CITIZEN, TURNOVER Tour

Artikel von
foto citizen

Obwohl CITIZEN seit 2009 bestehen und seitdem eine beachtliche Fangemeinde auf der ganzen Welt um sich geschart haben, ließen sie sich Zeit mit ihrer ersten kompletten Europa-Tour. Erst jetzt, nach der Veröffentlichung ihres zweiten Longplayers “Everybody Is Going To Heaven”, wurde Europa wohl auch für sie unumgänglich, und sie spielten am 26.01. ein ausverkauftes Konzert im Berliner Musik & Frieden.

Die Ehre, den Abend zu eröffnen, fiel den Belgiern NEWMOON zu, bei deren anfänglichen, verzerrten Gitarrenklängen niemand so recht wusste, ob sie zur Show dazugehörten, oder vielleicht doch noch ein letztes Überbleibsel des Soundchecks waren. Auch als sich die Klänge beruhigt hatten, ging die Stimme des Sängers darin noch regelrecht unter. Mit Fortschreiten des Sets aber nahmen auch Tempo und Lautstärke der Songs zu, was von einem durchdachten Konzept zeugte, und bereitwilliges Kopfnicken im Publikum zur Folge hatte.

Bei TURNOVER, die als Nächstes die Bühne betraten, wandelte sich jenes Kopfnicken bereits zu Mitwippen; auch einige textsichere Fans fanden sich. Den Großteil des Sets machten die Songs von ihrem 2015 veröffentlichten Album “Peripheral Vision”, aus, die live mit genauso weichen Gitarren und einem erstaunlich dezenten Schlagzeugklang wie auf dem Album überzeugten. Zusätzlich spielten TURNOVER auch einige bisher unveröffentlichte Songs.

Der Auftritt von CITIZEN schließlich versprach von Anfang an, interessant zu werden. Noch vor Beginn machte Gitarrist Nick Hamm einen Disclaimer: Sänger Mat habe seine Stimme verloren und sie versuchten nun, mithilfe ihrer Freunde trotzdem eine gute Show zu spielen. Das Publikum wurde aufgefordert, sie kräftig zu unterstützen, aber natürlich auch zum “do whatever the fuck you want”. Welch ein Glück, dass sie ausgerechnet TURNOVER, mit denen sie zum ersten Mal 2012 tourten und seitdem befreundet sind, mit auf ihre Tour genommen hatten, sodass diese nun aushelfen konnten. Die erste Vertretung für Mat war TURNOVERs Gitarrist Eric, der mit “The Summer” einen Song vom Debütalbum als Einleitung darbot. Dem Publikum und vor allem den übereifrigen Stagedivern nach zu urteilen, hätte genauso gut Mat dort oben stehen können, der Enthusiasmus wäre gleich geblieben. Als Eric das Mikrofon Austin, dem eigentlichen Sänger von TURNOVER überließ, ebbte dieser Enthusiasmus langsam ab. Man sah einige Vertretungen kommen und gehen, aber niemand überzeugte so recht, bis Austin wieder hinter dem Mikro stand und verkündete, beim nächsten Song sei er sich aber wirklich sicher, das Publikum könne ihm helfen. Die ersten Akkorde von “Sleep”, mit einer der bekanntesten Songs von CITIZEN, ertönten, und die Aufforderung wurde in die Tat umgesetzt. Von da an lief dann alles wie von selbst: Die Moshpits und Stagediver hielten sich bis zum Ende des Sets, und sogar die lautstark geforderte Zugabe wurde der Crowd nicht verwehrt.

An dieser Stelle muss ich CITIZEN meinen vollen Respekt aussprechen. Wo andere Bands das Konzert, oder womöglich die ganze Tour, einfach abgesagt hätten, fanden sie eine wunderbare Lösung, die zwar bestimmt nicht jeden glücklich machen konnte, aber eine besonders familiäre Stimmung verbreitete, und angesichts der Spontaneität der Aktion sehr gelungen umgesetzt wurde.