BETWEEN THE BURIED AND ME – The Great Misdirect

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Dieses Album ist ein Masterpiece! Erfahrt mehr zu unserem Special.

BETWEEN THE BURIED AND ME ist nicht bloß ein langer Bandname, sondern sie sind wohl eine der außergewöhnlichsten Bands, die sich so auf dem Planeten umhertreiben. Im Grunde genommen, kann man keinem Album der Band eine gewisse Genialität abstreiten, doch “The Great Misdirect” sticht für mich heraus. Es das Album war, dass mir persönlich Zugang zu ihnen verschafft hat.

“The Great Misdirect” startet ruhig mit Cleangesang, cleanen Gitarren und einem interessanten musikalischen Mix aus Groove, Jazz und Progressive Rock, um es mal kurz zu fassen. “Mirrors” ist ein Track zum Herunterfahren. Doch, dass es eben nicht nur virtuos und entspannt funktioniert, wird mit dem nächsten Track zu verstehen gemacht. So brilliert “Obfuscation” mit einer Menge progressivem Riffing, Soli und einem Schlagzeugspiel, das dem Lauf eines Marathons gleich kommt. Dennoch melodisch und harmonisch auf höchsten Level und ohne Hindernisse strukturiert sich der Song über aggressive Parts bis hin zu wunderschön gespielten Cleanparts. Diese beweisen guten Groove und sorgen für Gänsehautmomente. Diese Gänsehautmomenten sind in jedem Stück wieder und wieder zu finden.

Mit “Fossil Genera: A Feet From Cloud Mountain” findet sich auch ein Track, der insgesamt eher jazz-orientiert klingt und durch das Pianointro eine mysteriöse Stimmung fortspinnt, die bereits mit “Mirrors” eingeleitet wurde. Es fällt auf, dass “The Great Misdirect” insgesamt nur aus sechs Songs besteht, aber dennoch eine Spielzeit von einer Stunde erreicht. Mit einem fullminaten Abschluss und wohl einem der emotional am besten in Szene gesetzten Musiken endet “Fossil Genera” und leitet in die trockene “Desert Of Song“ weiter. Einem Lied, das fast schon nach Country klingt und durch additionalen Gesang an Spektrum gewinnt. Ein schöner ruhe Pol nach einem eher glamourösen Mittelteil, der durch progressives Riffing, anspruchsvolles Schlagzeugspiel und eingängigen Gesang bestimmt ist.

Zuletzt folgt mit „Swim To The Moon” ein Song der alleine fast einer Spielzeit von achtzehn Minuten (!) entspricht. Manch andere Bands betiteln so etwas schon als EP, während es hier bloß der Schluss des Albums ist. Noch verrückter, noch experimenteller und mit einer instrumentellen Progressivität versehen die selbst Bands wie DREAM THEATER beeindruckt, strukturiert sich “Swim To The Moon” bis zum Ende. Ein klares Schema ist hier auf den ersten Eindruck nicht auszumachen. Stattdessen benötigt es einige Durchläufe, um sich klar zu werden, was hier eigentlich wirklich von Statten geht. Insgesamt arbeiten BETWEEN THE BURIED AND ME mit Variation, Motivik und Rhythmik und begeben sich auch des öfteren in ungeraden Taktsignaturen, sodass es für den Rezipienten mitunter kompliziert sein kann, den Takt herauszufinden und metrisch dazu mit dem Kopf zu nicken.

Die Balance zwischen Instrumental-Musik und Gesang ist auch auf “The Great Misdirect” gut gestaltet, sodass es hier für beide Fraktionen genug zu bestaunen und bewundern gibt. Langweilig wird dieses Album jedenfalls an keiner Stelle. Immer wieder finden sich neue Details, die man erst nach dem dritten, zehnten gar hundertsten Durchlauf bemerkt und herausfiltern kann. So stellt dieses Album für mich eines der absoluten Meisterwerke dar, die quasi gar nicht getoppt werden können. Sei es eine versteckte Message in “Disease, Injury, Madness” die nur bei rückwärtigem Abspielen der CD herausgehört werden kann, oder ein Pferdewiehern. “The Great Misdirect” ist voller genialer Ideen und versteckter Details, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

10 von 10 Punkte auf der “we-must-move-on”-Skala