Ist Streaming für Bands lohnenswert?

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Ab Montag - die Themenwoche "Musik-Konsum im digitalen Zeitalter"!

Für den Konsumenten ist Spotify eine Goldgrube – für gerade mal zehn Euro gibt es einen Musik-Katalog, der gar nicht zu bewältigen ist. Rund um die Ohr könnte der Player laufen und dennoch wäre es nicht möglich, der schieren Masse an Musik Herr zu weden. Auch aus dem Metal-Sektor sind zahlreiche Labels und dementsprechend auch ihre Bands und Künstler auf der Plattform vertreten. Doch wie wirkt sich das Geschäftsmodell auf kleinere Bands aus? Dies soll in diesem Beitrag zur Themenwoche beleuchtet werden.

“Wenn man nicht zu den obersten ein Prozent der Künstler weltweit gehört und eine siebenstellige Anzahl an Plays bei seinen Songs hat, dann sind die Einnahmen so gering, dass es keinen Unterschied macht dort zu sein oder nicht”, sagt Jörg Varga, Gitarrist der Wiener Band CALL THE MOTHERSHIP. Diese Aussage deckt sich mit einer Verlautbarung von WAR FROM A HARLOTS MOUTH. Am 01. Oktober 2013 teilten die Musiker auf ihrer Facebook-Seite mit, dass sie von zehntausend auf Spotify gestreamten Tracks einen Erlös von weniger als zwei Euro bekämen. Um genau zu sein, hat das Streaming-Portal der Berliner Band angeblich einen Euro und dreiundvierzig Cent überwiesen.

Warum sollte eine Band also auf Spotify vertreten sein – für die Konsumenten ist ihre Musik dadurch legal und – auf Wunsch ohne Abonnement – kostenfrei zugänglich und gleichzeitig erhält die Band aber nur eine verschwindend geringe Geldsumme, die keinerlei Ausgaben der Band deckt?

CALL THE MOTHERSHIP bieten ihr Debüt-Album “Of Cold Fusion And Light Mass” bewusst nicht auf Spotify an. “Die Vorteile ergeben sich vor allem für den Konsumenten”, teilt Bandkopf Jörg Varga mit. Michael Schachinger, ebenfalls Gitarrist der Wiener Metaller, betont die Frequentierung der bandeigenen Facebook-Page. Auch wird das Album auf Youtube und Soundcloud angeboten. Auch hier verdienen CALL THE MOTHERSHIP nichts mit ihrer Musik.

Jörg Varga führt aus, dass die Band Spotify nicht benutzt “weil wir mit Youtube, Bandcamp und Soundcloud sehr gut auskommen und das gut unsere Zielgruppe abdeckt. Djent ist mehr der extremeren Richtung angesiedelt und Spotify hat seinen Augenmerk eher auf den popularmusikalischen Sektor gelegt”. Diese Aussage ist bedingt richtig. Spotify hat Künstler von BMI, Sony, der Warner Music Group und Universal in seiner Mediathek. Viele Pop-Künstler sind hier unter Vertrag haben. Mittlerweile sind aber auch alle großen sowieso kleinen Metal-Labels auf Spotify vertreten. Sogar Metal Blade Records, die sich lange geweigert haben, stellt seine Releases online.

Neben den Nachteilen, die kleine Bands durch die Veröffentlichungen ihrer Alben auf Streaming-Diensten, erfahren – kein finanzieller Gewinn – gibt es aber auch positive Merkmale zu verzeichnen. Michael Svaton, Drummer bei CALL THE MOTHERSHIP, räumt ein, dass Spotify eine sehr gute Gelegenheit bietet, “seine Musik der weltweiten Hörerschaft bekannt zu machen”. Da die Band ihre Musik sowieso anderweitig verschenkt, muss Spotify also nicht zwangsweise ignoriert werden.

Alle Mitglieder schließen nicht aus, dass die Band bald von Streaming-Diensten gebrauch macht, nicht aus. Dieser Schritt sei naheliegend, “da man einfach mehr Menschen erreichen kann”, so Bassist Thomas Feanis. Er fährt fort, “aber nur weil der Trend es bestimmt, heißt das noch lange nicht, dass man ihm auch folgen muss. Unser Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, natürlich greifen wir da auch auf Trend-Geschichten zurück, aber notwendig ist es nicht”, schließt Faenis das Kapitel Spotify für CALL THE MOTHERSHIP ab. Nicht ein für alle Mal. Aber für heute.

Einen Überblick zur Themenwoche findest du HIER