Jahresrückblick 2015

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Das war das Jahr 2015!

Wir haben 2015 knapp 300 Reviews veröffentlicht – dazu kommen Song- und Video-Premieren, Interviews und Specials wie dieses Jahr. Welche dieser vielen, vielen Dutzend Releases haben jeden Redakteur individuell am meisten beeinflusst? Die Redaktion stellt seine Top 3 CDs aus dem Jahr 2015 vor.

Mein Jahresfavorit war sehr leicht gefunden: WHILE SHE SLEEPS. Da musste ich keine Last.fm-Statistiken aufrufen – die Entscheidung viel quasi wie von selbst. Dieses Jahr habe ich kein Album gehört, keinen Songs so oft mitgesummt und keine Lyrics so oft in meine Träume eingebaut. An “Brainwashed” kommt dieses Jahr nichts vorbei.

Platz zwei teilen sich KÀLA und ARROWHEAD: Beides sind Post-Hardcore-Bands, die zwar noch im Lokal-Sektor (Innsbruck beziehungsweise Boston, MA) zu finden sind, jedoch jeden anderen Release dieses Genre in den Schatten stellen. Beide Bands wissen es trotz einer mittelmäßigen Produktion verspielte Musik als Autobahn für Emotionen zu gebrauchen – perfekt!

Eine weitere Band, die mich 2015 beschäftigte, war beziehungsweise ist: BRING ME THE HORIZON. Obwohl ich “That’s The Spirit” im Vergleich zu “Sempiternal” nicht so stark fand, zog das neue Album mich immer wieder an – und ich fand Gefallen an den atmosphärischen und emotionalen Düster-Songs der Briten. Fun-Fact: Sie kommen aus der gleichen Stadt wie WHILE SHE SLEEPS. Zufall? Das werde ich 2016 untersuchen.

Musikalisch gesehen treten COUNTERPARTS auf ihrem im Juli erschienenen Album etwas geordneter auf, aber für die Texte kann dies nicht gelten: Der Hörer lässt sich auf eine Achterbahnfahrt ein, mit dem Unterschied, dass es statt von Höhen zu Tiefen von einer aufwühlenden Emotion zur nächsten geht. Wut, Trauer, Schmerz sind die zentralen Themen und allein dadurch, dass diese Gefühle angesprochen werden, wird man von ihnen befreit und fühlt sich danach besser. Dabei sind Text und Musik so zusammengesetzt, dass man bei einigen Songs glaubt, es gäbe absolut keine bessere Art, das jeweilige Gefühl auszudrücken (siehe vor allem “Collapse”  und “Solace” ). Für mich ist “Tragedy Will Find Us”  deshalb eines der bewegendsten Alben dieses Jahres.

Dieses Album lief bei mir rauf und runter, und zwar aus dem einfachen Grund: Pop-Punk geht immer. NECK DEEP haben sich spätestens mit “Life’s Not Out To Get You” endgültig der aufbauenden, positiven Musik verschrieben, also was sollte man anderes hören, wenn man nach einem stressigen Tag nach Hause kommt, wenn man von allem genervt ist, oder auch, um seine ohnehin schon gute Laune noch etwas mehr zu heben? Einzig “December” und “Serpent” versetzen der allgemeinen Stimmung auf dem Album einen kleinen Dämpfer, aber womöglich würden die Hörer ohne jenen vor Glück zerspringen.

Obwohl CROOKS auf ihrem Debütalbum komplett auf Screams verzichtet haben, kommt es mit einer ungestümen Wucht daher, die zeigt, dass es auch ohne geht und trotzdem nichts fehlt. Mit “Are We All The Same Distance Apart” erklären die Engländer dem Schubladendenken den Krieg, denn das Album beinhaltet neben altbekannten drumlastigen Metalcore-Songs auch Pop-Punk-Elemente und Balladen. Zwar lassen sich vor allem in den instrumentalen Teilen Muster von der EP “Nevermore” wiedererkennen, dafür beweist im Gegensatz dazu die Stimme von Sänger Josh diesmal ihre Vielseitigkeit. Sie ist es auch, die es im positivsten Sinne unmöglich macht, CROOKS wirklich einzuordnen. Denn glaubt man, die Struktur eines Songs voraussehen zu können, driftet der Gesang plötzlich ins Falsetto! Durch solche scheinbar unbedeutenden Abweichungen wird das Album unvorhersehbar und zu einer seltenen Besonderheit.

