ROCK AM RING = Chaos in Mendig?

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Chaos bei Rock am Ring 2016

Am Wochenende des dritten Juni bis zum fünften Juni fand das diesjährige Musikfestival ROCK AM RING zum 31. Mal statt. Gerockt wurde, doch wäre die Bezeichnung CHAOS IN MENDIG die treffende.

Grundsätzlich war das Festival gut organisiert, lockte mit vielen spannenden internationalen Acts und einem Feeling, dass man wohl nur hier findet. Das Gelände ist perfekt, um eine Großveranstaltung wie ROCK AM RING zu veranstalten. Es ist immens groß, aber dennoch übersichtlich und geschickt gegliedert. Auch die Wege vom Campingplatz zum Festivalgelände, die Anbindung mit Bussen, sowie die Parkplätze waren erträglich und in weniger als einer halben Stunde zu realisieren. So war es also kein Problem zum Auto oder zum Camp zurückzugehen. Auch der sogenannte LIDL Rockshop ermöglichte zu günstigen Preisen Essen und Trinken zu kaufen, sowie Hygieneprodukte oder beschädigtes Festival-Arsenal zu ersetzen. Die Chance, sich Bier vorzubestellen und am Eingang abzuholen, wurde auch viel wahrgenommen und ermöglichte es, stressfrei eine Palette Bier auf dem Festivalgelände abzuholen.

Doch kommen wir nun zu den Eckpunkten der Veranstaltung. Diese wurde am Samstag den vierten Juni für ungefähr vier bis fünf Stunden aufgrund eines Unwetters unterbrochen und Sonntags komplett abgesagt. So also zum ersten Punkt der Kritik.

Die Informationspolitik

Die Lautsprecher an den Orientierungstürmen des Campinggeländes waren entweder falsch justiert und ausgerichtet oder lediglich von minderer Qualität. So waren die Durchsagen nahezu unverständlich und nur aus unmittelbarer Nähe zu hören. Zeltete man zwischen zwei Türmen, die in einer Distanz von geschätzt fünfhundert Metern aufgestellt waren, war es unmöglich irgendetwas zu verstehen. Doch auch die Stimme der Durchsagen war nicht gut artikuliert. So wirkten die Ansagen zu mechanisch. Ein beruhigender Unterton war nicht zu vernehmen und sorgte eher für Beunruhigung als für Entspannung. Das Ganze wirkte wie in die Tribute von Panem, wenn es Durchsagen in den jeweiligen Distrikten gibt. Dementsprechend vergrößerte sich die Angst und die Panik, die doch verhindert hätte werden können. Eine angenehme Stimme, gute Artikulation wären ein Mittel hierfür gewesen.

Doch nicht nur die technische Ausstattung ist mangelhaft gewesen. Auch die Informationen generell waren sehr unaussagend und uninformativ gestaltet. So wurde von einem annähernden Gewitter gewarnt und behauptet, man solle sich in die Zelte begeben. Doch, dass die Bühnen gesperrt wurden, davon war auf dem Campingplatz nichts zu vernehmen. Desweiteren wurde man Sonntags mehr durch Mundpropaganda informiert, dass das Festival abgebrochen wird und man den Platz bis 12 Uhr hätte verlassen sollen. Online war das Ganze aber schon in der Nacht bekanntgegeben. Trotz der potentiellen Möglichkeit, eben das an alle Festivalzuschauer rechtzeitig zu verkünden, baute man wohl darauf, dass sich 90.000 Menschen binnen vier Stunden auf den Weg machen und davon ziehen.

Dass das nicht funktioniert, hätte klar sein sollen. Zu sehr baute Mendig darauf, dass Leute ihre Smartphones benutzen und die App nutzen, um weitere und genaue Informationen zu bekommen. Doch, bei annähernd 100.000 Leuten bestehend aus dem Team, Bands und Zuschauern sollte klar sein, dass sämtliche Netze überladen sind. Ungeachtet dessen, dass ein Handyakku eines Smartphones am zweiten, respektive dritten Tag schon geleert sein kann.

Unwetter

Die ganze Misere begann Freitags, nachdem PUSCIFER ihr Set beendet hatten und TENACIOUS D ihres mit dem Intro eröffneten, doch statt des ersten Songs war eine Durchsage zu vernehmen, die die Besucher aufforderte, Schutz zu suchen und zu den Zelten zu gehen, um sich dort vor möglichen Blitzeinschlägen in Sicherheit zu bringen. Kaum eine Minute später startete ein Unwetter mit starkem Platzregen, Donner und Blitzen. Wem es gelang, der flüchtete sich schnell in das ALTERNATENT. Unter den Leuten herrschte großer Aufruhr, Angst und Panik, da man natürlich noch immer die Bilder des letzten Jahres im Kopf hatte, als mehrere Menschen durch Blitzschläge verletzt wurden.

