CONTINENTS – Reprisal

Artikel von
VR722_Continents

“Reprisal” ist der Nachfolger von “Idle Hands”, beide CD erschienen via Victory Records. Die Band gibt selbst an, den Albumprozess zu ihrem 2013er Werk schnell vorangetrieben zu haben, deshalb ließen sie sich für das Nahcfolge-Werk mehr Zeit.

Doch mit der Zeit kamen wenige neue Ideen, sondern ein überwiegend gleichbleibendes Schema: Das Album wird von röhrenden Gitarrenwänden dominiert, die nur durch die gutturalen Shouts überlagert werden. Letztere sind aber wiederum so monoton gestaltet, sodass die Musik von “Reprisal” zu einem großen Brei von Lärm verschmilzt. Allerdings kann hier auch keine Rede von der Kunstform Noise sein. CONTINENTS schmeißen schnellen Hardcore und deftigen Metal in den Ring.

Ambivalenter agieren die Waliser in den Interludes, die mit “I” und “II” durchnummeriert wurden. Das wahre Highlight verbirgt sich aber hinter dem Titeltrack: Atmosphärische Gitarrenriffs und vor Schmerz verzerrte Screams bauen langsam die Stimmung des sechsten von elf Songs auf, die sich im letzten Drittel mit ganzer Macht entlädt. Warum nicht mehr davon? Denn wenn CONTINENTS das ganze Album, oder immerhin ein paar Stücke, so clever konzipiert hätten, wäre “Reprisal” ein Ohrenschmaus. Aber dafür hat die zeit wohl wieder nicht gereicht – wir werden es in der Bandbiografie zum dritten Album erfahren.

Der sechste Song makiert nicht nur die Hälfte der Spielzeit der CD, sondern dient auch als musikalische Trennwand, hinter der sich viel bessere Tracks, beinahe Hits verstecken. “Awakening” schlägt mit dissonanten Riffs, die auch mal gegen das Taktmuster der Drums arbeiten, eine neue Richtung ein. In der zweiten Hälfte der CD lassen CONTINENTS den Gitarren generell mehr Spielraum; die Leads sorgen für einen Melodic Hardcore-Flair, der “Reprisal” richtig gut tut. Doch auch hier üben wir Kritik: Die Gang-Vocals in “Love. Loathe. Loss.” hätten gerne lauter abgemischt werden dürfen, denn diese sorgen für Gänsehaut und positive Stimmung.

CONTINENTS haben auf ihrer zweiten CD einige Fehler gemacht, aber überraschen gleichzeitig mit einer handvoll guter ideen, die leider zu spät auf der CD zu finden sind. Songs wie “Reprisal” aber auch das abgedrehte “The Defeatist” hätten gerne breiter ausgeschlachtet werden können, denn diese Noten bereichern die metallische Hardcore-Szene, die ersten Tracks auf “Reprisal” können genau dies nicht.

6 von 10 Punkte auf der “I’m-alive”-Skala