Ist man grundsätzlich dem Symphonic Metal zugetan, kommt man natürlich an einem neuen Album “Endless Forms Most Beautiful” von NIGHTWISH nicht vorbei, will sagen, dass es sich hier um einen Pflichtkauf handelt. Neben dem Titletrack, sind mit “Elan” und “Yours Is An Empty Hope” weitere zeitlose Perlen enthalten. Und Floor Jansen bringt nach Tarja und Anette Olzon eine neue Stimmfarbe bei den Vocals ein. Ein gelungenes Album.

Nicht nur wegen meiner Review eines der von mir meistgehörten Alben 2015, sondern auch aufgrund des Ohrwurmcharakters diverser Songs im Refrain und somit eine CD, die ich immer wieder gerne einlege: CIRCUS OF FOOLS: “Raise The Curtain”.

Wenn auch APOCALYPTICA meiner Meinung nach immer angepasster und gefälliger werden und Songs wie “Cold Blood” eigentlich gar nicht gehen, sind außer dem Titletrack “Shadowmaker” mit “Seed Of Chaos”, “Riot Lights” und “Till Death Do Us Part” einige durchaus ansprechende Songs vorhanden. Grundsätzlich sind APOCALYPTICA sowieso am stärksten, wenn sie sich rein instrumental ausleben.

Platz drei belegt “Under The Red Cloud” von AMORPHIS. Das Album lief vor allem dshalb des öfteren, da man erst nach mehrmaligem Hören entscheidende Unterschiede und Feinheiten zu seinen Vorgängern heraushören kann. Das macht es nicht unbedingt leichter, bringt den Hörer aber dazu, sich genauer mit den Ausnahmefinnen zu beschäftigen.

Auf Platz zwei steht “Sturm und Drang” von LAMB OF GOD. Eine Wahnsinnsband, die den Groove gefressen hat und live sowohl Angst als auch Ekstase hervorrufen können. Das aktuelle Album ist ein harter Knochen, eröffnet aber auch neue, spannende Facetten der Band. Für mich ein Album, mit dem ich noch nicht fertig bin.

An erster Stelle steht momentan wohl “Skills in Pills” des Projektes LINDEMANN. Ja, es sind zwei schillernde Musiker, die sich da zusammen getan haben, ja, die Verwurstung von Rammstein-Songs kann man nicht abstreiten, und ja, Till Lindemann sollte in Zukunft doch lieber wieder darauf verzichten, auf Englisch zu singen. Aber momentan bietet dieses Werk auch eine Alternative, wenn auch eher dadurch, dass Kooperationen Musikern verschiedener Gruppen die Möglichkeit bieten, sich noch von einer anderen Seite zu zeigen. “Skills in Pills” ist bestimmt nicht das beste Album, das dieses Jahr veröffentlicht wurde, aber es ist zumindest unterhaltsam.

Als ob es nicht schon vorher klar gewesen wäre, dass das mein persönlicher Favorit dieses Jahres ist. Hinter den fünf Sheffieldern liegt ein steiniger Weg, mussten sie doch wegen der Stimmband-OP von Sänger Loz viele Shows absagen und das Album deutlich nach hinten schieben. Letztlich hat sich all das aber mehr als gelohnt: “Brainwashed” ist ein absolutes Meisterwerk geworden, das ich auch nach neun Monaten fast täglich höre. Auf dem Album gibt es keinen Song, der negativ auffällt und hinter jedem steckt eine richtig starke Message. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was die Zukunft zu bieten hat – schließlich hat die Band mehr als deutlich gemacht, dass sie bereits wieder an neuen sweeten Riffs für den nächsten Release arbeiten.

