IF THESE TREES COULD TALK – Red Forest

Artikel von
OuterSleeve

Wenn Bäume reden könnten, was würden sie wohl zu uns sagen? IF THESE TREES COULD TALK jedenfalls sind eine Band aus Akron, Ohio die seit Beginn des 21. Jahrhunderts besteht. Mit drei Gitarristen setzen sie viel eher auf Ambiente als auf Lyrik, da es sich bei den Amerikanern um eine Instrumental-Band handelt. “Red Forest” – passend zum Namen der Band – nennt sich deren drittes Studioalbum, das bereits 2012 veröffentlicht, jetzt jedoch von Metal Blade Records neu verlegt wurde.

Das Cover der CD spricht für sich, und für die Band. Durch den ersten richtigen Song “The First Fire” erhält der Wald seine Farbe. Es wird klar, dass es sich bei diesem Stück Musik um ein durchweg konzipiertes Album handelt. Auch Songtitel wie “Barren Lands Of The Modern Dinosaur” beziehen sich wohl direkt auf den Menschen, der durch die Brandrodung der Wälder seine eigene Lebensgrundlage unfruchtbar macht. Das Intro “Breath Of Life” sowie das Interlude “The Gift Of Two Rivers” sind die einzigen positiven Titel. Insbesondere diese beiden Tracks bauen besonders auf Atmosphäre anstelle von Melodien. Bei letzterem ist eine Stimme zu hören, die aber keine klaren Worte von sich gibt. Auch nach intensiver Recherche wurde nicht klar, um was es sich hier handelt. Eine versteckte Botschaft? Vielleicht eine klare Ansage?

Ein Stilmittel das zwischen einzelnen Liedern, am Ende der EP und im Interlude immer wieder aufgegriffen wird, ist ein einfaches Rauschen. Je nach Interpretation kann dieses unscheinbare Motiv als “wahrer” Klang des Waldes ausgelegt werden, der fernab der Musik existiert.

Musikalisch bewegen sich IF THESE TREES COULD TALK zwischen Progressivem Rock und Post Rock, mit viel Ambiente, einer Menge Ambiente und vorallem Ambiente! Der Sound der Platte klingt teilweise dreckig, insgesamt aber sehr rund und organisch. Auf Orchestration oder ähnliches wird verzichtet. Drei Gitarren sind genug um eine Show dieser Art abzuliefern.

Wunderschön gespielte Gitarren, mit gefühlvollen Basslines und perfekt akzentuiertem Schlagzeug zeichnen die Individualität der Stücke aus. Es wirkt quasi so, als würde das Album eine Geschichte erzählen, ganz ohne Worte. Und diese Worte vermisst man nicht, im Gegenteil wäre Gesang im Gesamtbild eher fehl am Platz. Affektgeleitet durchlebt jeder aufmerksame Hörer dieser Platte einer Art Traumreise ähnelnden Geschichte. Man stellt sich praktisch einen Spaziergang durch diesen Wald vor und wird gefesselt vom Klima, das sich von Song zu Song aufbaut und sich wie ein roter Faden durch den gleichfarbigen Wald zieht. Unter genauer Betrachtung wird klar, dass dieses Album nicht bloß Musik ist, sondern eine klare Botschaft vermittelt.

Ein einziger Kritikpunkt aus objektiver Sicht ist, dass die Musik, die hier an den Tag gelegt wird, für die meisten Hörer zu schwer zugänglich ist. Der Perfekte Soundtrack für einsame Fahrten durch nächtliche Wälder oder zum Entspannen nach einem stressigen Tag. Momentan arbeiten die Jungs aus Akron übrigens an einem neuen Album, welches in absehbarer Zukunft veröffentlicht werden wird. Eine klare Empfehlung für Fans von wirklich guter Musik. Entweder man ist verzaubert von den Melodien und dem Gefühl des Waldes, oder die Tatsache, dass keinerlei Gesang zu hören ist schreckt ab. Wer wagt sich auf einen Spaziergang durch den “Red Forest”?

9 von 10 Punkte auf der “Wie-klingt-es-denn-nun-wenn-Bäume-sprechen-könnten”-Skala