DEFTONES – Gore

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DEFTONES. Eine Institution, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich keine Einleitung mehr braucht, sind die Mannen um Chino Moreno mittlerweile seit über 20 Jahren im Geschäft und haben in den 90ern den Sound des Nu- und Alternative-Metals entscheidend mitgeprägt. Allerdings schienen DEFTONES nie in die Sparte zu passen, die sie selbst aufmachten, wurde um Sound-Trends doch ein großer Bogen gemacht und musiziert, wie es der Band selbst beliebte. So ist man mit Studioalbum Nummer acht auch bei der achten Sound-Neuinkarnation angekommen. Generell sollte man eine DEFTONES Platte ohne bestimmte Erwartungen anhören.

Eines vorweg: Dieses Album ist kein leichter Brocken, ganz im Gegenteil – es polarisiert bei den Fans. Kurz nach Release wurde es entweder als schwächstes Album der Band bezeichnet oder als das Meisterwerk nach “White Pony” (2000) gepriesen.

Der Opener des Albums “Prayers/Triangles” wurde als Single released. Hier gibt es eine Parallele zu “White Pony”: Der stärkste Song wurde vorangestellt, um das Album zu repräsentieren, wie “Change” seinerseits. Was gar nicht heißen soll, dass die restlichen Songs schlecht sind, jedoch bietet “Prayers/Triangles” mit seinen ruhigen Verses und dem Gitarrenwand-Chorus einen relativ eingängigen Sound, zu dem man schnell Anschluss findet. Auch “Acid Hologram” funktioniert nach einem ähnlichem Prinzip, ist dieser Song jedoch eher im Downtempo-Segment anzusiedeln und schleppt sich so voran.

Bei “Doomed User” ist es dann auch erstmal vorbei mit den ruhigen Momenten: Hier wechseln sich Riffs ab, die zu einem auch einer MESHUGGAH-Platte gut gestanden hätten und dann wieder einen klassischen Rock-Vibe haben. Einzig im Refrain wird kurz der Fuß vom Gaspedal genommen, nur um im Verse dem Hörer wieder eins voll auf die Zwölf zu geben. Auch “Geometric Headdress” wechselt den Lautstärkepegel einige Male, kommt jedoch um einiges melodischer daher.

Bei “Hearts/Wires” hat man kurz Zeit zum Durchatmen: Ein langes ruhiges Intro mündet hier in einer ebenso melodischen Strophe, die sich in einen kurzen bombastischen Refrain entlädt. Ähnlich melodisch geht es mit “Pittura Infamante” weiter, wobei der Song erst einmal relativ unspektakulär wirkt. Nach dem Aufbau in der Mitte des Songs hätte er ruhig etwas Fahrt aufnehmen dürfen, so fehlt ihm leider etwas die Dynamik. Mit elektronischen Samples wird übergeleitet zu “Xenon”, der seinem Vorgänger in Tempo und Aufbau ähnelt. Der Refrain zündet hier ein wenig besser, die große Überraschung im Songwriting bleibt allerdings dennoch aus. “(L)MIRL” wirkt am Anfang ähnlich zurückhaltend, jedoch wird der Song ab der Hälfte wieder etwas schneller und die härteren Elemente finden ihren Weg zurück ins Album.

“Gore” – hier wird pünktlich zum Titeltrack kurz vor dem Finale nochmal alles gegeben. Vor allem Sänger Chino keift und kreischt sich die Seele aus dem Leib, das Songende könnte glatt in einem Splatter-Film im Hintergrund laufen.
Ehe mit “Rubicon” das Ende des Albums eingeleitet wird, kommt mit “Phantom Bride” ein Song, bei dem Live auch gerne die Feuerzeuge und Arme mitgeschwungen werden können. Wenn man hier denkt, dass der Song einen so verschmust ins Finale entlässt, täuscht man sich jedoch gewaltig. Der Song klingt in einer mächtigen Gitarrenwand aus und so läuft mit “Rubicon” ein gelungenes Finale für dieses Album an. Vor allem der Refrain, der trotz Melodien die kräftigen Gitarren nicht missen, lässt aufatmen, nachdem auf dem Album sehr viele ruhige Momente herrschten. Der energetische Aufbau am Ende des Songs wirkt dabei ein wenig wie ein Cliffhanger, man darf also gespannt sein, wie das nächste Album klingen wird und in welche Richtung sich der Sound der DEFTONES weiterentwickeln wird.

Der Zuhörer sollte sich genügend Zeit nehmen, um sich einzugrooven. Hierfür sind eventuell einige Anläufe nötig. Dieses Album wirkt wie eine Jamsession, zu der man eigentlich nicht eingeladen ist. Man hört erst einmal ruhig zu, bevor man in den Raum tritt und Platz nimmt, denn die Deftones sind völlig mit ihren Songs beschäftigt. Auch wirken die Songs zunächst sperrig und roh durch die Singstrukturen aber auch der Sound trägt ein wenig dazu bei. Dies ist der einzige Punkt den man von technischer Seite aus bemängeln kann: Der Mix fällt sehr gitarrenlastig aus, sodass die Drums und der Bass teilweise ein wenig untergehen. Effekte auf Chinos Vocals sind zwar nichts Neues, allerdings wirken sie stellenweise einfach zu stark komprimiert und dadurch sehr spitz.

7 von 10 Punkte auf der “smile-now-you’re-all-set”-Skala