Ohne Frage auf Platz zwei ist für mich “Tragedy Will Find Us” von COUNTERPARTS. Bereits mit “The Difference Between Hell and Home” haben sich die Kanadier in mein Herz hineingespielt und mit “Tragedy Will Find Us” haben sie ihren Sound noch um einiges verfeinert. Die Lyrics sind noch um einiges düsterer geworden und treffen einen dementsprechend noch um einiges härter und die Instrumentals sind fantastisch wie immer. Ähnlich wie “Brainwashed” läuft auch “Tragedy Will Find Us” seit Release bei mir in Dauerschleife und es wird nicht langweilig. Songs wie “Resonate”, “Burn” oder “Solace” sorgen bei mir regelmäßig für Gänsehaut.

Der dritte Platz ist schon deutlich schwerer zu besetzen. Nicht, weil es dieses Jahr nicht genug gute Releases gegeben hätte, sondern eher, weil es zu viele waren. B. DOLAN, ZUGEZOGEN MASKULIN, CALLEJON, NECK DEEP und HIDEOUT sind nur einige der Künstler, die dieses Jahr hervorragende Musik präsentiert haben. Am Ende fällt mein Urteil jedoch auf die Debüt-EP der australischen Band EAT YOUR HEART OUT. Die Stimme von Sängerin Caitlin ist zwar wahrscheinlich nicht für jeden etwas, aber ich bin über die paar Monate, die die EP nun draußen ist, ein richtiger Fan geworden. Insbesondere die Single “Ghost” ist einfach fantastisch, sowohl vom Gesang wie auch instrumental.

Wer hatte sie nicht, die typische 2009er Emo-Phase? Schaut man sich ALESANA live an, könnte man meinen die Jungs aus North Carolina sind in dieser stecken geblieben. Eyeliner, Nagellack, schwarz gefärbte Haare, das volle Programm eben. “Confessions” scheint an ihren großen Erfolg “The Emptiness” anzuknüpfen, jedenfalls konzepttechnisch gesehen. Die Story um Annabel und ihren Künstler, der ein schlimmes Ende fand, wird in “Confessions” wieder aufgenommen und weiter erzählt. Musikalisch, sowie lyrisch typisch emo. Und typisch ALESANA.

Disenchanted” kann ich nicht genug loben. Volle Lautstärke, Augen zumachen und schon ist man drin, in der Geschichte von einem jungen Typ, der erzählt wie er von ganz unten wieder sich zusammenraufen konnte und niemals aufgegeben hat, egal wie schlecht es ihm ging. Genauso optimistisch wie pessimistisch schafften es HANDGUNS ein absoluten Meilenstein für die Pop-Punk-Szene zu fabrizieren und den Award für mein persönliches Album of the Year zu bekommen.

Als ich “Drown” zum ersten Mal gehört hab, war ich ebenso erstaunt wie schockiert. Erstaunt, dass BRING ME THE HORIZON auch in die Alternative-Rock-Schiene eingeordnet werden können, und schockiert, da mit dem Song die gute alte Zeit als Metalcore-Band definitiv vorbei war. Dass Oli Sykes Stimme beim Screamen mehr und mehr versagte, ist ja wirklich kein Geheimnis mehr, was er jedoch daraus gemacht hat kann sich hören lassen. Die lyrische, sowie musikalische Weiterentwicklung der Jungs aus Sheffield macht sich für mich auf dem Album-Highlight “Throne” bemerkbar. “Every wound will shape me, every scar will build my throne”, die persönlichen Up’s and Down’s bringen einen zwar mal in ein tiefes Loch, sobald man jedoch aus diesem rauskommt, wird einem klar, warum man so hart gekämpft hat. Und genau das macht “That’s The Spirit” für mich aus.

Erst relativ spät in diesem Jahr habe ich I THE MIGHTY für mich entdeckt. Mit dem Album “Connector” und insbesondere dem Song “Lady Of Death” bin ich zum Fan geworden. Die vier-köpfige amerikanische Band liefert Post-Hardcore vom Feinsten. Bei I THE MIGHTY stimmt für mich persönlich einfach alles. Gute Stimmen (sowohl clean als auch geschrien), eingängige Melodien, harte Anteile, treibende Beats, viele rhythmische Wechsel und Texte, die mich zum Niederknien bringen. Must Have meines Jahres.

