IN FLAMES-Tour

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Das Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle der aktuellen IN FLAMES-Tour zu “Siren Charms” ist unter zwei Gesichtspunkten besonders. Erstens gesellen sich die kalifornischen Rocker PAPA ROACH zu den Support-Acts WOVENWAR und WHILE SHE SLEEPS. Zweitens ist die Jahrhunderhalle die erste größere Location – aus diesem Grund wurde der Day-Off, der dem 24. Oktober vorausging, von den Bands für Sightseeing in der Main-Metropole genutzt. Die Crew und Bühnenarbeiter waren aber damit beschäftigt, das neue Bühnen-Set zu installieren.

Eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn war Einlass. Die üppige Wartezeit konnte im großen Foyer bei Bier und Softdrinks sowie warmen Speisen totgeschlagen werden. Pünktlich um halb acht legten WHILE SHE SLEEPS mit ihrem halbstündigen Set los. Die fünf Briten rissen die Fans mit viel Spielfreude und Laufbereitschaft auf der Stage mit. Obwohl viele Chöre vom Band kamen und die Authenzität der Stücke dadurch auf der Strecke blieb, waren WHILE SHE SLEEPS mehr als nur eine Vorband – für viele zwar noch eine Überraschung, war die Band eine der besten an diesem Abend.

WOVENWAR waren sich größerer Publikumsbeteiligung sicher. Die vier AS I LAY DYING-Männer und ihr neuer Sänger Shane Blay sind allesamt hervorragende Musiker. Auch die Umsetzung der Lieder gelang ihnen gut bis sehr gut. Doch wie schon auf dem Album, war knapp ab der Hälfte ihrer Spielzeit die Luft raus. Die Hooks und Leads sind anders als bei den ambitionierten WHILE SHE SLEEPS mit geringem Wiedererkennungswert ausgestattet.

An Eingängigkeit und Sing-Alongs fehlt es PAPA ROACH natürlich nicht. Viele Klassiker, wie “Last Resort” oder “Getting Away With Murder”, aber auch neue Hits, wie “Still Swingin’” oder “Where Did The Angels Go”, fanden den Weg in ihre Playlist. Auffällig war auch, dass plötzlich der Sound viel besser war. Schade, dass Vorbands häufig schlechter abgemischt werden.

PAPA ROACH sind Profis – und das hat man auch gemerkt. Bei Sänger Jacoby Shaddix sitzt jeder Schritt, er weiß, wie die Fans zum Schreien und Mitsingen animiert werden. Anders als der Bass, kam sein Gesang auch nicht vom Band; es war zu hören, dass er von Song zu Song mehr außer Atem geriet. Nichtsdestotrotz trifft die Phrase die Hütte abreißen auf PAPA ROACH zu – Spaß vermittelte das Quartett zu jeder Sekunde.

Mit viel Dramatik begannen IN FLAMES ihr eineinhalb stündige Reise durch die Zeit – nicht nur der Vorhang viel genau auf den Punkt, auch die gut getimte Lightshow sorgte für viel Atmosphäre. Neben “Rusted Nail” und beispielsweise “Through Oblivion” spielten IN FLAMES zur Freude der Fans auch Hits á la “Cloud Connected”, “Take This Life” oder “Only For The Weak”. Die erste Hälfte ihres Set wurde nur durch kurze Pausen ohne lange viel Gerede unterbrochen – ein recht nüchterner Auftritt der Band. Die Fans feierten dennoch! Erst zum Ende hin interagierte Sänger Anders Fridén mit dem Publikum, indem er einen Fan mit Kamera auf die Bühne holen ließ und den Sitzrang dazu animierte ihr Popcorn wegzulegen und mitzufeiern. Die Ansage, dass er mit dem Bürgermeister Frankfurts gesprochen hätte, der Crowd-Surfing erlaubt habe, sorgte für Heiterkeit.

IN FLAMES haben abgeliefert und nicht enttäuscht. Da die neuen Tracks insbesondere im Refrain sehr sperrig und groß ausfallen, sind es hauptsächlich die Songs älteren Datums, die mitreißen. Trotzdem: IN FLAMES sind eine hervorragende Band, die trotz Professionalität ihre Fans nicht vergessen.