DEARIST – This House Has No Windows

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dearist this house

Großbritannien hat in den letzten 60 Jahren eine Unmenge an großen, einflussreichen und vor allem innovativen Bands hervorgebracht. Angefangen bei den BEATLES und den ROLLING STONES über PINK FLOYD, BLACK SABBATH und den SEX PISTOLS bis hin zu kontemporären Gruppen wie BRING ME THE HORIZON – wenn die Teetrinker von der Insel eine Sache verdammt gut können, dann ist das Musik. Dementsprechend umkämpft ist auch der Markt dort. Eine Band muss schon einiges bieten, um Fuß zu fassen und sich eine Fanbase aufzubauen, die nicht nur aus dem direkten Bekanntenkreis der Musiker besteht.

Auftritt DEARIST aus dem schönen Wolverhampton. Ursprünglich als Nebenprojekt des KYOTO DRIVE-Bassisten Adam Binder konzipiert, hat die Band jetzt ihr Debüt-Album über Close To Home Records veröffentlicht. Im Vergleich zu dem Pop Rock, den man von KYOTO DRIVE kennt, schlägt DEARIST einen deutlich düstereren Ton an und erzeugt damit eine Atmosphäre, die beinahe an den Post-Grunge der späten 90er und frühen 2000er-Jahre erinnert. Im Gegensatz zu den meisten Bands aus diesem Genre klingt “This House Has No Windows” aber deutlich erwachsener und ausgereifter. Und auch wenn das sonst eher flotte Grundtempo mal etwas verlangsamt wird, wie zum Beispiel in “Blemish” oder dem Quasi-Interlude “Something Unreal”, erzeugt das keineswegs einen schmalzigen oder klischeehaften Eindruck. So hat emotionaler Rock im Jahr 2015 zu klingen.

Aber auch und gerade wenn die Musik schnell, laut und aggressiv wird, wie zum Beispiel im Chorus zu “Leecher” oder in der Single “Fix”, dann zeigen DEARIST, dass sie durchaus in der Lage sind, mitreißende Musik zu machen. Unterstützt wird das von den Texten, die genretypisch von persönlichen Schwierigkeiten handeln und mit einer ordentlichen Prise Wut versehen sind. Dabei hat man aber nie das Gefühl, dass mit leeren Phrasen um sich geworfen wird, wie das sonst oft im Rock der Fall ist.

Einige uninspirierte Momente erlaubt sich die Gruppe allerdings doch. So birgt beispielsweise “What You Want” zwar einige musikalisch ansprechende Momente – besonders der Bass sticht hier heraus – klingt aber von der Struktur und insbesondere im Chorus viel zu sehr nach bereits dagewesenem und schwächt so auch ein wenig den Gesamteindruck. Ebenso erinnert “Fake” stark an beispielsweise SMILE EMPTY SOUL in der Consciousness-Ära. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass gerade diese Musikrichtung so viel gespielt wird, dass es sehr schwierig ist, noch eine komplett eigene Nische zu finden.

In jedem Fall liefern DEARIST mit “This House Has No Windows” ein grundsolides Erstlingswerk ab, dass sehr viele Stärken hat und auch einiges an Potenzial offenbart. Und da es das gute Stück als Download umsonst auf Bandcamp zu haben gibt, sehe ich auch keinen Grund, warum das Album nicht auf der Festplatte eines jeden Musikliebhabers landen sollte.

7 von 10 Punkten auf der “Young-love-is-but-a-jagged-edge”-Skala.