BRING ME THE HORIZON haben mich dieses Jahr ebenfalls aufs Neue begeistert. Mit “Sempiternal” haben sie 2013 ihren Sound endgültig verändert, manch einen Fan verloren und manch einen dazu gewonnen. Auch wenn die ganze Mainstream-Diskussion verständlich ist, stehe ich hinter dem neuen Sound der Jungs; Geschmack ist eben subjektiv. Die Veränderung ist deutlich hörbar und gefällt mir – “That’s The Spirit” hat mein 2015 bereichert. Den Sound des Albums zu beschreiben fällt mir mehr als schwer, weil es extrem vielseitig und einfach anders ist. Chöre, abgefahrene Sounds und ein Sänger mit Kult-Leader-Potenzial haben mein Herz auch bei den Live-Auftritten höher schlagen lassen.

Apropos Einhörner. Zu den seltenen Kreaturen der Bands gehören für mich PALISADES, die 2015 dafür gesorgt haben, dass meine Nachbarn mich gerne verschleppt hätten. “Mind Games” wurde konsequent in voller Lautstärke gehört. Ich kannte vorher keine Band, die in der Lage ist Post-Hardcore, Metalcore, House und Dubstep so gekonnt zu verbinden. Ergebnis: Die Sucht traf mich unvorbereitet und hat sich bis heute nicht verabschiedet. Der Sound ist beispielsweise mit HOLLYWOOD UNDEAD vergleichbar. Deren Album “Day Of The Dead” war übrigens auch auf der Favoritenliste. Bei PALISADES gibt es anstatt Hip Hop-Elementen dann eben besagten Dubstep! Eine musikalische Offenbarung, die meine Musikkenntnisse 2015 positiv erschüttert hat.

Nachdem ich von ihrer letzten Scheibe “Atlas” in Teilen nicht ganz so begeistert war, haben PARKWAY DRIVE es mit “Ire” wieder geschafft mich zu überzeugen. Ein neues Konzept, neuer Sound und die Ohrwurmgarantie machen das Hören zu einem Fest! Insgesamt klingt die Platte mehr nach Metal als je zuvor; man merkt deutlich den großen Einfluss von Lead-Gitarrist Jeff Ling. Doch das tut der Freude an den Metalcore-Giganten keinen Abbruch, ganz im Gegenteil! Für mich definitiv eine der Platten des Jahres 2015!

Für mich sind BURNING DOWN ALASKA die Newcomer der letzten Jahre! Sie haben es mit ihrem Debut geschafft dem Melodic Hardcore neues Leben einzuhauchen! Die Jungs aus Recklinghausen zaubern melodische Riffs, athmosphärische Klangwelten und kraftvolle Vocals in die Ohren und von dort direkt bleibend in den Kopf. Auch Live durfte ich BURNING DOWN ALASKA in diesem Jahr schon auf der NEVER SAY DIE! TOUR erleben, wo sie eindeutig aus dem Lineup hervorstachen! Man erwartet gespannt, wie es mit dem Quintett weitergeht.

Musikalisch auf gleicher Höhe mit dem Vorgängeralbum “Diamond” und genau deshalb auch großartig! Der typische STICK TO YOUR GUNS-Sound bleibt mir auch im Jahre 2015 in bester Erinnerung. Wütende Gitarren, brachiale Shouts und Cleangesang der besten Sorte sorgen für die Mischung, aus der Ohrwürmer in diesem Genre gemacht sind. Sänger Jesse gilt als einer der besten Frontmänner dieser Zeit und wird dies auch mit der thematischen Gestaltung von “Disobedient” wieder eindrucksvoll bei einem ihrer Live-Gigs unter Beweis stellen können. Reinhören!

Die Top-Drei meiner meist gehörten und am liebsten gehörten Platten von 2015 zusammenzustellen fiel mir gar nicht so leicht, denn wie sich beim durchforsten meiner Playlists und des CD-Regals herausstelle, tummeln sich zur Zeit ganz oben hauptsächlich Platten aus den mittleren 2000er-Jahren, wie zum Beispiel MISERY SIGNALSs “Of Malice And The Magnum Heart” oder FOR THE FALLEN DREAMSs “Changes”.

