BUCKCHERRY – Rock ‘n’ Roll

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buckcherry rock n roll

Rock, so heißt das neue Album der Hardrock-Band aus L.A. und gibt damit bereits eine Vorschau, worum es auf der ersten LP bei ihrem eigenen Label gehen soll. Buckcherry wollen beweisen, dass der Rock ‘n’ Roll noch lange nicht tot ist und es noch nie war. Das gelingt grundsätzlich auch recht gut.

Das Album beginnt fetzig mit dem energiegeladenen Opener “Bring It On Back”. Durch die spannungserzeugenden Gitarrenriffs, sowie die selbstbewussten Lyrics und Vocals wird eine Art abenteuerliche Stimmung erzeugt, die Lust auf mehr macht; eben genau das was Rock ‘n’ Roll auch sein soll. Der Song lädt zum Tanzen und Feiern ein, kann jedoch genau so gut beim gemütlichen Grillabend gespielt werden und erinnert allgemein an die ein oder andere Sommernacht.

Genauso energiegeladen geht es mit “Tight Pants” weiter. Das Tempo bleibt erhalten, der selbstbewusste Sound der Hardrocker ebenso. Zudem sind BUCKCHERRY in diesem, wie auch in anderen Songs des Albums sehr daran bemüht ihrem Stil einen neuen Flair zu verleihen. Das ganze soll in diesem Fall durch eine im Vordergrund stehende Reihe von Blasinstrumenten geschehen, wodurch der Track vor allem sehr groovig und jazzig wird.

Vor allem ist “Tight Pants” aber einer der lyrisch provokanteren und sexuelleren Songs. Der Titel sagt ja im Endeffekt schon alles aus, worum es geht. Bei BUCKCHERRY sollte man spätestens seit ihrem Erfolg “Crazy Bitch” darauf gefasst sein, dass es bei den Texten auch mal zur Sache geht. Das ist auch völlig ok. Es ist nun mal immer noch Sex, Drugs & Rock ‘n’ Roll, aber an manchen Stellen wird mir persönlich dieses Motto in BUCKCHERRYs neustem Werk ein wenig zu weit ausgeschöpft. “Tight Pants” beispielsweise kann auch schnell schon mal als frauenfeindlich oder entwürdigend wahrgenommen werden und der Song “Wood” ist musikalisch für mich nicht ernstnehmbar. Wem jetzt die Frage warum auf der Zunge brennt, dem rate ich einfach zum Lyrics lesen und vor allem zum Übersetzten.

Was jedoch noch störender ist, ist der Wechsel vom sexuell überladenen Song zur herzzerreissenden Rock-Ballade. Hinter “Wood” ist nämlich kein anderer Track platziert als “Rain’s Falling”, neben “The Feeling Never Dies” einer der ruhigen Songs auf dem Album. “Rain’s Falling” könnte mit dem blueslastigen Sound eigentlich einer der besten der zehn Tracks sein, da er aber komplettt falsch positioniert wurde, kommt das Sehnsuchts- und Herzschmerz-Feeling, das der Song durchaus erzeugen könnte, nicht rüber. Genau das ist eines der Probleme an ROCK ‘N’ ROLL: Man kann sich auf nichts wirklich einstellen und so wirkt alles eher unorganisiert und wild zusammen gewürfelt und das sollte ein Album im Endeffekt nie sein.

Ein weiterer Minuspunkt: Dass nicht ein einziger Song dabei ist, der Hitpotential verspricht; und das BUCKCHERRY diese Art von Songs schreiben können, haben sie schon des öfteren bewiesen. Das Album läuft leider ohne besondere Highlights oder Aha-Momente einfach so runter. Am ehesten an den Begriff Highlight des Albums kommt nur der Track “The Madness”. Hier werden thematisch die beiden Seiten, die jeder Mensch hat, die gute und die schlechte beschrieben; eine Art Yin-Yang-Theorie also. Jedoch könnte man sich auch hier von den Lyrics etwas mehr Tiefe wünschen.

THE MADNESS beginnt mit mysteriösen, geradezu gefährlichen Gitarrenriffs. Sobald die Drums einsetzten, wird das Tempo erhöht und der Song erlangt einer gute Power. Hier tritt allerdings wieder etwas auf, was auf viele Tracks von Rock ‘n’ Roll zutrifft. Sie sind grundsätzlich sehr gut und hätten das Potential richtig schön aufzublühen, werden aber von irgendetwas davon abgehalten. Das wiederum ist sehr schade, da Songs wie “The Madness” und “Cradle” sonst echt etwas besonderes sein könnten. So jedoch sind sie nicht mehr als normale Rocksongs.

Alles in allem hätte man sich nach der wirklich herausragenden “Fuck EP” vom Album “Rock ‘n’ Roll” um einiges mehr versprochen. Musikalisch ist zwar nicht viel auszusetzen, das jedoch sollte man von einer Band, die seit über 15 Jahren im Business ist aber auch erwarten können. Das gewisse Etwas fehlt leider an allen Ecken und Kanten und man bekommt gegen Mitte des Albums trotz der zehn kurzen Tracks eher Lust zum Ausschalten als zum Weiterhören. Das wahrscheinlich auch, da durch den ständig abrupt wechselnden Stil keine richtige Stimmung aufgebaut werden kann.

Wollen wir nur hoffen, dass wir in BUCKCHERRYs zukünftigen Werken wieder Kracher á la “Gluttony” erwarten dürfen.

5 von 10 Punkten auf der “don’t-be-scared-by-what-you-find”-Skala