Nach etwa ein einhalb Stunden wurde das Gelände wieder freigegeben und der normale Spielbetrieb wieder aufgenommen. Doch ist fraglich, warum man dieses Unwetter nicht hat kommen sehen, geschweige denn die Besucher vorher informiert wurden. Hoch angepriesen wurden Kachelmannwetter, die nahezu stündlich einen Wetterbericht posteten und die Besucher und Angehörige auf dem Laufenden halten wollten. Doch kam dieses Unwetter wirklich so plötzlich? Hätte man dieses nur zehn oder 15 Minuten früher angekündigt, hätten wohl viele Besucher einen stressfreien Weg zu ihren Zelten gefunden – ohne dabei in Panik zu geraten. Vielleicht hätte es keine Verletzten gegeben. Hier hat der Veranstalter klar zu spät reagiert, und wohl nicht aus dem letzten Jahr dazugelernt.

Das zweite Unwetter wurde rechtzeitig angekündigt und mit beinahe fünf-minütiger Frequenz verkündet. Der Platz wurde geräumt und die Besucher begaben sich in Ruhe zu ihren Zelten. Man warnte davor, Zeltstangen zu berühren und auch Kabel nicht anzufassen. Während des Gewitters jedoch wurde eine Ansage gemacht, dass nun Gebäude zum Unterstellen am Haupteingang zur Verfügung stünden. Doch wer verlässt während eines tobenden Gewitters das Zelt und begibt sich in morastigem Schlamm auf dem Weg dorthin? Eine Geste, die im Extremfall Menschenleben hätte kosten können.

Lidl Rockshop

Ein weiterer Grund für Unmut war das Handeln des Personals im Lidl Rockshop. Eben dieser wurde währrend der Unwetter geschlossen und verbarrikadiert! So stellte man Kohlesäcke vor den Haupteingang, um anströmende Besucher vor einem Eindringen zu hindern. Schlangen von bis zu zweihundert Metern, die den Shop besuchen wollten, gehörten zum Tagesgeschäft. Doch als Besucher Schutz suchen wollten, wurden sie abgewiesen. Natürlich ist zu verstehen, dass man Angst vor Diebstählen, Beschädigung und Panik hat, doch wurde die Panik dadurch nur verstärkt. Ein auf Traversen gestütztes Schild des Discounters wäre der perfekte Blitzableiter gewesen und hätte alle anstehenden und wartenden Leute im Falle eines Einschlages verletzen können. Hier hat man definitiv fahrlässig gehandelt. Auch wenn zu verstehen ist, dass man nicht alle Leute hätte hinein lassen können, hätte man die Gäste nicht zum Bezahlen und Gehen nötigen sollen. Eine Fläche, die als Schutz vor dem Unwetter sicherlich besser fungiert hätte.

Die Abreise

Nachdem sich herumgesprochen hat, dass das Festival nicht weitergeführt wurde, machten sich viele auf den Weg zu ihren Autos, bepackt mit Zelten und allem was dazu gehörte. Dass es nicht gut ausgehen kann, dass eine solch große Menschenmenge innerhalb kürzester Zeit das Areal verlassen soll, lässt sich erwarten. Doch neben genervten, unmotivierten und unfreundlichen Ordnern lauerte ein viel größeres Problem. Eine absolute Unterbesetzung.

Es gab nahezu keine Zuweiser auf den Parkplätzen, die eine Ausfahrt ermöglichten. Der Weg vom Parkplatz zur Ausfahrt betrug circa 500 Meter. Eine Distanz für die insgesamt sechs Stunden benötigt wurden. Der Grund dafür? Ungeregeltes Ausfahren, Drängeleien und keine Zuweiser, die sich darum kümmerten. So verharrte man bis zu sechs Stunden in knallender Sonne, währrend von aufkommenden Unwettern gewarnt wurde. Eine Wasserversorgung der DRK wurde bereitgestellt, doch mitbekommen hat dies niemand, der kein Internet nutzen konnte. Am Ende des Staus stand ein einzelner Ordner, der in noch zartem Alter von vielleicht zwanzig Jahren, total überfordert, von der Hitze geschwächt, versucht hat die Leute zurechtzuweisen – und daran scheiterte. Ein desaströser Zustand, der hätte verhindert werden müssen.

Herr Lieberberg, wir müssen reden

Wie lange wollen sie noch am Standpunkt Eifel, der immer wieder für verrücktes Wetter bekannt wird, halten? Wieso ist alles so unorganisiert abgelaufen? Wie sieht es aus mit einer Entschädigung, immerhin wurde mehr als 1/3 des Festivals nicht bespielt, viele Fans sind enttäuscht.

Eine Stellungnahme steht bisweilen aus. Doch mit viel ist wohl nicht zu rechnen. Insofern es überhaupt mehr geben sollte, als eine heuchlerische Entschuldigung eines Mannes, der zwar als Identifikationsfigur fungiert, jedoch wohl zu alt geworden ist, sich den Aufgaben und der Verantwortung einer professionellen Organisation zu stellen.