BASEMENT, TIGERS JAW, VAL SINESTRA in Berlin, Lido

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basement tigers jaw berlin

Nach zwei ausverkauften Headline-Shows in Berlin und Köln im letzten Jahr ließen BASEMENT sich nicht nehmen, ihre europäischen Fans bald danach mit einer ausgedehnteren Headline-Tour in größeren Clubs zu erfreuen. Es dürfte ebenso mit Entzücken vernommen worden sein, dass TIGERS JAW sie als Co-Headliner begleiten würden. Am 23. Februar beehrte dieses legendäre Line-Up das Berliner Lido.

Bereits eine Viertelstunde vor angesetztem Beginn des Konzerts standen VAL SINESTRA auf der Bühne. Und sie waren wütend. Sehr wütend. Der Sänger rannte schreiend in der Menge umher und beklagte sich zwischen den Songs wiederholt sowohl über den Veranstalter, der die unmögliche Zeit veranlasst hatte, als auch darüber, dass weniger als die Hälfte seiner Gästelistenplätze tatsächlich aufgetaucht waren. Um die Enttäuschung mit Musik zu verdeutlichen, stimmte er zwischendurch “Hurra, die Welt geht unter” von K.I.Z. an. Diese Energie bestimmte auch das restliche Set der Berliner. (Anm. d. Band, die uns per E-Mail erreichte: “Bei unserer wütenden Beschwerde ging es ausschließlich um den Tourneeveranstalter Target Concerts, der sich uns gegenüber sehr respektlos verhalten hat.”)

TIGERS JAW, die als Nächstes spielten, schafften es, die Stimmung im Saal komplett zu verändern. Die Harmonie der Stimmen von Keyboarderin Brianna Collins und Sänger Ben Walsh, sowie die allgemein eher ruhige Natur der Songs kreierten eine angenehme, intime Atmosphäre. Noch intimer wurde es natürlich während des Sets von BASEMENT, wo Körperkontakt schließlich unausweichlich wurde. Die Briten präsentierten in ausgewogenen Anteilen Songs vom neuen Album “Promise Everything” und den vorherigen Alben. Seitens des Publikums herrschte hier eine deutliche Trennung: Neue Songs wurden wohlwollend geduldet, bei alten Songs eskalierten die Stagedives und Moshpits. BASEMENT selbst tragen aber keine Schuld, denn die Performances von neuen und alten Songs waren gleichermaßen einwandfrei und berührend.

Die lustigste Anekdote des Abends: Der Moment, als Sänger Andrew Fisher mit dem Finger kreisende Bewegungen macht, weil er möchte, dass die Discokugel angeschaltet wird. Die Menge interpretierte das jedoch fehl und startete einen Circle Pit. Obwohl einige Konzertbesucher wohl die eine oder andere Blessur davongetragen haben, bleibt der Abend für alle Beteiligten doch in Sachen Emotionen vorrangig positiv im Gedächtnis. Nach der langen Abwesenheit von BASEMENT dürfte es vorerst unmöglich sein, zu viel von ihnen zu sehen.