BEACH SLANG Tour 2016

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Ein offener Brief an BEACH SLANG

Lieber James, Ruben und Ed,

Je besser die Show, desto betrunkener seid ihr. Oder je betrunkener ihr seid, desto besser die Show? In welche Richtung das Ganze funktioniert, habt ihr selbst noch nicht so ganz herausgefunden, aber solange ihr nicht plötzlich nach einer Show sagt, “die hat irgendwie keinen Spaß gemacht”, ist alles gut. Denn das ist mit der wichtigste Teil: Spaß haben. In Bremen war das Publikum anfangs noch eine Herausforderung, nicht leicht zu überzeugen. Könnte am Wochentag (Montag) gelegen haben. An euch lag es jedenfalls nicht.

Die Veröffentlichung des neuen Albums, “A Loud Bash Of Teenage Feelings” ist schon so nahe gerückt, dass wir drei neue Songs zu hören bekamen. “Spin The Dial”, “Atom Bomb”, und die erste Single “Punks In A Disco Bar”, die das Publikum annahm, als hätte es sie schon gekannt. Die meisten Zuschauer bei BEACH SLANG-Konzerten sind mehr auf das Saufen bedacht, als darauf, bei jedem Lied mitzusingen. Deshalb war es auch eine gute Taktik, “Atom Bomb” als letzten Song auf der Setlist zu platzieren, denn die harten, lauten, schnellen Gitarrenakkorde schreien förmlich: “Springt! Bewegt euch! Habt Spaß! Gebt alles!”

Weintrauben und Zigaretten

Aber, jedes Mal dieselbe Setlist zu spielen, das ist nichts für euch. Ihr seid immer für Überraschungen gut. In Bremen war es “We Are Nothing”, das mich eiskalt erwischte und mitten ins Herz traf. In Dortmund war es “Dirty Cigarettes” und die Ansage, die dorthin führte. Dortmund, die Show im FZW, die wohl immer als “The Fruit Show” in Erinnerung bleiben wird: James spielte als Zugabe ein gut einstudiertes Cover von THE CUREs “Just Like Heaven”, prustete plötzlich los, als die anderen Bandmitglieder mit Obst vom Catering aus dem Backstage-Bereich zurückkamen und es im Publikum herumreichten. Die restliche Zugabe bestand hauptsächlich daraus, dass ihr versucht habt, euch Weintrauben in den Mund zu werfen – und das ist wohl etwas, das so noch keiner der Anwesenden erlebt hat.

Die Show am folgenden Tag in Osnabrück hatte also Einiges einzuholen (Spoiler-Alarm: Ich finde nicht, dass sie das geschafft hat, aber das ist gar nicht schlimm). Überraschungen gab es trotzdem. Nummer eins: Die Moshfreudigkeit des Publikums. Nummer zwei: Am Abend vorher hatte ein Pärchen James im Spaß gebeten, beim nächsten Mal “There Is A Light That Never Goes Out” von THE SMITHS zu covern. Was sie nicht wussten: James verbrachte einen guten Teil des Nachmittags damit, diesen Song zu üben, um seine neuen Freunde nicht zu enttäuschen, und überraschte sich und seine Bandkollegen am Ende selbst damit, wie gut es wurde. Alkohol floss wie immer in Strömen, und ich durfte diesmal erfahren, dass es für mein Glück keinen Unterschied macht, ob ich bei der Show ein Bier trinke oder nicht. Wenn ich BEACH SLANG spielen sehe, fühle ich mich auch betrunken, ohne es zu sein.

Wie dem auch sei: Danke. Danke für drei Shows, die jede auf ihre Art und Weise einzigartig waren. Danke, dass ihr mich jedes Mal so glücklich macht, dass mein Gesicht hinterher wehtut, weil ich nicht aufhören kann zu lächeln.

Eure Milena