Euroblast Festival 2015

Artikel von
30004ac

Das Euroblast Festival in Köln war mein persönlicher Abschluss der diesjährigen Festivalsaison. Auch wenn es ein Festival mit zwei Indoor-Bühnen war, lud die Sonne zum Verweilen außerhalb ein. Vom ersten bis zum dritten Oktober, war das wohl größte Progressive-Metal Festival Europas zu Gange.

Um 13 Uhr war es endlich so weit. Die ersten Besucher wurden eingelassen und die Spannung stieg. Bands wie PROGHMA-C oder HEIGHTS wussten schon früh das Publikum zu überzeugen. Während der Saal der Hauptbühne sich mehr und mehr füllte waren HYPNO5E das erste richtige Highlight. Mit ihrem atmosphärischen Progressive Metal, einer gekonnten Show und zwei neuen Songs, wussten die Franzosen ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen. Leider war bis dorthin der Sound nur mittelmäßig und hat einigen Bands das gewisse etwas genommen, sodass manche Harmonien oder Melodien im Brei der Gitarren untergegangen sind.

Nun kommen wir zu den Headlinern. Einige der Leute sind wohl extra wegen HAKEN und BETWEEN THE BURIED AND ME gekommen. Sehr professionell und eingespielt funktionierte das tourende Paar der Bands. Letztere wussten mit ihren neuen Songs des Albums “Coma Ecliptic” aber auch mit älteren Lieder, die teilweise schon seit mehr als zehn Jahren existieren, zu überzeugen. Gekrönt wurde die Performance mit einem Cover von QUEENs “Bohemian Rhapsody”, das durch lautstarken Gesang des Publikums tatkräftig unterstützt wurde.

Der zweite Tag begann ähnlich wie der erste. Waren direkt am Einlass noch kaum Zuschauer vor Ort, sammelten sich diese schlagartig in der Halle um Bands wie CYCLAMEN oder ALAYA zu feiern. Wieder war der Sound ein gewisses Problem. So kam es, dass man Schwierigkeiten hatte, die Songs der Großbritannischen Band DEVIL SOLD HIS SOUL zu unterscheiden, und lediglich einen gewissen Matsch an Gitarren wahrgenommen werden konnte. Jedoch waren die Performances der Bands durchweg mit einem hohen Maß an Professionalität versehen. Auch die deutschen Prog Rock Granaten von THE INTERSPHERE konnten die hartgesottensten unter den Besuchern überzeugen. Mit THE ALGORITHM und MONUMENTS fand auch dieser Tag ein phänomenales Ende. Alles in Allem ein sehr interessanter zweiter Tag, der von einer witzigen Jam Session abgerundet wurde.
Nun war es also schon soweit, dass der letzte Tag angebrochen ist. Es fiel fast schwer, sich die Bands genau anzuschauen, da die Füße schmerzten und der Kopf mit progressiven Windungen nahe zu überfordert war. Gruppen wie THE HIRSCH EFFEKT oder VOLA waren überzeugend, aber wurden von etwas in den Schatten gestellt, was mir bis dahin unbekannt war: IGORRR nennt sich ein Projekt basierend auf Opern-Sängern und einem DJ, der mit symphonischen Klängen und Black Metal-Anleihen seine Musik aufbaut. Sehr verrückt, sehr ungewohnt, aber dafür wiederum sehr gekonnt und interessant.

Den krönenden Abschluss machten CYNIC, die trotz interner Probleme die Initiative ergriffen und diese exklusive Show gespielt haben. Leider wirkte die Band unauthentisch, quasi so, als hätten sie gar nicht wirklich Lust gehabt, diese Show zu spielen. Dennoch wurden sie sehr positiv aufgenommen und waren ein würdiger Headliner.

Nach diesen drei Tagen hatte ich neben einer Erkältung und jeder Menge Konversationen nicht nur Probleme damit harte Musik zu hören, es wirkte fast wie eine Reizüberflutung an Talent und Ambition. Jede Band auf diesem Festival hat zurecht dort gespielt. Das technische Niveau ist unglaublich hoch gewesen, und die Stimmung vor Ort war wohl eine der familiärsten die es gibt.