CASEY in Leipzig

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CASEYs Liebe reicht für alle

Seitdem sie im März mit BURNING DOWN ALASKA durch Europa tourten, gelten CASEY als eine der großen neuen Hoffnungen des Melodic Hardcore. Trotz ihrer gelungenen Flucht aus dem Geheimtipp-Stadium lockte die Record-Release-Show ihres Debütalbums “Love Is Not Enough” nur eine zweistellige Menschenmenge ins Naumanns in Leipzig.

Der Support kam von UNEXCEPTIONAL, einem Aachener Ein-Mann-Projekt. Die Songs des zurückhaltenden jungen Mannes erinnerten – wen wundert’s? – an den Clean-Gesang von CASEY oder die Spoken-Word-Songs von FLATSOUND. Nur mit einer Gitarre und einer Lichterkette als Instrumente verstärkte er die durch die wenigen Zuschauer bedingte Wohnzimmeratmosphäre.

Auch als CASEY gegen halb zehn die Bühne betraten, änderte sich an der Zuschauerdichte nicht viel. Mit “Happy” starteten die fünf Waliser ihr Set ruhig, doch diese Ruhe währte nicht lange. Beim darauffolgenden “Haze” bewies Sänger Tom Weaver, dass er, trotz angeschlagener Stimme, bereit war, mehr als hundert Prozent zu geben. Wenige Songs später erklärte er, auf der Bühne sei es einfach zu warm, und stellte kurzerhand seinen Mikroständer in den Publikumsraum. Diese Entscheidung stellte nicht nur eine Bereicherung dar, weil Weaver nicht mehr so sehr unter der Hitze litt, sondern auch, weil die passionierten CASEY-Fans nun nicht einmal mehr auf die Bühne klettern mussten, um mit ihm zusammen ins Mikro zu schreien.

Da das Veröffentlichungsdatum von “Love Is Not Enough” nur fünf Tage zurücklag, fanden die Songs der “Fade”-EP erwartungsgemäß größeren Anklang im Publikum, aber auch die auf dem Debütalbum enthaltenen Songs rührten die Zuschauer teils zu Tränen, da einige der Texte an die der EP anknüpfen, und sich alle thematisch ähneln. Obwohl ursprünglich bestimmt anders bezweckt, widmete Weaver den vorletzten Song “Passion Flowers” einem Freund der Band, der sie auf der Tour begleitet hatte. Natürlich kam er auch nicht umhin, sich für die große Unterstützung bei CASEYs ersten Headline-Shows außerhalb Großbritanniens zu bedanken und entwertete so den Albumtitel und die vielzitierte Zeile

my love is not enough

offensichtlich reichte seine Liebe ja an diesem Abend für ziemlich viele Menschen. Nach viel zu kurzen vierzig Minuten war der Spaß dann auch schon wieder vorbei, obwohl CASEY sich todesmutig zu einer lautstark verlangten Zugabe hatten hinreißen lassen. Trotz einiger unglücklicher Faktoren (kleines Publikum, Krankheit seitens der Band…) kann man nicht sagen, dass CASEY keine großartige Show gespielt hätten und ihrer prophezeiten großen Zukunft einen Schritt nähergekommen sind.