INTER ARMA – Paradise Gallows

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INTER ARMA aus Virginia veröffentlichen mit “Paradise Gallows” am 8.Juli ihren dritten Longplayer per Relapse Records. Das Warten hat sich gelohnt, die Fans bekommen einen Silberling mit neun Tracks und einer Gesamtlaufzeit von 71 Minuten geboten. Vor zehn Jahren haben sich INTER ARMA gegründet und was die fünf amerikanischen Musiker um Sänger Mike Paparo mit ihrem neuen Release abliefern, ist schlichtweg genial.

Dass sich INTER ARMA in keine Schublade pressen lassen, ist sicher hinlänglich bekannt und so entzieht sich auch “Paradise Gallows” jeglicher Kategorisierung. Die Musik vereint Stile wie Black und Death Metal, zelebriert Doom und dessen Abart, den Sludge. Ebenfalls finden sich Elemente von Prog, Southern und Post-Metal.

Ein abwechslungreiches, ein spannendes Album, welches harmlos mit einer kleinen Fingerübung an der akustischen Klampfe beginnt, um sich dann nach einer knappen Minute in gleichsam erhabene Klanggefilde zu begeben.

“Nomini” demonstriert gleich zu Beginn die Affinität der Band zur Natur. Wie auch der sechste Track “Potomac”, der das Thema von “Nomini” aufgreift, handelt es sich in beiden Fällen doch um Flüsse, die als Inspirationsquelle für das Songwriting dienten. So wie der Potomac, der Fluss, der seinen Ursprung in West Virginia hat, fließt auch die Musik. Ruhige Passagen, die an das Funkeln von Wasser in der Sonne erinnern, treibende, melancholische Intermezzi, gestützt von Keys, wechseln zu düsteren, hektischeren Gitarren-Parts, die sich mit Stromschnellen assoziieren lassen.

“An Archer In The Emptiness” bedient hingegen die Fans des Post-Black-Metal und Sänger Mike Paparo kann sein Stimmspektrum im Bereich von Growls und Shouts demonstrieren, wo er sich hingegen bei “Primordial Wound” auch cleaner Vocals bedient oder beim Title-Track sich des Sprechgesangs befleißigt. Apropos: “Paradise Gallows” webt innerhalb seiner fast zwölf Minuten PINK FLOYD-artige Klangteppiche. Wobei progressive Parts ganz schnell in doomige Songstrukturen kippen können und umgekehrt.

 Auch zuvor bei “The Summer Drones” wurde es schon progressive psychedelisch, wohingegen bei dem bereits erwähnten “Primordial Wound” mit Darlton und Russell an den Gitarren mit ihren langsam sägenden Riffs und monotoner Akkord-Wiederholung, Paparos plötzlichem Gekeife und Childers Minimal-Drumming, eine bedrohliche Atmosphäre erschaffen wird, ein Track, der sich somit durchaus im Southern Sludge und Funeral Doom verorten läßt.

“Transfiguration” überzeugt wiederum durch eine ganze Melange aus Heavy Metal, Thrash, Death, Black und Doom und geht ab wie eine stampfende Maschine. Fast so lang wie “Paradise Gallows” ist der vorletzte Track des Albums, “Violent Constellations”, bei dem sich Drummer T.J. Childer so richtig auspowern kann. Extreme Metal par excellence.

Das im Vergleich eher kurze Stück “Where The Earth Meets The Sky” könnte auch aus der Feder von LEONARD COHEN stammen. Der melancholische Gesang mit Backing Vocals, Akustik-Gitarren, ein doch eher ungewöhnlicher, nichtsdestotrotz wunderbarer Abschluss dieses starken Albums.

“Paradise Gallows” ist ein wahnsinnig spannender und hervorragend durchkomponierter Longplayer, der eine musikalische Stilvielfalt präsentiert, die neugierig auf jeden kommenden Song macht. Garantiert eines der besten Alben des Jahres, mit einer Musik, bei der man genauso entschleunigen wie sich andererseits in Trance bangen kann.

10 von 10 Punkten auf der “end-of-my-way”-Skala