Hoch im Kurs stehen laut Wiedergabehäufigkeit derzeit auch alte Helden wie HAVE HEART, MEGADETH oder DEVIN TOWNSEND (oh Gott, ich werde alt), aber dennoch haben sich dieses Jahr auch einige neue Platten ihren Platz unter den Dauerbrennern ergattern können.

Die zweite, selbstbetitelte LP der FOR THE FALLEN DREAMS-Schwesterband LGND kam erst im Herbst diesen Jahres heraus und hat es in der kurzen Zeit weit nach oben geschafft in meiner persönlichen Hitparade. Das Album ist eine wahre Dampfwalze und bringt den bisher angedeuteten Stil der Band auf ein ganz neues Level. Denn erschien mir auf der Debut-LP “The Pale Horse” manch ein Breakdown zu simpel oder langatmig, haben LGND hier auf jeden Fall dazugelernt und verpacken ihre Binärcodes deutlich eleganter und musikalisch wertvoller. So findet sich manch ein Polyrhythmus und die ein oder andere rhythmische Umdeutung auf dem Album. Deutlich melodischer sind sie auch geworden und folgerichtig gibt es jetzt cleane Refrains, die stark an KILLSWITCH ENGAGE erinnern, sowie ein paar solide Gitarrensoli, die echtes Stadionrockfeeling verbreiten. Moment mal?! Das alles bei LGND? Aber hallo! Unbedingt reinhören!

Das zweite selbstbetitelte Album aus diesem Jahr, das mir so gut gefällt, dass ich es auch in zehn Jahren noch hören werde, haben THE STORY SO FAR herausgebracht. Ein Album voller Pop-Punk-Hymnen, das sich hervorragend beim Auto fahren hören und mitsingen lässt. Mal gefühlvoll, mal humorvoll, für jede Stimmungslage ist etwas dabei. Catchy ist sowieso jeder Song. Auch wenn ich bereits in der Review erwähnt habe, dass auch für den geneigten Musikliebhaber das ein oder andere Schmankerl auf dem Album zu finden ist, mag auch ich gerne mal etwas leichtere Kost, die man beim ersten Hören versteht und einfach laufen lassen kann. Und darin sind THE STORY SO FAR wahre Meister!

Platz drei belegen dieses Jahr SHIELDS mit ihrer EP “Guilt”. Cool verpackt und musikalisch anspruchsvoll gefällt mir moderner, djentiger Metalcore sehr gut. Die Platte machen vor allem viel Gefühl und sehr gutes Songwriting aus. Auch wenn nicht jeder Song eine Offenbarung ist, eignet sich die EP hervorragend zum Zugfahren und Träumen. Wer nähere Erläuterungen zu gutem Songwriting und eingängigen Melodien sucht, kann hier meine Review lesen.

An erster Stelle, steht, welch Wunder, meine Lieblingsband: BETWEEN THE BURIED AND ME. Deren neues Album “Coma Ecliptic” hat es geschafft, mein meist gehörtes Album des Jahres zu sein, wobei das schon fast zu erwarten war. Dennoch muss ich gestehen, dass es sogar bessere Veröffentlichungen gab, die mich weit mehr überzeugen konnten.

Den zweiten Platz machen OCEANO, die ich nicht mal in meine Top 10 Liste mit aufnehmen würde. Dennoch hatte ich eine Menge Spaß mit “Ascendants” und konnte nach langer Zeit ein Deathcore-Album auf Repeat stehen haben.

Auch keinen Platz in meiner Top 10 Liste, aber dennoch ein verdammt gutes Album, welches ich scheinbar sehr oft gehört habe, kommt von IWRESTLEDABEARONCE. Mit “Hail Mary” geht die Band einen entscheidenen Schritt in Richtung Seriösität und lässt den parodistischen Aspekt fast gänzlich hinter sich.

Auch wenn ich in diesem Jahr einige Alben gehört habe, die vor 2015 produziert worden sind, gibt es für mich auch dieses Jahr wieder Bands, vor denen ich den Hut ziehen muss.

