben und Künstler hin und her zu schalten. Es können eigene Playlists angelegt oder die von Freunden angehört werden. Quasi wie damals, als noch Mixtapes auf Kassetten herumgereicht wurden. Heute geht das aber eben schneller und bequemer. Zudem liefern Radiostationen neue Inspirationen und schlagen Künstler vor. Viele Streaming-Dienste bieten eine Free-Version mit Werbung oder eine Pay-Version an. Spotify verspricht für eine Pauschale von zehn Euro pro Monat werbefreies Musik-Streaming und eine besseren Klang-Qualität. Für zehn Euro steht Konsumenten also die Musik-Welt offen – für eine einzige CD fallen, wenn sie neu auf den Markt kommt, zwischen fünfzehn und zwanzig Euro an.

Spotify ist modern und achtet auf die Integration in die sozialen Netzwerke. Die Software lässt sich beispielsweise mit Facebook verbinden, Playlists können mit Freunden geteilt, die Meinung kann in den Kommentaren oder mit einem Like kundgetan werden.

Die Gründer von Spotify, Daniel Ek und Martin Lorentzon, bekamen die Idee zu ihrem Projekt aus einer Notsituation heraus. Absatzzahlen von Tonträgern sanken seit Jahren rapide in Schweden, da hier die Musik-Piraterie den Umsatz quasi gänzlich zum Erliegen brachte. Musik-Labels und Künstler klagten über sinkende Einnahmen. 2006 wurde die ausschlaggebende Plattform für illegale Downloads von der Justiz geschlossen. Der Streaming-Dienst Spotify, in Stockholm gegründet, schoss zum gleichen Zeitpunkt aus dem Boden, fing die Besucher ab und kurbelte auf diese Weise den Markt wieder an. Schweden streamt bis heute weltweit die meiste Musik – und die Einnahmen steigen dank der Pay-Version.

Spotify genießt zwar eine Art Vorherrschaft in dem noch jungen Geschäft des Musik-Streamens, ist aber doch nicht konkurrenzlos. Apple, das mit iTunes noch selbst die Musik-Welt gravierend beeinflusst hat, kaufte im Mai 2014 die Firma Beats. Hier geht es dem IT-Konzern wohl weniger um die Kopfhörermarke mit dem roten b von DR. DRE, sondern vielmehr um das angeknüpfte Streaming-Portal, welches zweihunderfünfzigtausend User zählt. Zum Vergleich: Spotify wird von mehr als vierzig Millionen Nutzern besucht. Amazon betreibt seit Juni ebenfalls ein vergleichbares Angebot – vorerst jedoch nur in den USA. Auch Google kündigte den Start eines neuen Streaming-Dienst an. Die Giganten ziehen also nach um den Sprung auf den fahrenden Zug nicht zu verpassen – und jagen die schwedischen Senkrechtstarter.

Dass die Digitalisierung das Musik-Business umkrempelt, steht außer Frage. Da hilft auch kein Jammern. 1930 machte das Radio den LP-Verkäufen Druck. In den 80ern hieß der Gegenspieler Kassettenrekorder. Und jetzt reißt das Internet die Macht an sich. Die Frage, welchen Einfluss Spotify und Co. in Zukunft auf das Musikgeschäft haben wird, bleibt hingegen unbeantwortet. Mehr Aufschluss wird das Interview mit Patrick Walch, Head Of Digital Sales, Online Marketing und New Media International der Nuclear Blast GmbH, geben, welches morgen in der Themenwoche veröffentlicht wird.

Einen Überblick zur Themenwoche findest du HIER