Impericon Festival 2016 Oberhausen

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Am Freitag ging es endlich wieder los. Das erste, sowie größte der Impericon Festivals startete in den Turbinenhallen in Oberhausen. Auf zwei Bühnen erwarteten uns Bands wie CALLEJON, EMMURE, DESPICED ICON und selbstverständlich die Giganten von HATEBREED. Klar, dass die Hoffnungen und Erwartungen schon beim Anblick des Line-Ups recht groß waren und ich nehme ich jetzt schon vorweg; sie wurden auf jeden Fall mehr als erfüllt.

Bereits bei der Ankunft am frühen Nachmittag wurde ich von der guten Festivallaune, die auch vor Einlass schon deutlich zu spüren war, geradezu erschlagen – eine schöne Erfrischung nach der Festivalpause im Winter.

Los ging es dann nach etwas verspätetem Einlass mit MINDCOLLISON auf der Mainstage. Die noch recht kleine schweizer Rapcore-Band hatte in einem Voting gewonnen und bekam deswegen die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dass die Jungs aus der Schweiz noch eher unbekannt sind, hätte ich nicht bemerkt. Die Band präsentierte sich musikalisch gut und erstaunlich stilsicher; von Unsicherheit, welche auf der großen Impericon-Bühne durchaus berechtigt gewesen wäre, nicht annähernd eine Spur. Schade war nur, dass der Platz vor der Mainstage auf der Grund der geringen Bekanntheit der Schweizer sich nur langsam füllte.

Kurz später eröffneten die Australier HELLIONS die Second-Stage in der etwas kleineren Halle nebenan. Eine weitere Band, die ich dort zum ersten Mal live und in Farbe gesehen habe, die mich jedoch mit ihrer starken live Performance vom ersten Moment an überzeugt haben. Eins steht bei dieser Band fest: Ob es der quirlige Sänger ist, der durchgehend über die Bühne tanzt, oder Bassist Moretti, der dann auch einfach mal auf dem Boden sitzt oder liegt während er spielt: Bewegung wird hier groß geschrieben und ist die ganze Show über ununterbrochen vorhanden. Eine Band, die live auf jeden Fall Spaß macht.

Währenddessen fängt es auf der Mainstage erst richtig an. Jeder der BLESSTHEFALL schon einmal live gesehen hat weiß, dass Sänger Beau Bokan nichts, aber auch gar nichts anbrennen lässt und genau weiß, wie er sein Publikum so richtig anheizt. Während er permanent zwischen Bühne und Boxen hin und her springt, muss man als Fotografin schon ganz schön aufpassen, nicht doch mal seinen Fuß ins Gesicht zu bekommen. Genau das macht BLESSTHEFALL aber auch so einzigartig und zu einem meiner Favoriten: Diese ungezähmte Leidenschaft für das, was sie da tunm reisst einfach mit, ganz egal ob man die Band kennt oder nicht.

Diese Energie, die BLESSTHEFALL erschaffen haben, greifen die Briten BURY TOMORROW gleich mit auf und geben dem Publikum keine Chance sich auszuruhen. Eine schlechte Performance habe ich von den Vollblutmusikern rund um Dan Winter-Bates ehrlich gesagt noch nicht erlebt und so herrscht auch dieses Mal auf der Bühne nicht für eine Sekunde Ruhe.

Mystisch geht es weiter mit NORTHLANE. Marcus Bridge und seine Kollegen haben einfach ihren ganz einzigartigen, nostalgischen Stil, der sich so leicht auch nicht mit dem anderer Bands vergleichen lässt. Genau das ist auch der Grund, warum sie zu einer der besten und gefragtesten Bands der Progressive-Szene geworden sind und das haben sie am Freitag aufs neue bewiesen.