Es ist immer schwierig den Verlust eines fähigen, wie auch bühnenerprobten Sängers zu kompensieren. Nate Johnson von FIT FOR AN AUTOSPY hat einen für mich überragenden Job auf der 2013 veröffentlichten Platte “Hellbound” gemacht und so ganz mochte ich nicht an einen adäquaten Ersatz denken. Aber Joe Badolato von DIAMOND CUTTER bringt nicht nur die nötige Aggressivität, sondern auch einen sehr ähnlichen Gesangs-Sound mit. Musikalisch hat die Band aus New Yersey mit “Absolute Hope Absolute Hell” nicht nachgelassen, sondern durch einige verstärkt atmosphärische Elemente sogar noch eine Schippe draufgelegt. “Absolute Hope Absolute Hell” ist ein Deathcore-Album, das zahlreiche Spannungsbögen besitzt, nicht zu repetitiv wirkt und Breakdowns in einem gesunden Maße einflechtet. Dagegen muss THY ART IS MURDER mit “Holy War” dann doch einen Schritt zurücktreten.

Erik Rutan ist eine feste Größe in der Death Metal-Szene. Ob in seinem eigenen Studio als Produzent oder als Sänger und Gitarrist bei HATE ETERNAL, er verkörpert die pure Identifikation mit brachialer und todeslastiger Musik. Auch das neue Album “Infernus” steht für mich für eben diese Identifikation. Zwar wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber das muss oder kann in dem Genre meiner Meinung nach nicht mehr geschehen. Vielmehr zeigt sich wieder einmal handwerkliches Geschick an allen Instrumenten, vor allem das Schlagzeug brettert in vielen Abständen in einer Geschwindigkeit daher, dass das Hören alleine schon zu einem Muskelkater führt. Dazu hat HATE ETERNAL auf “Infernus” ein gewisses Gefühl dafür, wann groovige und seichtere Momente dem Hörer ein wenig Zeit zum Verschnaufen geben. Ein mehr als solides und Spaß machendes Album!

Trotz allem muss ich sagen, dass mich 2015 CULT LEADER am meisten überzeugt haben. Mit ihrem ersten Album “Lightless Walk” haben sie nach zwei EPs voll ins Schwarze getroffen. Der Sound der ersten EP “”Nothing For Us Here” war zwar schon sehr druckvoll und brachial, aber Kurt Ballou hat nochmal deutlich an den Reglern gedreht. Für mich kann es in der Gitarren- und Bassfraktion persönlich keinen besseren Sound geben: leicht rotzig, druckvoll und mit einer ordentlichen Portion Schub. Musikalisch bieten CULT LEADER eine Menge Tempo, Grooves und Fills mit teilweise chaotischen Ausuferungen. Diese Ausrichtung passt sich sehr gut an die Texte von Sänger Anthony Lucero an, da diese eine gewisse innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs widerspiegeln. Das Spektrum des Gesangs reicht dabei auch an Tom Waits oder Nick Cave heran, was dem Album durchaus eine weitere düstere Note verleiht. Auch 2016 wird dieses Album bei mir wohl rauf und runter laufen.

THE DARKNESS hatte ich schon länger nicht mehr auf dem Schirm, aber mit ihrem neuem Album “Last Of Our Kind” landeten sie bei mir dieses Jahr oft im Ohr. Vorallem der Opener “Barbarian” hat es mir angetan: ein triumphaler Rock-Song ganz in THE DARKNESS Manier. “Open Fire” war für mich allerdings der Sommer-Hit der Scheibe und glänzt durch seinen knackigen 80er Sound: fetzige Riffs und hohe Stimmen. Das Album hat seine Höhen und Tiefen und mir durchaus den ein oder anderen Sommertag bereichert.

Anfangs habe ich sie eher belächelt, aber mittlerweile arbeiten sich WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER immer wieder erfolgreich in meine Playlist ein. Und mit der neuen Scheibe “Wieder geil!” haben sie einmal mehr bewiesen, dass sie keine reine Fun-Band mehr sind und auch ernstzunehmende Lieder auf die Beine stellen können. Dabei bleiben sie bei üblichen harten Riffs, aber zeigen sich auch weiterhin experimentierfreudig und bedienen sich teilweise aus Elementen anderer Musikstile. Thematisch schöpft die Band Inspiration aus dem Berliner “Rockstar”-Leben und auch der Liebe, was sich in den Texten insgesamt eher kritisch wiederspiegelt. Alles in Allem ein recht erfrischendes Release mit kurzweiligen Tracks zum Durchdrehen.

Auf dieses neue Release habe ich mich besonders gefreut und das Warten hat sich auch gelohnt. “The Ride Majestic” von SOILWORK kommt mit einem breiten Aufgebot daher: Von Blastbeat bis Balladenstimmung, über fesselnde Harmonien und reißende Riffs ist alles dabei was ich mir von einem Metal-Album wünsche. Dabei dominiert immer wieder ein fegender, progressiver Stil der nach Einzigartigkeit nur so strebt. Gerade wenn ein Song in treibende Death-Beats abtaucht verstehen es SOILWORK das Ruder rumzureißen und mit originellen Kompositionen zu glänzen. Auch die Vocals reichen von glasklaren Clean-Parts bis zu brachialem Screaming. “The Ride Majestic” konnte mich mit der Vielfalt im Sound absolut überzeugen und läuft bei mir auf und ab. Definitiv mein Favorit des Jahres!

Auf Platz eins steht bei mir eine eher unbekanntere Band aus den Staaten: AWAKEN THE EMPIRE haben 2015 mit “Aurora” ein sensationelles Debütalbum geschaffen. Mit ihrer Mischung aus Rock, gelegentlichen Metaleinflüssen und einigen Elektrosprengseln, die unter anderem an frühe und härtere 30 SECONDS TO MARS erinnern, schafft es der Vierer fast ausschließlich einen tanzbaren Hit nach dem anderen abzuliefern. Ganz großes Kino! Man darf gespannt sein was da noch kommt.

Platz zwei sichern sich die Post-Hardcore Genregrößen von BOYSETSFIRE. Nach einigen Durchläufen war klar, dass den Mannen aus Delaware mal wieder ein nahezu perfektes und vor allem sehr abwechslungsreiches Album gelungen ist.

Den dritten Platz in meiner Liste teilen sich zwei Bands: Zum einen AMORPHIS mit “Under The Red Cloud” und BREAKING BENJAMIN mit ihrem grandiosen Comeback-Album “Dark Before Dawn”. Zwei Alben die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber dennoch mit ihrer genreimmanenten Vielfältigkeit immer wieder zu begeistern wissen.

Das Jahr 2015 hat im September endlich ein Baby bekommen. Einen kleinen Raufbold names “Too”, zusammen mit der Band FIDLAR (“Fuck It Dude Life’s A Risk”). Dieses Album kombiniert die Don’t Care – LoFi-Attitüde der kalifornischen Burger Records nochgeradeso-Untergrund-Szene mit inzwischen-Mainstream 90er Jahre Image und macht damit hämmernde, zugleich behämmerte Skate Punk Nägel mit Köpfen.

MYSTIC BRAVES mit “Days of Yesteryear: Ein Album das mich persönlich und musikalisch wie schon das Vorgängerwerk, “Desert Island”, sehr inspiriert hat. Psychedelic Rock aus Kalifornien mit massivem Vintage Sound. Eine Stimme die sehr an John Lennon erinnert, eingebettet in Songs, die ein authentisches 60er Jahre Acid Trip feeling aufleben lassen.

Unter den jüngeren Alben eingesessener Hard Rock Bands ist “Bad Magic” definitiv eins der besten der letzten Jahre. Bei KISS’ “Monster”, AC/DCs “Rock Or Bust” und IRON MAIDENs “Book Of Souls” handelt es sich, um nur ein paar zu nennen, schon um bemerkenswert gute Scheiben. Aber keins konnte sich so stimmig zwischen den eigenen Werken einreihen wie dieses. Das Songwriting auf “Bad Magic” erscheint routiniert aber nicht ausgelutscht, die Songs liefern genau das, was man von MOTÖRHEAD erwartet, sind aber dennoch originell, einzigartig und eingängig.
Danke, Lemmy, für einen so großartigen letzten Streich!

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