Jetzt allerdings wird es auch für mich spannend. EMMURE haben ihre Trennungsgerüchte mit der Zusage zu den Impericon Festivals definitiv widerlegt. Trotzdem: Außer Sänger Frankie Palmeri ist keines der alten Mitglieder mehr dabei, die Band startet also mit fast komplett neuem Line-Up. Wie das so wird, hat mich natürlich brennend interessiert. Das Fazit: Musikalisch sind keine deutlichen Unterschiede erkennbar, jedoch wirken die Neuen noch nicht so bühnensicher und verschwinden neben Frankie fast komplett im Hintergrund. Dieser tritt natürlich mit seiner typischen Ich-töte-euch-alle-mit-meinen-Blicken-Attitude auf. Das ist gut, dafür kennen wir EMMURE, nur wirkte das Ganze am Freitag einfach eher wie eine One-Man-Show und nicht wie eine Band, die als Einheit auftritt. Hoffen wir mal, dass das in Zukunft noch besser wird.

Ganz anders sieht das dann schon bei ANY GIVEN DAY aus, die gleichzeitig die zweite Bühne geradezu abrissen. Die Menge hier tobte und spätestens beim “Diamonds”-Cover singt dann auch der Letzte mit. Als Nächstes stehen hier CHELSEA GRIN auf der Bühne, von denen ich mir etwas mehr erhofft hatte. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Deathcore-Band aus den Staaten dort zum ersten Mal live erlebt hatte, aber im Vergleich zu den Bands, die ich zuvor schon vor der Linse hatte, fand ich die Jungs leider etwas unspektakulär.

Also wieder rüber zur Mainstage, denn was hier gleich passieren sollte war genau das Gegenteil: ESKIMO CALLBOY vs. CALLEJON. Die beiden deutschen Metalcore-Giganten treten auf den Impericon Festivals gemeinsam, sowie gegeneinander auf. Anfangs hatte ich zwar gedacht, dass wir uns auf eine Art Kollaboration á la SILVERTOOTH freuen dürfen, diese Idee gefiel mir jedoch auch ganz gut. Und was dann kam, war so viel mehr als ganz gut.

Die Jungs von CALLEJON und ESKIMO CALLBOY kommen auf die Bühne gestürmt mit Utensilien wie Nebelpistolen und riesigen Flaggen und zeigen direkt was abgeht. Dass das kein normaler Auftritt werden würde, war von der ersten Sekunde an ganz klar. Während eine Band im Vordergrund buchstäblich alles gab, durfte die andere sich an einer provisorisch aufgebauten Bar vergnügen, an welcher unter anderem VITJA-Sänger David Beule und ein Zuschauerin aus dem Publikum sich als Barkeeper ausprobieren durften. ESKIMO CALLBOY und CALLEJON sind selbstverständlich beides Bands, die zur Elite der deutschen Metalcore-Szene gehören. Wer aber gewinnt nun das Battle? Für mich persönlich mit leichtem Vorsprung ESKIMO CALLBOY. CALLEJON sind der Hammer, das steht außer Frage, aber in Sachen Performance können sie sich von Sushi und Co. doch noch ein bisschen etwas abgucken. Aber Hand auf den Tisch: Dieser Auftritt sucht wirklich seinesgleichen und war für mich unumstritten das Highlight des Tages.

Da können selbst HATEBREED, die als Nächstes und Letztes an der Reihe sind, nicht ganz mithalten. Trotzdem zeigen die Jungs am späten Abend noch einmal, warum sie Urgesteine des Hardcores sind und genau sie für diesen Abend als Headliner gewählt wurden. Der Auftritt der Amerikaner war einwandfrei und auch im Publikum war erkennbar, dass viele vor allem wegen ihnen da waren. Trotz des langen Tages entsteht ein Moshpit nach dem anderen und durch ihren dynamischen Auftritt bringen HATEBREED das Feuer in der Turbinenhallen nun richtig zum entflammen und sorgen so für einen gelungenen Abschluss dieses fantastischen Tages.

Mein Fazit: Das Impericon Festival 2016 in Oberhausen war mehr als gelungen und für mich genau der richtig Startschuss für die Festivalsaison. Durch das überdurchschnittliche Line-Up und mitreißende Live-Auftritte einiger Bands herrschte für keinen Moment Langeweile. Falls ihr also die Chance habt, noch zu einem der Impericon Festival zu gehen, die bis zum 7. Mai in verschiedenen Städten Europas stattfinden, solltet ihr diese auf gar keinen Fall verpassen!